«Barty Party» dank einem kleinen Wunder

Die Weltnummer 1 Ashleigh Barty ist auch die neue Königin von Wimbledon. Die Australierin gewann im Final 6:3, 6:7 (4:7), 6:3 gegen die als Nummer 8 gesetzte Tschechin Karolina Pliskova.

Wimbledon war in den vergangenen Jahren kein gutes Pflaster für die Topgesetzten bei den Frauen. Vor der nur 1,65 m grossen Ashley Barty hatte letztmals Serena Williams vor fünf Jahren als Nummer 1 die Siegerschale in die Höhe gestemmt.

Barty hatte es 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht einfach, sass in Australien mehrheitlich ohne Coach fest. Stattdessen gewann sie ein regionales Golfturnier, nachdem sie ihre polysportiven Qualitäten schon in früheren Jahren als Cricket-Halbprofi unter Beweis gestellt hatte.

Grosser Traum und kleines Wunder

In Wimbledon wurde am Samstag nun «mein grösster Traum» war. Ihr Siegerinterview musste Barty nach sechs Wörtern und der Erwähnung von Evonne Goolagong unterbrechen. «Ich hoffe, ich machte Evonne stolz», brachte die 25-Jährige aus dem Bundesstaat Queensland gerade mal raus. Goolagong hatte vor genau 50 Jahren in Wimbledon gewonnen, ihr zu Ehren spielte Barty mit einem von Goolagong inspirierten Kleid. Goolagong war der erste indigene Tennischampion und 1980 bei ihrem zweiten Sieg auch die letzte australische Siegerin auf dem heiligen Rasen – bis zu diesem Samstag.

Dabei hing Bartys Teilnahme in Wimbledon an einem seidenen Faden. Vor fünf Wochen hatte sie am French Open wegen akuter Hüftprobleme aufgeben müssen. Die Ärzte machten ihr damals nicht viel Hoffnung. Wie bedrohlich die Verletzung war, verriet ihr ihre Entourage aber erst nach dem Final. «Normalerweise geht man bei dieser Verletzung von zwei Monaten Pause aus», erzählte Barty. «Es ist nichts anderes als ein Wunder, dass ich ohne Schmerzen spielen konnte.»

Die ehemalige Juniorensiegerin Barty war die richtige Siegerin, doch kämpfte auch sie mit ihren Nerven. Im zweiten Satz führte sie 3:1, dann schlug sie nach einem weiteren Break bei 6:5 zum Matchgewinn auf, verlor ihren Aufschlag aber mit vier Fehlern. Im dritten Satz machte sie es besser. Nach 1:55 Stunden hatte sie ihren zweiten Grand-Slam-Titel im Trockenen. Danach nahm «Barty Party» so richtig Fahrt auf.

Stolz über Kampfgeist

Karolina Pliskova hingegen verlor auch ihren zweiten grossen Final nach dem US Open 2016. Die Viertelfinal-Bezwingerin von Viktorija Golubic vermochte vor allem zu Beginn ihre grosse Nervosität nicht zu verbergen. Sie verlor die ersten 14 (!) Punkte der Partie. Zwischenzeitlich fing sie sich zwar, doch am Ende besiegelte sie die Niederlage mit einem Rückhand-Fehler.

Dennoch zeigte sich die 29-jährige Tschechin gefasst. «Der Start war natürlich schrecklich, aber gerade darum bin ich stolz, dass ich mich zurückgekämpft habe», betonte die Nummer 13 des WTA-Rankings, die in die Top Ten zurückkehren wird. Barty habe aber auch herausragend gespielt, lobte Pliskova. Ihren Traum vom Grand-Slam-Sieg werde sie jedenfalls mit gleicher Energie weiterverfolgen.