«Idee ist durchaus prüfenswert»
Von Claudia Hiestand
Ufnau. – «Es gibt im Leben nie nur
eine Lösung», sagt Architekt Bryan Thurston. Deshalb hat er schon vor drei Jahren ohne Auftrag einen neuen Vorschlag für das Sommerrestaurant auf der Insel Ufnau skizziert. Und er ist überzeugt, dass sein Projekt den Leuten gefällt. «Ich bin kein Stararchitekt», erklärt er, «aber es ist mein Anliegen, lebendige, wohlproportionierte Architektur zu kreieren.» Er habe daher nicht versucht die alte Architektur auf der Insel zu kopieren, sondern etwas erstellen wollen, das den Bedürfnissen eines modernen Gastronomiebetriebs gerecht werde, ohne dabei das Landschaftsbild auf der Ufnau zu zerstören. Thurston bezeichnet seinen Vorschlag als «bescheiden, aber mit
vibrierendem Esprit» (siehe Kasten).
Gutachten notwendig
Raimund Rodewald, Vertreter der Öffentlichkeit im Zentralvorstand des Schweizer Heimatschutzes, kennt
die Skizzen von Bryan Thurston. «Er hat sie mir bereits früher unterbreitet, und ich habe sie auch dem Kloster empfohlen», erklärt Rodewald. Er persönlich findet die Idee durchaus prüfenswert, weist jedoch darauf hin, dass gemäss Bundesgerichtsurteil ein Neubau ausgeschlossen ist. «Auch Thurstons Projekt ist mehr als ein reiner Ersatzbau für den Anbau am Gasthaus», so Rodewald. «Das Bundesgericht verweist in seinem Urteil darauf, dass betreffend Abriss des
Anbaus ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege fehlt.» Das Gericht lasse also durchschimmern, dass eine eventuelle bauliche Veränderung auf der Insel – in welcher Form auch immer – von der Zustimmung dieser Kommission abhängig sei.
Ebenfalls entscheidendes Zünglein an der Waage dürfte der Verein Ufenau ohne Neubau sein. Dieser setzt sich
vehement gegen einen Neubau auf der Insel Ufnau ein und hat den einspracheberechtigten Umweltschutzverband Aqua Viva erfolgreich dazu gebracht, vor Bundesgericht gegen Zumthors Neubau zu kämpfen. Was hält der Verein von Thurstons Idee? Denn auch diese setzt den Abriss des mehr als 70-jährigen Anbaus voraus.
Rechtzeitig alle ins Boot holen
Werner-Patrick Pfenninger, Präsident des Vereins Ufenau ohne Neubau, sagt dazu: «Der 1939er-Anbau muss zuerst aus denkmalpflegerischer Sicht beurteilt werden. Sollte die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege zum Schluss kommen, dass er ohne Auflagen abgebrochen werden kann,
würden wir uns selbstverständlich und ernsthaft mit dem Projekt von Bryan Thurston oder auch mit weiteren Varianten auseinandersetzen.» In einem zweiten Schritt sei zu prüfen,
ob die Skizzen mit den Bestimmungen des Moorlandschaftsschutzes und weiteren relevanten Vorschriften zu vereinbaren seien. «Letztlich ist es nicht an uns, Thurstons Projekt zu beurteilen», so Pfenninger. «Sollte die Bauherrin dieses Projekt tatsächlich in Betracht ziehen, wären die entsprechenden Kommissionen, Verbände und Interessengruppen rechtzeitig um Beurteilung anzufragen.»
Das Kloster Einsiedeln liess über Markus Ruoss, Pressesprecher in Sachen Ufnau, ausrichten, das Projekt Ufnau ruhe zurzeit. «Das Kloster wird das Thema zu gegebener Zeit und mit grösster Sorgfalt wieder aufnehmen», so Ruoss. «Das braucht aber Zeit. Es wird keine schnellen Entscheidungen geben.»
Neubau aus Holz mit begrüntem Flachdach
Architekt Bryan Thurston schlägt konkret vor, den Anbau aus dem Jahr 1939 am «Haus zu den zwei Raben» abzureissen und dort einen neuen Anbau zu erstellen. Thurstons Pläne beinhalten unter anderem ein filigranes Vordach an der Ostseite des «Haus zu den zwei Raben». Dort sollen auch die Zugänge zu einem ebenerdigen Invaliden-WC und zu den WCs unter dem Neubau sowie die Essens- und Getränkeausgabe zu stehen kommen. Die Gartenwirtschaft bleibt unter den jetzigen Platanen, jedoch sieht Thurston neue Tische und Stühle vor.
An der Nordseite des «Haus zu den zwei Raben» ist der eigentliche Neubau aus Holz mit einem begrünten Flachdach vorgesehen. Wichtigste Bestandteile des Neubaus sind die grosse, zentral gelegene Küche und das Restaurant, das über die Wintermonate in Betrieb sein soll. Die nordseitigen Fenster reichen bis zum Boden und bieten Aussicht auf die Hügel mit den beiden sakralen Bauten.



