Ein Debakel und ein Rekord
Kapitaler Fehlstart: Guanyu Zhou vergibt die Punkte in der ersten Runde. Bild Denes Erdos / Keystone
Sport
von Rolf Bichsel  
24. Juli 2023

Ein Debakel und ein Rekord

Das Team Alfa Romeo-Sauber hatte in der Qualifikation für den Formel-1-GP von Ungarn geglänzt wie seit Jahren nicht mehr – und warf im Rennen schon in der ersten Runde die Punkte weg. Derweil sorgt Max Verstappen für einen weiteren Rekord.

Am Ende des GP von Ungarn ist die Ernüchterung bei Alfa Romeo riesig. 12.Platz für Valtteri Bottas, 16.Platz für Guanyu Zhou. Und das, nachdem das Duo in der Qualifikation noch so stark war wie schon lange nicht mehr.

«Die erste Runde kostete Zhou und mich das Rennen», stellte Valtteri Bottas im Ziel fest. «Zhou bekundete am Start ein Problem, sodass ich ihm ausweichen musste.» Bottas verlor auf der ersten fünf Ränge (von 7 auf 12); Zhou sogar elf (von 5 auf 16). Auf den folgenden 69 Runden konnten sich beide Alfas nicht mehr verbessern.

Zhou mit Kollision

Was das Problem bei Zhou war, stand am Sonntagabend noch nicht fest. Zhou: «Ich weiss nicht, was passiert ist, und möchte deshalb nicht viel kommentieren. Der Motor reagierte nicht, als die vierte Ampel aufleuchtete, also fehlte die Leistung, als der Startschuss fiel. Das ist natürlich extrem enttäuschend. Wir müssen herausfinden, wie das passieren konnte.» Zhou entschuldigte sich ausserdem für die Startkollision, die er verursachte, ihm eine Strafe eintrug und zwei Konkurrenten zum Aufgeben zwang.

Trotzdem reist das Team aus Hinwil mit positiven Eindrücken weiter an den nächsten Grand Prix nächste Woche in Belgien.Bottas: «Wir müssen das Positive mitnehmen. Wir haben Tempo gefunden, das stimmt zuversichtlich. » Allerdings kommt die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Spa dem

Alfa-Romeo-Team nicht entgegen.

Immer wieder Verstappen

Von solchen Problemen ist Max Verstappen weit weg. Im elften WM-Rennen feiert der Niederländer, der in der WM-Wertung der Konkurrenz längst enteilt ist, den neunten Sieg – und beschert seinem Team einen neuen Rekord.

Saisonübergreifend gewann das Red-Bull-Team das zwölfte Formel-1-Rennen hintereinander. Das gelang in der Geschichte der Formel 1 noch keinem Team. 1988 hatten Ayrton Senna und Alain Prost in McLaren-Boliden elf Rennen gewonnen. Von den zwölf Rennsiegen Red Bulls gingen zehn an Verstappen und zwei an Sergio Perez. Red Bull gewann alle elf Rennen in die-ser Saison, dazu auch das letzte Rennen des Vorjahrs in Abu Dhabi. In der Teamwertung beträgt der Vorsprung auf die Konkurrenz über 200 Punkte.

Kein Vergleich mit Samstag

Max Verstappens Dominanz war auch in Ungarn erdrückend, obwohl er vor dem Renntag in keiner einzigen Trainings- oder Qualifying-Session die Bestzeit aufgestellt hatte. Gleich am Start überholte Verstappen den Briten Lewis Hamilton, der ihn am Samstag um drei Tausendstel geschlagen hatte. Danach zog der Niederländer sofort davon und feierte einen überlegenen Sieg. Bei beiden Boxenstopps kehrte Verstappen wieder als Leader auf die Strecke zurück.

Noch am Samstag tat sich Verstappen schwer, vor allem mit der Fahrzeugbalance. Am Sonntag sah alles anders aus.«Das ist kein Rennauto,das ist heute eine Rakete»,meinte Verstappen nach der Zieldurchfahrt über den Funk. Das Auto fuhr derart gut, dass Verstappen sprachlos war. Und weil das ungewöhnlich ist, erkundigte sich während des Rennens sogar Renningenieur Gianpiero Lambiase beim Welt-meister: «Alles in Ordnung, Max?» Die Antwort: «Ja, alles gut.»

Verstappen, und dann nichts

Der Formel 1 droht jetzt die grosse Langeweile. Verstappens Vorsprung in der WM-Wertung beträgt nach elf Rennen (von 22) schon 110 Punkte. In den ersten elf Grands Prix schaffte es Verstappen immer aufs Podest. Insgesamt neun Rennen und die letzten sieben gewann er. Bereits Anfang Oktober oder sogar Ende September könnte der 25-Jährige seinen dritten WM-Titel sicher stellen.

Derweil das Rennen in Mogyorod bei Budapest trotz grosser Hitze undramatisch verlief, hatten sich beim samstäglichen Qualifying die Ereignisse überstürzt. Die neue Reifen-Regelung, die in Ungarn erstmals ausgetestet wurde und bis zu einem zweiten Test im September in den nächsten Wochen wieder nicht mehr gilt, erwies sich als voller Erfolg.

Aber: Die grossen Sieger vom Samstag – Lewis Hamilton und die Alfa-Romeo- Sauber-Fahrer – verloren am Sonntag das Rennen schon beim Start. Hamilton fiel vom ersten auf den vier-ten Rang zurück. Die beiden Alfa-Romeo- Piloten erwischte es gar noch schlimmer.