«Das Swiss Open ist kerngesund»
Der 55-jährige Jean-François Collet, kurz Jeff Collet, ist ein Tausendsassa. Turnierdirektor in Gstaad und Lausanne, ausserdem Besitzer von Xamax Neuchâtel. Vor vier Jahren fehlte nicht viel, und Collet wäre sogar Präsident des Schweizer Fussballverbandes geworden. Von all seinen Beschäftigungen macht ihm derzeit das Swiss Open Gstaad am meisten Freude – obwohl er vor dem Turnier so viele Absagen von Schlüsselspielern wie noch nie erhalten hat. «Aber primär sind wir glücklich, dass wir die Woche unmittelbar nach Wimbledon zurückhaben », sagt Collet. «Das sollte uns in Zukunft helfen.»
Der Zuschauer-Boom
Das Spielerfeld – mit bloss einem Top-40-Spieler heuer so schlecht wie noch nie in der über 100-jährigen Turniergeschichte – wirkt sich kaum auf die Zuschauerzahlen aus. «Wir setzten schon im Vorverkauf für das Turnier gleich viele Tickets ab wie im Vorjahr mit einer Top-Besetzung während des gesamten Turniers.» Deshalb dürfen die Organisatoren mit Recht behaupten, dass das Turnier überaus gesund ist. Collet: «Wir verfügen über eine Kriegskasse, mit der wir künftig wieder starke Spieler verpflichten können. » In Gstaad, wo er seit über 20 Jahren mit am Steuer ist und heuer als Turnierdirektor (seit 18 Jahren) «volljährig » wird, schreibt Collet eine Erfolgsstory. Aller Anfang erwies sich als schwer, «aber das war doch völlig normal », so Collet im Rückblick. Die Romands von der welschen Agentur, die nicht gut deutsch sprachen, wurden in Gstaad, wo das ganze Dorf sich kennt, mit Skepsis empfangen.
Geld regiert die Welt
Collet: «Aber man muss auch sehen: Wir haben niemandem etwas weggenommen. Wir haben gegen niemanden gekämpft. Es gab 2006 niemanden ausser uns, der das Swiss Open hätte retten wollen, nachdem das Turnier in den drei Jahren zuvor vier Millionen Verlust eingefahren hatte. Mittlerweile kennen wir alle, und die Leute kennen uns. Wir sind nunmehr in der Gemeinde Saanen sehr gut vernetzt.» Welche Visionen schweben Collet für die künftigen Austragungen vor? «Unsere Stärke ist die Stabilität, die Tradition. Aber die Leute dürfen nicht erwarten, dass jetzt, da wir den Termin nach Wimbledon zurückhaben, alles wird wie früher. Wenn ich nach achtzehn Jahren als Turnierdirektor etwas weiss, dann das, dass Geld die Welt regiert. Es ist nicht so, dass die Spieler wegen der coolen Berge, den vorzüglichen Hotels und der wunderbaren Natur nach Gstaad kommen. Diese Spieler gibt es zwar auch, aber es sind nicht viele. Für die Stars entscheidet die Höhe des Preisgelds und die Antrittsgage.»
Das Swiss Tennis Open festigt derzeit seinen Platz unter den Top-Sportanlässen in der Schweiz. Das traditionelle Gstaader Tennisturnier ist kerngesund. Das sagt Jeff Collet, der Turnierdirektor.
