Experten sehen guten Zeitpunkt für mögliche Glencore-Fusion mit Rio
Wirtschaft
January 9, 2026

Experten sehen guten Zeitpunkt für mögliche Glencore-Fusion mit Rio

Der Schweizer Bergbaukonzern Glencore und sein britisch-australischer Konkurrent Rio Tinto prüfen einen Zusammenschluss. Analysten sehen darin die Chance, den weltweit grössten diversifizierten Bergbaukonzern mit einem Wert von über 260 Milliarden Dollar zu schaffen.

Es sei «ein sehr günstiger Zeitpunkt für Rio und Glencore, um sich zusammenzuschliessen», heisst es in einem Kommentar der Baader Bank vom Freitag. Die Strategie der beiden Konzerne passe zusammen und der australische Rivale BHP befinde sich nach mehreren gescheiterten Versuchen, Anglo American zu übernehmen, derzeit in einer schwierigen Lage.

Damit könnten Glencore und Rio Tinto gemeinsam eine neue Spitzenposition einnehmen, so die Analysten weiter. «Dieses Mal scheinen die Gespräche ernsthafter zu sein, da beide Unternehmen bestätigt haben, dass sie sich in ‘vorläufigen Diskussionen’ befinden.»

Analysten von Creditsights heben derweil hervor, dass Rio Tinto an Glencores Kupfergeschäft interessiert sein könnte. Glencore will dieses stark ausbauen und zum weltweit grössten Kupferproduzenten werden. Rio Tinto ist neben Kupfer auf Eisenerz und Aluminium spezialisiert.

Kulturelle Unterschiede als Risiko

Der Fokus auf Kupfer könnte mit der Ausrichtung von Rio Tinto auf «nachhaltige und zukunftsorientierte Metalle» übereinstimmen, heisst es bei Creditsights weiter. Aus kultureller Sicht gebe es aber Unterschiede zwischen den Unternehmen.

So werde Rio Tinto traditionell als «konservativ und stabilitätsorientiert» wahrgenommen, während Glencore für seinen «aggressiven Ansatz» bekannt sei. «Dieser kulturelle Unterschied könnte bei einer Fusion Integrations- und Entscheidungsprobleme mit sich bringen», warnten die Experten.

Die in London gehandelten Glencore-Aktien springen nach den Berichten hoch und gewinnen bei Eröffnung mehr als 8 Prozent. Die Aktien von Rio Tinto gaben an der Börse in Sydney hingegen um rund 6 Prozent nach. Laut Baader befürchten Anleger bei grossen Deals kurzfristige Dividendeneinbussen.

Faktische Übernahme durch Rio Tinto

Ein möglicher Deal sieht laut den beiden Unternehmen die Übernahme von Glencore durch das finanziell stärkere Unternehmen Rio Tinto vor. Möglich wäre ein Zusammenschluss einzelner oder aller Geschäfte.

Bis spätestens zum 5. Februar muss Rio Tinto mitteilen, ob es ein Angebot unterbreiten will. Vor einem Jahr waren Annäherungsversuche noch erfolglos geblieben. Das erste Fusionsangebot von Glencore geht sogar bis ins Jahr 2014 zurück.

Glencore beschäftigt weltweit rund 150’000 Mitarbeitende und hat seinen Sitz in Baar, Rio Tinto steuert seine 60’000 Beschäftigten aus London.