SRG verlegt Teil der Radio-Info nach Zürich – Berner verärgert

Die SRG bleibt trotz Widerstand aus Politik und Wirtschaft hart: Der Grossteil der Radio-Informationsabteilung soll von Bern nach Zürich umziehen. Das hat der Verwaltungsrat der SRG entschieden.

<p>170 Mitarbeitende von «Echo der Zeit», «Rendez-vous» und anderen Infosendungen sind vom Umzug vom Radiostudio Bern ins Fernsehstudio Leutschenbach betroffen. Die Verlegung der Arbeitsplätze solle vorbehältlich des gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahrens ab Ende 2020 stattfinden, schreibt die SRG. Sie betont, dass sie in Bern mit 550 Mitarbeitern präsent bleibe.</p>
<p>Der Verwaltungsrat folgt mit dem Verlagerungsentscheid einem Antrag der SRF-Geschäftsleitung. Mit der Massnahme sollen jährlich fünf Millionen Franken gespart werden – ohne dass Arbeitsplätze abgebaut oder das Programm tangiert würde, betont die SRG. Sie will insgesamt 100 Millionen Franken sparen.</p>
<p>Der Entscheid des SRG-Verwaltungsrats löste scharfe Kritik aus. Der «Entscheid gegen Bern» dürfte für viele Mitarbeitende ein schwerer Schlag sein und Existenzen gefährden, schrieb die Genossenschaft SRG Bern Freiburg Wallis. Sie fordert die SRG auf, gegenüber dem Personal Verantwortung zu übernehmen.</p>
<p>Das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) will die Rechtmässigkeit des Umzugsentscheids prüfen. Dieser sei gefällt worden, ohne dass dem SSM sein Recht auf Anhörung zugestanden worden sei, schreibt die Gewerkschaft.</p>
<p>Deutliche Worte fanden auch Stadt und Kanton Bern sowie die Hauptstadtregion in einem gemeinsamen Communiqué. Die SRG drohe an Rückhalt in der Bevölkerung zu verlieren. «Wir sind besorgt über die Konzentration der News-Medien in Zürich.»</p>
<p>Für den Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried, Regierungsrat Christoph Ammann und den Freiburger Stadtammann Thierry Steiert ist das «kompromisslose Vorgehen» des gebührenfinanzierten öffentlichen Medienunternehmens «sachlich falsch und politisch unsensibel». Die SRG werde sich so mittelfristig schwächen, nicht stärken.</p>