Kandidaten halten Bewerbungsreden für CDU-Vorsitz

Am Parteitag der deutschen CDU in Hamburg haben die drei Kandidierenden für die Nachfolge von Angela Merkel an der Spitze der Partei ihre Bewerbungsreden gehalten. Weitere Kandidaten meldeten sich vor Ablauf der Frist nicht.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer rief ihre Partei am Freitag zu mehr Mut und Selbstbewusstsein auf. Die Partei dürfe nicht Schwarzmalern hinterherlaufen, sondern müsse mutig auch gegen den Zeitgeist Kurs halten, rief die frühere saarländische Ministerpräsidentin den versammelten rund 1000 Delegierten zu.

Besonders grossen Applaus erhielt die 56-Jährige, als sie vor dem Hintergrund der anstehenden Kampfabstimmung um den Parteivorsitz mit Blick auf Friedrich Merz und Jens Spahn sagte, keiner der drei Kandidaten werde der Untergang für diese Partei sein. Für sie gebe es keine konservative, liberale oder wirtschaftsfreundliche CDU, sondern nur «die eine CDU», die für viele eine Art Familie sei.

Merz appellierte in seiner Rede hingegen an eine Erneuerung. «Von diesem Parteitag muss ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung unserer Partei ausgehen», sagte Merz. Es brauche einen «Strategiewechsel» beim Umgang mit Themen, in der Auseinandersetzung mit dem politischen Wettbewerber sowie in der Kommunikation mit den Bürgern.

Merz bekräftigte aber auch seinen Willen zu einer guten Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Merkel. «Für uns geht immer das Land vor der Partei», fügte Merz unter Applaus hinzu. Das Verhältnis von Merz und Merkel gilt als angespannt. Merz musste seinen Posten als Unionsfraktionschef 2002 zugunsten von Merkel aufgeben.

Gesundheitsminister Jens Spahn rief die Delegierten ebenfalls zu einem Neuaufbruch auf. Die CDU brauche kein «Weiter so» und «kein Zurück in die Vergangenheit». «Was wir brauchen, ist eine Idee für die Zukunft, einen Perspektivwechsel». Ihn treibe die Frage um, wie Deutschland im Jahr 2040 aussehe werde.

Erstmals seit 1971 entscheiden die CDU-Delegierten bei der Wahl ihres Vorsitzenden zwischen mehreren Kandidaten. Gewählt ist, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Gelingt dies keinem der Bewerber in der ersten Runde, kommt es zu einer Stichwahl der beiden Bestplatzierten.

Applaus für Merkel

Zum Auftakt des Parteitages hatte die scheidende CDU-Vorsitzende Angela Merkel ihre Partei zur Geschlossenheit aufgerufen. Sie wünsche sich, dass die CDU aus dem Parteitag in Hamburg «gut gerüstet, motiviert und geschlossen» herausgehe, sagte Merkel.

Merkel, die nach mehr als 18 Jahren den CDU-Vorsitz abgibt, wurde nach ihrer Rede mit rund neunminütigem Applaus verabschiedet: Die Delegierten erhoben sich von ihren Plätzen, viele hielten Schilder mit der Aufschrift «Danke, Chefin» in die Höhe. Manche der CDU-Mitglieder waren angesichts des Abschieds Merkels zu Tränen gerührt. Merkel selbst wählte in ihrer Rede teilweise sehr persönliche Worte und war von dem langen Beifall sichtlich bewegt.