Unternehmenssteuerreform treibt Reingewinn der Swisscom hoch

Die im Mai angenommene Unternehmenssteuerreform hat den Reingewinn der Swisscom im vergangenen Jahr nach oben getrieben. Unter dem Strich verdiente der «blaue Riese» mit 1,67 Milliarden Franken beinahe 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Ertragssteueraufwand schrumpfte auf 55 Millionen Franken nach 395 Millionen Franken ein Jahr zuvor, wie die Swisscom am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gab. Als Folge der Steuerreform und AHV-Vorlage (Staf) seien positive Effekte von 269 Millionen Franken angefallen.

Dies ist ein buchhalterischer Effekt. Diese latenten Steuereffekte würden sich aber nicht auf die für 2019 geschuldeten Steuern auswirken, sondern verteilt über einen Zeitraum von rund zehn Jahren. Die Swisscom habe 2019 in der Schweiz 357 Millionen Franken Gewinnsteuern gezahlt. Das sind 70 Millionen mehr als im Vorjahr. Auch bei anderen Unternehmen wirkt sich die Unternehmenssteuerreform positiv auf den Reingewinn aus.

Operativ verdiente die Swisscom dank Sondereffekten ebenfalls mehr. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) stieg um 3,4 Prozent auf 4,36 Milliarden Franken. Der Anstieg ist vor allem einer Änderung der Buchführung für operatives Leasing (IFRS 16) zu verdanken, die Ergebnis um 282 Millionen Franken höher ausfallen liess.

Auf der anderen Seite schlug eine Rückstellung in Höhe von 56 Millionen Franken für den Stellenabbau zu Buche. Ohne diese Sondereffekte und bei konstanten Währungen wäre der EBITDA gleich hoch ausgefallen wie vor einem Jahr (+0,1 Prozent), schrieb die Swisscom.

Weniger Umsatz

Dagegen sank der Umsatz wegen des Preis- und Wettbewerbsdrucks um 2,2 Prozent auf 11,45 Milliarden Franken. Die Aktionäre sollen – wie bereits seit Jahren – eine Dividende von 22 Franken pro Aktie erhalten.

Damit hat der «blaue Riese» die Erwartungen der Finanzgemeinde beim Umsatz und Reingewinn übertroffen, beim EBITDA mehr oder weniger erfüllt. Analysten hatten im Schnitt (AWP-Konsens) mit einem Umsatz von 11,4 Milliarden, einem EBITDA von 4,34 Milliarden und einen Reingewinn von 1,6 Milliarden Franken gerechnet.

Erosion in der Schweiz

Den Rückgang im Kerngeschäft konnte die Swisscom mit den laufenden Kostensparmassnahmen grösstenteils auffangen. Das Ziel, die jährliche Kostenbasis in der Schweiz bis 2020 um je 100 Millionen Franken zu senken, hat die Swisscom 2019 übertroffen. Im Berichtsjahr sank die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern um 2,7 Prozent auf 19«317. Per Ende 2019 hatte die Swisscom in der Schweiz 16»628 Vollzeitstellen. Das sind 3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Mit den Sparmassnahmen will der Konzern die Erosion im Schweizer Geschäft auffangen. Der Umsatz von Swisscom Schweiz schrumpfte um 2,8 Prozent auf 8,56 Milliarden Franken. Neben dem Preisdruck ging der Aderlass bei den Anschlüssen in der Festnetztelefonie (-11 Prozent) weiter. Zudem setzte sich die Talfahrt im Unternehmenskundengeschäft fort.

Dagegen legten im gesättigten Markt die Zahl der TV-Kunden zu, während die Breitbandanschlüsse stabil blieb. Der Betriebsgewinn EBITDA von Swisscom Schweiz sank um 2,4 Prozent auf 3,49 Milliarden Franken. Zudem schlug der Verlust des Billag-Mandats zur Erhebung der nationalen Radio- und TV-Gebühren durch.

Dagegen konnte die italienische Breitbandtochter Fastweb, die auch im Mobilfunk tätig ist, erneut zulegen. Der Umsatz kletterte um 5,4 Prozent auf 2,22 Milliarden Euro. Auch der Betriebsgewinn kletterte um 5,2 Prozent auf 750 Millionen Euro, wenn man die Kosten für die Mobilfunkfrequenzen im Vorjahr herausrechnet. Mit diesen wäre der EBITDA noch stärker gestiegen.

Die «Swisscom hat ihre Ziele erreicht und weist in einem anspruchsvollen Marktumfeld erneut ein solides Ergebnis aus», kommentierte Konzernchef Urs Schaeppi den Jahresabschluss 2019. Erfolge habe man mit neuen Produkten erzielt wie etwa dem im April lancierten Mobilfunkabo mit unlimitiertem Roaming in Europa.

Ausbau des Glasfasernetzes

«Das Netz ist und bleibt der wichtigste Pfeiler unseres Erfolges. Deshalb wollen wir bis Ende 2025 die Glasfaserabdeckung (FTTH) in Haushalten und Geschäften im Vergleich zu heute verdoppeln», erklärte Schaeppi. Bis dann sollen 50 bis 60 Prozent aller Wohnungen und Geschäfte eine Bandbreite von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) erhalten, gab Technikchef Christoph Aeschlimann auf der Homepage bekannt.

Daneben gehe die Modernisierung des bestehenden Festnetzes mit Glasfasern bis zum Strassenschacht vor den Häusern oder bis in die Gebäude (im Fachjargon FTTS und FTTB genannt) weiter. Dadurch verfügen laut Aeschlimann bis Ende 2025 zusätzlich 30 bis 40 Prozent der Haushalte und Geschäfte über Bandbreiten von 300 bis 500 Megabit pro Sekunde (Mbit/s).

Sparprogramm geht weiter

Für das laufende Jahr rechnet die Swisscom erneut mit einem leichten Umsatzrückgang auf rund 11,1 Milliarden Franken. Der EBITDA soll rund 4,3 Milliarden erreichen und die Investitionen rund 2,3 Milliarden Franken betragen. Wenn die Swisscom diese Ziele schafft, will sie den Aktionären erneut eine Dividende von 22 Franken je Aktie bezahlen.

Fortgeführt wird auch das Sparprogramm. In den Jahren 2020, 2021 und 2022 sollen die Kosten um je 100 Millionen gesenkt werden. Die Einsparungen kämen hauptsächlich von vereinfachten Arbeitsabläufen, dem Einsatz kostengünstigerer Systeme und einem weiteren Stellenabbau, hiess es.