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Offener Brief an die Freunde der Insel Ufnau

Liebe Freunde der Insel Ufnau,
Das Bundesgericht sagt Nein zum Ersatzbau für die Gastwirtschaft auf der Insel Ufnau. Das hat es am 16. Dezember 2011 entschieden. Auf die Argumente der Regierung des Kantons Schwyz und des Schwyzer Verwaltungsgerichts, die zum Schluss gekommen waren, ein Ersatzbau sei möglich, ist das Bundesgericht nicht eingegangen.
Das Kloster bedauert den Entscheid und ist enttäuscht. Es hatte stark auf eine Entscheidung zu Gunsten der Projekte gehofft. Immerhin arbeitet das Kloster seit 2002 am Gesamtprojekt Ufnau. Das oberste Ziel bei allen Tätigkeiten war, der Einmaligkeit der Ufnau Rechnung zu tragen. Daraus entstand im Jahre 2003 das Konzept Ufnau – Insel der Stille. Mit grosser Sorgfalt bei der Planung und Umsetzung wurden bisher drei Teilprojekte realisiert und abgeschlossen. Aber das Konzept aus dem Jahre 2003 Ufnau – Insel der Stille beinhaltet auch die Weiterführung des Gastwirtschaftsbetriebs.
Der hoch qualifizierte Architekt Peter Zumthor wurde mit der Arbeit beauftragt. Für die Erneuerung der Gastwirtschaft wurden zwei komplette Projekte entwickelt. Der Schweizer Landschaftsschutz (SLS) und der Schweizer Heimatschutz (SH) haben bei der Entwicklung des zweiten Projekts mitgewirkt, es in der Folge dann auch ohne Einschränkungen mitgetragen und unterstützt. Das Kloster ist nach wie vor überzeugt von den Vorzügen der vorliegenden Lösung.
Ohne Gastronomie-Ersatzbau kann das Gesamtkonzept nicht umgesetzt werden, denn dann fehlt der Teil Gastfreundschaft. Für die Natur und die sakralen Bauten ist gesorgt. Nicht gesorgt ist langfristig für die Besucher.
Das Kloster wird nun vorerst den schriftlich begründeten Entscheid genau studieren. Es möchte wissen, welche Punkte zur Gutheissung der Beschwerde führten. Erst danach können Schlüsse gezogen werden.
Im Zusammenhang mit der Insel Ufnau werden nach diesem Urteil sicher keine schnellen Entscheidungen fallen. Die Ufnau ist ein Kleinod. Ihre Nutzung ist komplex, ihre Erhaltung ist noch viel komplexer. Dass dem so ist, geht daraus hervor, dass am Projekt Ufnau seit 2002, also seit neun Jahren, gearbeitet wird. Das Kloster ist von der vorliegenden Lösung nach wie vor überzeugt. Jetzt sind ein Zwischenhalt und eine Denkpause angebracht.
Das Kloster konnte in den vergangenen Jahren – dank der Unterstützung vieler Institutionen des Staats und einer grossen Zahl von Privatpersonen – auf der Ufnau mehrere anspruchsvolle Projekte realisieren und abschliessen. Zusätzlich tätigte das Kloster aus eigenen Mitteln beträchtliche Investitionen für die Aufrechterhaltung der Gastwirtschaft (Provisorium). Nicht zu unterschätzen sind die fortlaufend anfallenden Kosten im Bereich des Unterhalts und der Pflege (Sakrale Bauten, Bootssteg, Wege, Wald). Das Kloster wird sich deshalb in absehbarer Zeit darauf beschränken, die nötigen Pflege- und Unter-haltsarbeiten durchzuführen. Auf jeden Fall sind keine weiteren Investitionen im Bereich des Provisoriums der Gastwirtschaft vorgesehen.
Die Insel ist seit jeher öffentlich zugänglich, und sie soll es auch weiterhin bleiben. Die Besucher der Insel dürfen davon ausgehen, dass sie auf der Ufnau als Gäste willkommen sind. Das Kloster möchte, dass die Gastwirtschaft auf der Ufnau solange wie möglich weiter betrieben wird und von den Gästen genutzt werden kann. Das ist einerseits vom Pächterehepaar abhängig, andererseits von der Frage, wie lange der Betrieb den Vorschriften der Lebensmittelgesetzgebung zu genügen mag und damit gesetzeskonform ist. Sollte die Aufrechterhaltung des Provisoriums der Gastwirtschaft eines Tages nicht mehr möglich sein, ist es denkbar, dass die Ufnau eine Weile ohne Gastwirtschaft auskommen muss.
Die Aufrechterhaltung der Gastwirtschaft auf der Ufnau hatte und hat für das Kloster Einsiedeln einen hohen Stellenwert. Dazu wurden in den vergangen Jahren denn auch enorme Kräfte eingesetzt. Die Aufgaben des Klosters im Ganzen sind allerdings umfassend und vielfältig. Die Prioritäten der Lösung der Aufgaben werden demzufolge laufend überprüft und immer wieder neu festgelegt. Ein neues Projekt für die Gastwirtschaft auf der Ufnau ist in diesem Kontext nicht vorrangig.
Die Ufnau liegt der Klostergemeinschaft am Herzen. Und dies nicht erst seit heute, sondern schon seit dem Jahre 965. Die Ufnau liegt aber auch sehr vielen Menschen und Institutionen aus Nah und Fern am Herzen. Die Liebe und die Sympathie zur Ufnau, diesem Kleinod im Zürichsee, ist weit verbreitet. Der Verein Freunde der Insel Ufnau, die beiden Kirchgemeinden von Freienbach, die Korporationen von Pfäffikon und Freienbach, Stiftungen aus der Gemeinde Freienbach und aus der ganzen Schweiz und viele Privatpersonen, Gönner und Tausende von Sympathisanten unterstützen das Kloster in allen – realisierten und geplanten – Projekten auf der Ufnau.
Diesen Menschen und Institutionen, vor allem aber auch der Tradition des Klosters selbst gerecht zu werden heisst, der Ufnau nach wie vor Sorge zu tragen. Das Urteil des Bun-desgerichts ist letztendlich eine Episode im Laufe der 1047 Jahre, in denen dieses Kleinod im Besitze des Klosters Einsiedeln ist.
Das Kloster wird deshalb mit gleichbleibender Ernsthaftigkeit wie bisher prüfen, welche Massnahmen für die Ufnau zwingend sind, damit die Insel, die Natur, die Gebäude und die Anlagen keinen Schaden nehmen. Dazu gehören in erster Linie Notmassnahmen zur Schadensbegrenzung am «Haus zu den zwei Raben», an dessen Dach, den Fenstern und dem Schutz vor Wassereinbrüchen. Dringend sind Massnahmen für die Instandstellung der Bootshütte und des kleinen Landungsstegs auf der Südseite.
Dazu gilt es, die Situation rund um den Weidstall komplett zu überprüfen. Auch hier geht es darum, mit Notmassnahmen vorerst über die Runden zu kommen. Im schlimmsten Fall ist es möglich, dass die Tierhaltung auf der Ufnau aufgegeben werden muss.
Liebe Freunde der Insel Ufnau, Sie alle haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit der Insel Ufnau beschäftigt, damit unsere Klostergemeinschaft dieses Juwel im Zürichsee in eine gute Zukunft führen kann. Miteinander waren wir unterwegs.
Alle haben ihre Zeit, ihre Energie, ihre Kreativität und ihre Kompetenzen eingesetzt. Dafür sage ich von Herzen: Vergelt’s Gott. Grosse Schritte konnten geplant und umgesetzt werden. Darüber dürfen wir uns freuen. Viele Menschen sind uns dankbar. Die Hoffnung auf die Umsetzung der letzten Etappe wurde jäh zerschlagen. Das tut weh.
Wir haben lange um eine gute Lösung gerungen. Andere können solche aus dem Hut zaubern. Am letzten Freitag schrieb ich in Twitter: «Je weniger man die Komplexität einer Situation kennt, umso schneller hat man (nicht taugliche) Lösungen bereit #Stammtisch.» Wir brauchen jetzt Zeit. Die Entscheidung des Bundesgerichts muss zuerst einmal verdaut werden.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes 2012 und trotz allen Niederlagen den Mut, nicht in der Vergangenheit hängen zu bleiben, sondern leidenschaftlich die Gegenwart zu le-ben und zuversichtlich in die Zukunft zu gehen.

Abt Martin Werlen OSB

 

9.1.2012 / 14:46 / marchanzeiger.ch
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