Franzoni beeindruckt auch Odermatt
Sport
January 16, 2026

Franzoni beeindruckt auch Odermatt

Giovanni Franzoni feiert im Super-G von Wengen seinen ersten Weltcup-Sieg. Selbst Marco Odermatt erkennt früh: Diese Fahrt ist nicht zu schlagen.

Als Giovanni Franzoni ins Ziel fährt, wissen die meisten Fans im Publikum nicht, welchen Wert die Zeit des Fahrers mit der Startnummer 1 tatsächlich hat. Marco Odermatt, der am Start die Fahrt seines Konkurrenten verfolgt, ahnt jedoch bereits, dass es kaum schneller gehen wird. Als er selbst als Vierter im Ziel eintrifft, geht er zu Franzoni in die Leaderbox und sagt ihm: «Ich wusste schon oben, dass du gewinnen wirst.»

Mit dem 24-jährigen Italiener hatte Odermatt bislang noch nicht viel zu tun. Mitte Dezember in Gröden kam es zu ersten Gesprächen, nachdem Franzoni als Dritter direkt hinter Odermatt erstmals auf ein Weltcup-Podest gefahren war. «Er ist ein cooler Typ und hat uns schon im Training überrascht», sagte Odermatt den Reportern im Zielraum von Wengen. «Zuerst dachte ich, er habe das eine oder andere Tor ausgelassen. Dann hat er seine Form im zweiten Training und heute erneut bestätigt.»

Emotionaler Franzoni

Franzoni selbst fand kaum Worte für seine Leistung. In den letzten Tagen habe er immer wieder den Slogan «Home of Legends» gelesen, mit dem Wengen das Lauberhornrennen seit ein paar Jahren vermarktet. «Hier sind schon so viele Legenden hinuntergefahren – und nun gewinne ich. Das ist verrückt. Dabei bin ich doch einfach ein normaler Typ», sagte Franzoni dem SRF. «Es ist ein Traum.»

Dass tiefe Nummern am Lauberhorn meist von Vorteil sind, ist den Fahrern bekannt. Entsprechend spürte Franzoni einen gewissen Druck, nach dem Glück bei der Startnummernauslosung seine überzeugenden Trainingsleistungen zu bestätigen. «Mir ist es eigentlich lieber, wenn ich oben noch dem einen oder anderen Fahrer zuschauen kann», sagte Franzoni. Das war dieses Mal jedoch gar nicht nötig.

Ohnehin erlebt der Italiener derzeit sehr emotionale Tage. Bei seiner Podestpremiere in Gröden gedachte er seinem im Sommer verstorbenen Teamkollegen Matteo Franzoso und liess den Tränen freien Lauf: «Wäre er hier, würde ich ihm sagen, dass er eine fantastische Person ist. Dass er wie ein Bruder für mich ist. Ich werde mein ganzes Leben für ihn Ski fahren.»

Bestätigung in der Abfahrt?

Das Potenzial des Athleten, der am Südwestufer des Gardasees aufgewachsen ist, war schon länger bekannt. An den Junioren-Weltmeisterschaften gewann er 2021 Gold im Super-G sowie ein Jahr später Gold in der Abfahrt und der Kombination. Ebenfalls 2022 holte er im Riesenslalom von Adelboden seine ersten Weltcup-Punkte und fuhr wenige Tage später auch beim Super-G in Wengen als 30. in die Punkteränge.

Ein Jahr später folgte jedoch ausgerechnet am Lauberhorn ein Sturz, der seine Saison frühzeitig beendete. «Trotz dieses Erlebnisses mag ich diese Piste sehr», sagte Franzoni. Eine Liebe, die mit seinem ersten Weltcup-Sieg weiter wachsen dürfte.

Am Samstag hat er die Chance, seine Hochform in der legendären Abfahrt unter Beweis zu stellen und ein Bestresultat in dieser Disziplin aufzustellen (bisher Rang 8). Nach seinen starken Leistungen in den vergangenen Tagen würde es nicht überraschen, wenn er erneut um die Podestplätze fährt. Odermatt, der am Lauberhorn seinen vierten Abfahrtssieg in Folge anstrebt, sagt über den italienischen Triumphator: «Er ist definitiv angekommen.»