Schweizer Reeder zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Ein ehemaliger Reeder der Schweizer Hochseeflotte ist in Bern zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden. Das Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern sprach ihn unter anderem des Betrugs und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig.

Reeder Hans-Jürg Grunder aus dem Kanton Bern muss auch eine sogenannte Ersatzforderung an den Kanton Bern in Höhe von 1,2 Millionen Franken leisten, wie die vorsitzende Richterin am Donnerstag bei der Urteilseröffnung bekanntgab.

Gerichte beschliessen solche Ersatzforderungen, wenn illegal erworbene Vermögenswerte eines Verurteilten eingezogen werden sollten, diese aber nicht mehr vorhanden sind. Zudem verfügte das Gericht, dass Grunder mehreren Privatklägern Entschädigungen in Millionenhöhe zahlen muss. Von mehreren Anklagepunkten sprach das Gericht Grunder frei.

Ein Berner Staatsanwalt hatte vergangene Woche eine Freiheitsstrafe von 7,5 Jahren für Grunder gefordert, dessen Verteidiger einen Freispruch von allen Vorwürfen.

Der Berner Reeder war bis 2017 mit einem Dutzend Schiffen auf den Weltmeeren unterwegs. 2015 stellte das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung fest, dass die Reederei und die einzelnen Schiffbetreibergesellschaften finanzielle Schwierigkeiten hatten, worauf es zu Sanierungsversuchen kam.

Diese scheiterten nach etwa einem Jahr und die Schiffe mussten schliesslich verkauft werden. Die Gesellschaften und die Reederei befinden sich seit 2017 in Liquidation.

Weil die Banken die Bürgschaften zogen, mit welchen der Bund die Schiffe gesichert hatte, entstand der Eidgenossenschaft nach Angaben der Finanzdelegation der Eidgenössischen Räte ein Schaden von rund 200 Millionen Franken.