Spektakel mit präsidialer Begleitung
«Ich würde nicht sagen, dass es eine Revanche war», sagte Tadej Pogacar im Siegerinterview nach der 6. Etappe der Tour de France. «Ich fühle mich einfach erleichtert. Wer wäre nicht besorgt gewesen, wenn man bedenkt, was Jonas am Mittwoch gezeigt hat? Es war unglaublich.» Als Staatspräsident und Edelfan Emmanuel Macron oben auf dem Col du Tourmalet Jonas Vingegaard und Pogacar applaudierte, hatte er wohl wie viele andere befürchtet, dass der Däne den Slowenen erneut distanzieren würde und die Tour de France somit bereits nach der ersten von drei Wochen entschieden ist. Langweile statt Spektakel drohte. Doch es kam anders und somit verspürt nicht nur Pogacar Erleichterung, sondern auch alle Radsportfans.
Pogacar schaffte gegen Vingegaard und dessen breit aufgestellte Mannschaft Jumbo-Visma eine Wende, auf die nur wenige gewettet hätten. «Ich habe den richtigen Moment für den Gegenangriff gespürt », meinte der Sieger der Jahre 2020 und 2021 zu seinem Konter auf den letzten Kilometern vor dem Ziel, als es nochmals zweistellige Steigungsprozente zu bewältigen galt. Pogacar setzte sich um 24 Sekunden ab und reduzierte den Rückstand auf unter eine halbe Minute. «Der Abstand zu Jonas im Gesamtklassement ist jetzt fast perfekt, es wird ein grosser Kampf bis zur letzten Etappe», sagte er.
Lieber in Gelb als Zweiter
Vingegaard stand, obwohl er sich in Gelb einkleiden liess, als Verlierer da. Aber auch er relativierte: «Zunächst einmal bin ich überglücklich, wieder im Gelben Trikot zu sein», hielt der Vorjahressieger fest. «Wir attackierten am Tourmalet vehement, aber das hat Energie gekostet.» Sein Gegner habe den Etappensieg verdient. «Ich war überhaupt nicht überrascht, dass Tadej nach dem gestrigen Tag wieder so gut in Form ist. Das wird noch eine spannende Tour de France», sagte er. «Mir wären zwei Minuten Vorsprung lieber gewesen als 25 Sekunden, aber es ist immer besser, vorne zu sein und das Gelbe Trikot zu haben.» Zufrieden war hingegen Jai Hindley, obwohl er entthront wurde. «Es war ein epischer Tag im Gelben Trikot auf mystischen Anstiegen », sagte der Australier. «Ich habe das genossen und wollte mein eigenes Rennen fahren.»
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wurde für seinen Besuch an der Tour de France belohnt. Er sah das erhoffte Pyrenäen-Spektakel, bei dem Tadej Pogacar erfolgreich Revanche nahm.
