Schweizer wollen an der EM ihr neues Level beweisen
Sport
January 16, 2026

Schweizer wollen an der EM ihr neues Level beweisen

Für den Schweizer Nationaltrainer Andy Schmid ist an der EM-Endrunde in der Vorrunde alles möglich. Die junge Mannschaft will sich beweisen und der höheren Erwartungshaltung gerecht werden.

Es ist für die Schweizer ein Schlüsselspiel, der Auftakt am Freitag gegen die Färöer, die in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht haben. Regisseur Elias Ellefsen a Skipagotu läuft für Kiel auf und nimmt in der Torschützenliste der Bundesliga den 4. Rang ein. Hakun West av Teigum ist beim deutschen Meister Füchse Berlin tätig und gehört zu den besten rechten Flügeln der Liga – in dieser Saison beträgt die Erfolgsquote beeindruckende 80,26 Prozent (61 Treffer aus 76 Versuchen). Der auf halblinks spielende 20-jährige Oli Mittun gilt als eines der grössten Talente im Welthandball.

Zudem setzten die Färöer im Angriff sehr oft auf die 7-gegen-6-Taktik. «Das kann dich zur Weissglut bringen», sagt der Schweizer Nationaltrainer Andy Schmid. «So können sie Gegner bezwingen, die individuell besser besetzt sind. Deshalb ist es entscheidend, wie wir damit umgehen.» Nicht gross thematisieren möchte er hingegen die immense Unterstützung, welche die Färinger von Tausenden von Fans aus der Heimat erfahren werden. Schliesslich verdienen nicht weniger als zehn Schweizer ihr Geld im Ausland, wovon neun in der Bundesliga spielen, und sind damit stimmungsvolle Hexenkessel gewohnt.

«Sind nun auf einem anderen Level»

Für die SHV-Auswahl gilt es auch, mit den höheren Erwartungen von aussen umzugehen. An der WM vor einem Jahr erreichte sie den 11. Rang. Daher wäre das Verpassen der Hauptrunde – jeweils die ersten zwei in jeder der sechs Vorrundengruppen kommen weiter – eine Enttäuschung. Dies umso mehr, als an der WM der dynamische Spielmacher Manuel Zehnder wegen eines kurz zuvor erlittenen Kreuzbandrisses fehlte. Zwar ist Felix Aellen aktuell die Nummer 1 auf dieser Position im Schweizer Team, doch ist es für Schmid von unschätzbarem Wert, Zehnder als Option zu haben. Dieser kann jederzeit den Unterschied machen.

Inwiefern ist die sehr junge Mannschaft weiter als vor einem Jahr? «Ich spüre die Entwicklung dahingehend, als wir nun auf einem anderen Level sind, wenn wir zusammenkommen», sagt Schmid. «Jeder im Team ist ein paar Prozent besser geworden. Das ist zwar keine Garantie für Erfolg, aber es erhöht die Chancen.»

Gelernt hat auch Schmid einiges als Trainer – an der EM 2024 war er noch Spieler. Im Vergleich zur WM hat er sich im Vorfeld der EM noch mehr Gedanken gemacht. «Die Verletzung von Manuel Zehnder, so bitter sie war, hat mir einen neuen Weg geöffnet. Ich sah damals, wie rasch alles zusammenbrechen kann, und das gibt mir nun mehr Ruhe.» Zudem hat er gelernt, besser mit schwierigen Entscheiden umzugehen: «Ich bin kein eiskalter Hund, das werde ich nie sein, weil ich nicht so erzogen worden bin. Aber es hilft nichts, um den heissen Brei herumzureden und vielleicht noch Hoffnungen zu schüren.» Es sei wichtig, klar anzusprechen, was Sache sei. Und das erwarte er auch von den Spielern. Er habe kein Mitleid mehr, wenn er Unangenehmes mitteilen müsse, und sei sich bewusst, dass nicht alle seine Entscheide verstanden würden.

Noch zu tiefe Dellen

Die Schweizer reisten am Mittwoch mit dem Turniersieg am Yellow Cup im Gepäck nach Oslo. Im «Finalspiel» gegen Nordmazedonien (29:29) hätten sie diesen trotz einer 18:13-Pausenführung beinahe noch aus der Hand gegeben. «Es ist im Handball normal, dass man nicht 60 Minuten konstant auf dem gleichen Niveau spielen kann. Aber bei uns ist die Delle zu tief. Das ist unser grösstes Problem.» Da nimmt er sich ebenfalls in die Verantwortung: Auch er selber habe beim Coaching während einer Partie Schwächephasen. «Das ist sicherlich ein Punkt, den ich verbessern muss.»

Die Ausgangslage für das Turnier sieht Schmid pragmatisch: «Wenn wir in einen Flow kommen und uns von der besten Seite zeigen, bin ich überzeugt, dass wir dreimal gewinnen können. Wir können aber auch dreimal verlieren – entscheidend ist die Tagesform unserer Spieler und meine. Das macht das Ganze unberechenbar, deshalb versuchen wir, den Fokus auf uns zu legen.»