Ramon Zenhäusern und der verflixte Slalom-Sport
Sport
January 11, 2026

Ramon Zenhäusern und der verflixte Slalom-Sport

Nur ein Schweizer ist nach dem Weltcup-Slalom in Adelboden uneingeschränkt glücklich: Ramon Zenhäusern gelingt an seinem Wohlfühlort mit Platz 15 ein Befreiungsschlag.

Minutenlang sitzt Ramon Zenhäusern in der Adelbodner Sonne auf dem Leaderthron und strahlt in die Menge. «Ramon, Ramon» schallen die Sprechchöre von den Tribünen. Es sind positive Emotionen, wie sie der Zweimetermann aus Bürchen im Oberwallis lange nicht mehr gehört und erlebt hat.

«Es ist sensationell», schwärmt Zenhäusern, nachdem er die Leaderbox nach einer gefühlten Ewigkeit dann doch verlassen muss. «Es sind wahnsinnige Emotionen, die wieder aufsteigen.» Adelboden ist für den Sieger von vier Weltcup-Slaloms und Olympia-Zweiten von 2018 (sowie Team-Weltmeister und – Olympiasieger) ein ganz spezielles Pflaster. «Ich habe hier schon so viel Schönes erlebt: meine ersten Weltcup-Punkte, meine erste Laufbestzeit, meine erste Top-Ten-Klassierung», zählt er auf.

Nur acht Hundertstel hinter Rassat

Eine Laufbestzeit ist es an diesem Sonntag am Chuenisbärgli nicht, doch mit der zweitbesten Marke, acht Hundertstel hinter dem französischen Sieger Paco Rassat, prescht Zenhäusern im zweiten Durchgang vom 26. in den 15. Rang nach vorne und schafft die halbe Olympianorm. Das Glück lacht wieder einmal dem Oberwalliser. Marco Schwarz auf dem 16. Platz überholt er um zwei Hundertstel, und am Ende profitiert er noch vom Einfädler des Teamkollegen Loïc Meillard.

Spitzenresultate sind in den letzten Jahren selten geworden für den langjährigen Podestfahrer. Zunehmend etwas verzweifelt wirkend kämpfte Zenhäusern um den Anschluss an die erweiterte Weltspitze. Seit seinem letzten Sieg beim Weltcupfinal vor drei Jahren in Soldeu gelangen ihm nur noch zwei Top-15-Plätze.

Eine Frage des Charakters

In den Trainings sah es oft gut aus, nun klappt es in Adelboden auch wieder einmal im Rennen. «Das ist einfach eine verflixte Sache, dieser Slalom-Sport», sucht Zenhäusern nach Erklärungen. «So viele haben es in den Beinen, aber am Ende musst du es auf den Punkt bringen. Wenn du es zu viel willst, bekommst du es meist nicht, weil du zu angespannt bist.»

Es sei eine Charakterfrage. «Es gibt solche, die immer drauf los fahren, andere, wie ich auch schon in meiner Karriere, die immer Trainingsweltmeister bleiben und Mühe haben, es im Rennen runterzubringen.» Umso mehr freut sich Zenhäusern, dass er nun wieder einmal auf der Sonnenseite landet. «In solchen Momenten weisst definitiv wieder, warum du alles machst, auch wenn du unten durch musst. Das ist eine grosse Genugtuung.»