Ueli Kestenholz starb in seinem Element
Ein Schweizer Extremsport-Pionier und Vorzeige-Freigeist ist nicht mehr. Ueli Kestenholz gehörte zu den Wegbereitern des Snowboard-Sports und verkörperte den Freestyle-Geist wie kaum ein anderer.
Es ist die bittere Logik an der Geschichte, dass eine Lawine Ueli Kestenholz am Sonntag im Wallis aus dem Leben riss, hoch oben in den Bergen über dem Lötschental. Auch nach seinem Rücktritt vom Spitzensport, wenn nicht noch mehr, suchte der zweifache Familienvater als Freerider und Extremsportler den Adrenalinkick, lotete er die Grenzen aus.
Kestenholz kam am 10. Mai 1975 zur Welt, wuchs am Ufer des Thunersees auf und verschrieb sein Leben alsbald den Brett- und Windsportarten. Er wurde zum Snowboard-Profi der ersten Stunde und erlangte durch seine Erfolge als Alpin-Snowboarder, insbesondere Olympiabronze 1998 in Nagano im Riesenslalom, auch internationale Bekanntheit.
Kestenholz, der seine Frau und zwei Söhne im Alter von 9 und 17 Jahren hinterlässt, war der erste Schweizer Snowboard-Olympiamedaillengewinner, vier Tage bevor sich mit Gian Simmen ein anderer Pionier in der Halfpipe zum ersten Schweizer Olympiasieger in der Snowboard-Sparte kürte. Davor war Kestenholz zweimal Weltmeister. Zwei weitere Male trat er an Olympischen Spielen an; 2022 in Salt Lake City im Parallel-Riesenslalom (18. Platz), 2006 in Turin im Snowboardcross (25.).
Kestenholz’ Vermächtnis ist auch deshalb gross, weil er das Snowboarden und den Extremsport über seine sportliche Karriere hinaus prägte und hierzulande in der Öffentlichkeit präsent blieb. Nach seiner Ankündigung im Herbst 2006, keine FIS-Rennen mehr zu bestreiten, widmete sich der Mann mit den unverkennbaren langen Haaren und dem für Berg- und Outdoorsportler typischen sonnengebräunten Teint dem Freeriden, Film- und Foto-Projekten. Zuletzt lebte er im Sommer von Tandemflügen mit dem Gleitschirm und im Winter von Snowboardtouren mit dem Splitboard, unterhielt und vermietete Wohnungen. Mit seinen preisgekrönten Bildern vom Speedriden an Eiger, Mönch und Jungfrau ging er um die Welt.
Apropos Speedriden: Natürlich betätigte sich Ueli Kestenholz, als dies möglich wurde, auch als Speedrider, dem so spektakulär wie gefährlich anmutenden Skifahren mit Fallschirm. Speedriden, Snowboarden, Skifahren, Windsurfen, Wingsurfen – der Schweizer Vorzeige-Freigeist liess nichts aus. Wohin es ihn gerade zog, entschied der Blick aus dem Stubenfenster am Thunersee. Sein Einfluss auf den Snowboard-Sport, seine Leidenschaft und Abenteuerlust werden in Erinnerung bleiben.
