Zürcher U21 gegen Titelaspirant Basel – ein Spiel wie in Russland

Die einen bezeichnen es als Farce, die anderen als das kleinere Übel: Mit lauter Spielern aus der 2. Mannschaft tritt der FC Zürich am Dienstag zur Super-League-Partie beim FC Basel an.

Die Sachlage ist verzwickt. Weil sich beim FC Zürich sechs Spieler der 1. Mannschaft, drei Staff-Angehörige und Präsident Ancillo Canepa mit dem Coronavirus infiziert haben, steckt praktisch die ganze Entourage auf Anordnung der kantonalen Gesundheitsdirektion in ein zehntägigen Quarantäne. Die Meisterschaft soll aber um jeden Preis fortgesetzt werden und bis am 3. August beendet sein.

In dieser Zwickmühle stand der FCZ vor der Wahl, ob er ein Gesuch um eine Verschiebung stellt und somit eine zweite Partie (nebst der am Samstag abgesagten gegen Sion) irgendwo in seine ohnehin schon englischen Wochen quetschen will. Oder ob er zum Wohle des Grossteils der Liga – und vielleicht auch zu seinem eigenen – eine Mannschaft aus dem U21-Nachwuchs rekrutiert, die am Dienstag in Basel antritt. Ob der FCZ damit die Super-League-Saison rettet oder doch vielmehr verzerrt, ist Ansichtssache.

Am Tag vor dem Spiel wussten sie selbst beim FCZ nicht, wer genau in Basel auf dem Matchblatt stehen würde. Zwar befindet sich die 2. Mannschaft seit Juni wieder im Training, Teile davon weilen aber gerade in den Ferien. Konkrete Aussagen gab es von Klubseite nicht, auch nicht zum Heimspiel am Samstag gegen die Young Boys, das ebenfalls stattfinden soll. Ob Spieler mit einem negativen Testergebnis dann wieder zum Einsatz kommen können, ist noch unklar.

Der FC Basel dürfte sich am Dienstag in einer Cup-Partie gegen einen Amateurklub wähnen. In der Promotion League, die nach dem Herbstpensum wegen der Pandemie nicht wieder angepfiffen wurde, belegte Zürichs 2. Mannschaft mit 18 Punkten aus 17 Spielen den 13. Platz unter den 16 Mannschaften.

Das Kuriosum, zu dem sich der FCZ durch den Corona-Impact gezwungen sieht, erinnert an einen Fall in Russland. Weil beim FK Rostow Mitte Juni zwei Tage vor dem Neustart sechs Spieler positiv auf das Virus getestet worden waren, war auch dort die ganze Belegschaft in Quarantäne geschickt worden. Zum terminierten Auswärtsspiel in Sotschi musste der Klub dennoch antreten. Der Tabellenvierte tat es mit lauter Nachwuchsspielern unter 19 Jahren und verlor gegen den Neunten 1:10. Was zum jenem Zeitpunkt Mitte Juni als hierzulande undenkbar erachtet wurde, wird nun Tatsache.