Vermischtes

«Schwerwiegende Beeinträchtigung»

Das geplante freistehende Sommerrestaurant soll die Annexbaute am «Haus zu den zwei Raben» ersetzen, die abgerissen werden soll.
Das geplante freistehende Sommerrestaurant soll die Annexbaute am «Haus zu den zwei Raben» ersetzen, die abgerissen werden soll.
Das vom Kloster Einsiedeln im vergangenen Herbst vorgestellte überarbeitete Projekt für eine neue Gastwirtschaft auf der Insel Ufnau dürfte einen Dämpfer erhalten haben. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission lehnt das Baugesuch für das Sommerrestaurant ab.

Von Andreas Feichtinger

Pfäffikon. – Die Bemühungen des Klosters Einsiedeln, der Ufnau ein moderneres Gesicht zu geben, reichen fast zehn Jahre zurück. Im Herbst 2001 begannen erste Gespräche zwischen dem Kloster und der Gemeinde Freienbach über die Zukunft der Insel. In den Folgejahren wurde ein erstes Projekt vorgelegt, das unter anderem den Neubau eines von Architekt Peter Zumthor entworfenen Sommerrestaurants sowie die Renovierung des Gasthauses «Haus zu den zwei Raben» vorsah. Sämtliche Baugesuche für dieses Vorhaben wurden am 1. September 2009 zurückgezogen. Am 10. September 2009 stellte das Kloster Einsiedeln das überarbeitete und redimensionierte Projekt vor («Höfner Volksblatt» und «March-Anzeiger» vom 11. September 2009). Eingereicht wurden vier Baugesuche: der Ersatzbau Gastwirtschaftsbetrieb (Sommerrestaurant); «Haus zu den zwei Raben»: Abbruch Anbauten, Umbau und Restaurierung Barockbau, Aufbau Dachlukarne; Umbau und Erweiterung Weidstall mit teilweiser Nutzungsänderung; Ver- und Entsorgung «Haus zu den zwei Raben» und Ersatzbau Gastwirtschaft, Konzession Wasserentnahme.
Sowohl der Schweizer Heimatschutz wie die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz unterstützen das Projekt. Hingegen erhoben Aqua Viva, die nationale Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Flüsse und Seen, sowie der Schwyzer Heimatschutz im vergangenen Jahr Einsprache gegen das neue Projekt, ebenso der Verein Ufnau ohne Neubau.
 

ENHK gegen Baubewilligung
Im September 2009 hatte das Amt für Raumentwicklung des Kantons Schwyz der Eidgenössischen ­Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) die vier Baugesuche auf der Insel Ufnau zur Stellungnahme unterbreitet. Das ENHK-Gutachten liegt jetzt vor. Die ENHK kommt zum Schluss, dass der geplante freistehende Neubau eines Sommerrestaurants auf der Insel Ufnau, gemessen an den Schutzzielen der drei betroffenen Bundesinventare BLN (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung), Isos (Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz) und Moorlandschaftsinventar nach wie vor eine «schwerwiegende Beeinträchtigung» darstelle. Zudem zweifelt die Kommission an der grundsätzlichen Bewilligungsfähigkeit des Vorhabens aus rechtlicher Sicht. «Die ENHK lehnt deshalb das Baugesuch für das Sommerrestaurant ab», heisst es im Gutachten.
 

Mehr Fragen als Antworten
«Das neue Gutachten der ENHK wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet», schreibt das Kloster Einsiedeln in seiner Stellungnahme zum Gutachten. Es verlange «nach einer vertieften Erklärung». Sehr viele Aussagen im ENHK-Bericht zu den Projekten 2009 seien für die Klostergemeinschaft nicht nachvollziehbar. In einem aufwändigen Planungsprozess seien gemeinsam mit den ehemaligen Einsprechern, der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und dem Schweizer Heimatschutz, Lösungen erarbeitet worden, welche die Hinweise und Anregungen der ENHK aus den Jahren 2007 und 2008 aufgenommen und berücksichtigt hätten. In ihrem neuen Gutachten erwähne die ENHK ihre im Jahr 2008 gemachten Hinweise zur Projektierung an die Bauherrschaft nicht mehr.
Unbeantwortet bleibt aufgrund des Gutachtens für das Kloster Einsiedeln auch die Frage, ob ein Ersatzbau rechtlich möglich sei oder nicht. «Dazu werden im Gutachten befürwortende und ablehnende Experten zitiert. Wobei überrascht, dass sich die ENHK auch auf Stellungnahmen zum alten Projekt abstützt.» Die ENHK komme selber zum Schluss, dass es nicht ihre Sache sei, die rechtliche Situation zu beurteilen. Für das Kloster Einsiedeln ist mit dem Gutachten der Entscheid über das weitere Vorgehen auf der Ufnau nicht gefällt. Das Gutachten müsse im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens neben vielen anderen Entscheidungsgrundlagen gewertet werden. Die zuständige Instanz für die Erteilung von Baubewilligungen auf der Insel Ufnau seien die Behörden im Kanton Schwyz und nicht die ENHK, heisst es weiter in der Stellungnahme. Man sei nach wie vor der Überzeugung, dass die im September 2009 eingereichten Baugesuche «eine hohe Qualität aufweisen und die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen einhalten». Das Kloster werde nun den Entscheid der Bewilligungsinstanzen abwarten.
Die Sektionen Zürich und Schwyz des Schweizer Heimatschutzes nahmen gestern Abend in einer gemeinsamen Medienmitteilung zum ENHK-Gutachten wie folgt Stellung: «Die Sektionen Zürich und Schwyz des Schweizer Heimatschutzes freuen sich über die Bestätigung ihrer Haltung durch die ENHK und hoffen, dass die Bauherrschaft sich nun gesprächsbereiter zeigt für Lösungen, die mit Verfassung und Gesetz in Einklang zu bringen sind.» Ihre Mitwirkung bei solchen gangbaren Lösungen hätten sowohl die ENHK wie der Schwyzer Heimatschutz seit Jahren angeboten.

Auch restliche Baugesuche überprüfen
In ihrem Gutachten empfiehlt die ENHK zudem, auch die Baugesuche für das «Haus zu den zwei Raben», für die gemeinsame Ver- und Entsorgung sowie für den Einbau von Kühlräumen im Weidstall neu zu überprüfen. Die verschiedenen geplanten Bauvorhaben am «Haus zu den zwei Raben» stellen laut Gutachten hinsichtlich der landschaftlichen Schutzziele zwar keine Konflikte dar. Aber: «Der Abbruch der bestehenden Anbauten, die Errichtung der Dachlukarne, die geplanten Wiederherstellungs- und Restaurierungsinterventionen am ‹Haus zu den zwei Raben› müssen jedoch in erster Linie aus denkmalpflegerischer Sicht und hinsichtlich dem Schutzziel der Erhaltung der historischen Bausubstanz beurteilt werden.»
Das gelte ebenso für die baulichen Massnahmen am Weidstall. Zuständig für diese Beurteilung sei die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD). Angesichts der grundsätzlich negativen Beurteilung des geplanten Restaurants hat die ENHK jedoch, in Absprache mit dem EKD-Präsidium, auf den Einbezug der EKD verzichtet.
Weiter heisst es im Gutachten, dass «die Verträglichkeit des landwirtschaftlich bedingten Umbaus und der Erweiterung des Weidstalls erst abschliessend beurteilt werden können, wenn detaillierte Angaben zur Weidenutzung sowie zur Flächen- und Nährstoffbilanz vor-liegen». Insbesondere müsse der Nachweis erbracht werden, «dass das Schnitt- und Weideregime, die Weideintensität und die Verarbeitung der anfallenden Hofdünger zu keinen Beeinträchtigungen der schutzwürdigen Biotope und auch sonst zu keinen negativen ökologischen Auswirkungen führen respektive dass die anfallende Gülle auf das Festland abgeführt wird». Ebenfalls sei aufzuzeigen, «wie der anfallende Aushub entsorgt werden soll».

Wie weiter?
Das Gutachten der ENHK ist laut dem Amt für Raumentwicklung des Kantons Schwyz allen involvierten Parteien zugestellt worden. Sie hätten nun bis Anfang März dieses Jahres Zeit für ihre Stellungnahmen. Wenn alle Stellungnahmen eingetroffen seien, entscheide das Amt für Raumentwicklung über das weitere Vorgehen. Ob und welchen Einfluss das ENHK-Gutachten auf die Baubewilligungen habe, war vom Amt für Raumentwicklung nicht zu erfahren. Es handle sich um ein laufendes Verfahren, hiess es dazu.

11.2.2010 / 05:00 / marchanzeiger.ch
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