Mundart-Pop-Duo Hainan veröffentlicht sein erstes Album

Sie kommen aus Bern, leben in Zürich und hätten in China als Hotelmusiker anfangen können: Levin Dennler und Juri Mischler. Als Mundart-Pop-Duo Hainan veröffentlichen sie am 6. Dezember ihr gleichnamiges Debütalbum.

Wenn Komponist und Produzent Levin Dennler nicht seit seiner Kindheit unter starkem Heimweh leiden würde, wären er und Texter Juri Mischler womöglich noch immer in Südchina. Auf der Insel Hainan, wo sie vor mehr als einem Jahr – aus einem geteilten künstlerischen Vakuum heraus – zusammen unterwegs waren, um Musik zu schreiben. Und dabei so viel Geld zu verprassten, dass sie sich ihre letzten zwei Wochen mit Auftritten in Strandbars und Hotels finanzieren mussten.

Dennler und Mischler sangen auf Berndeutsch, Englisch und lernten ein paar chinesische Titel, die ebenfalls gut angekommen seien. Dazu spielten sie Gitarre, je nach dem Klavier oder was es in den jeweiligen Lokalitäten gerade so zu finden gab. In einem Hotel wären sie glatt angestellt worden, erzählen die beiden Mittzwanziger der Nachrichtenagentur Keystone-SDA bei einem Treffen in Zürich. Und deshalb ist ihnen Hainan so wichtig, dass sie sowohl ihre Band wie auch das erste gemeinsame Album danach benannt haben.

Die Singleauskopplungen «More Life», «Punks», «Millisekunde» und «Lo Siento», die uns über das Jahr hinweg erschienen sind, haben für einen kleinen Hype gesorgt. Hainan erinnern sich an ein improvisiertes Spontankonzert in Bern – das einzige, das sie in dieser Formation je gegebenen haben – an dem das Publikum die Refrains mitsangen, als wären sie bereits Hits gewesen.

Bevor ein falscher Eindruck entsteht: Hainan machen keine Mitgröhlmusik, sondern eher das Gegenteil. Ihr Pop ist geschmeidig wie eine Rollschuhfahrt auf frischem Teer, ist entspannt, sexy und geht runter wie Honig. Wer dazu nicht gerade im Polstersitz eines Autos lehnt und durch die Nacht zum nächsten Club fährt, der bewegt sich wohl am ehesten so wie eine Palme im Wind. Unten reglos, fest verwurzelt in warmem, weissem Sand – und oben so, wie es die äusseren Umstände dann eben gerade wollen.

Trip durch die Partynacht

Dennler und Mischler bedienen sich unterschiedlicher Stilelemente aus R&B und Hip-Hop und fabrizieren daraus «harmonischen Pop», wie sie sagen. Hainan stehen für Sound, den man nicht einfach nur hört, sondern fühlt. So, wie auch ein Trip durch die Partynacht nicht nur ein akustisches Erlebnis ist, sondern einem regelrecht durch die Adern fliesst. In Verbindung mit den Texten, die zu grossen teilen um diese Moment des Treibenlassens gehen, ist «Hainan» ein Lifestyle und nicht mehr nur Sound.

Bemerkenswert ist auch, dass das neue Album von Hainan, obwohl den Songs durch Auto-Tune so viel Künstlichkeit anhaften, warm und voller Stimmung ist. «Unsere Songs funktionieren auch auf der Gitarre», erzählt Levin Dennler, zumal einige davon über diesen Weg entstanden sind. Und auch die Texte müssen wie durch weiche Butter gehen, so Mischler. «Ein berndeutsches Wort mit vielen Kratz- oder Umlauten käme in unseren Texten wohl nicht vor.» Eher spicke er seine Geschichten mit Anglizismen – und zwar nicht aus Alternativlosigkeit, sondern weil sie «runder klingen».

Bis zur Albumfeier dauert es noch ein paar Wochen – das genaue Datum werden Hainan bald bekannt gegeben.