Josi schreibt Geschichte und bleibt sich treu
Sport
January 24, 2026

Josi schreibt Geschichte und bleibt sich treu

Roman Josi gehört mit nun 1000 NHL-Spielen in der Regular Season für ein Team zu einem seltenen Kreis. Neben seiner Professionalität besticht der Berner durch Bodenständigkeit.

Es ist nicht einfach, Roman Josi in dieser Woche zu erreichen. Als es dann doch gelingt, sagt er als Erstes: «Sorry, ist viel los.» Kein Wunder: Der 35-jährige Berner bestritt in der Nacht auf Freitag Schweizer Zeit sein 1000. Spiel in der Regular Season der NHL. Besonders bemerkenswert ist, dass Josi alle seine 1000 Partien für eine einzige Organisation, die Nashville Predators, absolvierte – niemand lief häufiger für das Team auf, und nur rund 50 Spieler in der NHL-Geschichte erreichten 1000 Spiele für dieselbe Franchise.

«Das ist schon sehr cool», sagt Josi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Die Stadt ist wie ein Daheim geworden – die Beziehung zu den Fans, ich habe meine Frau hier kennengelernt, meine Kinder sind hier geboren. Ich habe sehr viel erlebt in diesen 15 Jahren.» Nach Highlights gefragt, antwortet Josi: «Es gibt viele. Das erste Spiel war natürlich besonders. Und dann sicher auch der Stanley-Cup-Final. Die ganzen Playoffs damals waren sicher das bisherige Highlight in Nashville.»

Die Predators erreichten 2017 den Final, obwohl in der Qualifikation kein Playoff-Teilnehmer weniger Punkte geholt hatte. Die Euphorie in der Stadt war riesig, die Strassen im Zentrum waren überflutet von Menschen. Der ganz grosse Coup blieb den Predators dann aber verwehrt, sie unterlagen den Pittsburgh Penguins mit 2:4 Siegen.

Mit 16 Jahren bereits in der NLA

Josi schaffte den Sprung in die NHL nicht über eine nordamerikanische Juniorenliga, sondern empfahl sich beim SC Bern für höhere Aufgaben. Bei seinem Debüt in der höchsten Schweizer Liga im November 2006 war er erst 16 Jahre alt. In seiner letzten Saison beim SCB 2009/10 gewann er mit dem Team den Meistertitel, wobei er in den Playoffs in 15 Partien sechs Tore und sieben Assists verbuchte.

2008 wurde er von den Predators als Nummer 38 gedraftet. Die erste Spielzeit in Nordamerika bestritt er beim Farmteam Milwaukee Admirals, doch am 26. November 2011 war es so weit: Josi lief in Detroit erstmals in der besten Eishockey-Liga der Welt auf. Was danach folgte, hätte er sich nicht einmal in den kühnsten Träumen ausgemalt. Er entwickelte sich zu einem der besten Verteidiger der Welt. Im September 2020 erhielt er die Norris Trophy für den besten Verteidiger der Saison 2019/20. Zwei weitere Male gehörte er bei der Wahl zu den drei Finalisten. In der Regular Season 2021/22 knackte er mit 23 Toren und 73 Assists in 80 Partien beinahe die 100-Punkte-Marke.

Seit der Saison 2017/18 ist Josi Captain der Predators. Ein Schlüssel für seine beeindruckende Karriere ist für ihn, dass er nie die Freude am Eishockey verloren hat. «Das ist das Wichtigste», betonte der Berner. Deshalb seien die Jahre in der NHL für ihn wie im Flug vergangen.

Rhythmus gefunden

Dabei gab es auch für Josi immer wieder Rückschläge. Er kämpfte mehrmals mit Gehirnerschütterungen. Die letzte erlitt er im vergangenen Februar. Danach befürchtete er gar einen Hirnschaden. Untersuchungen ergaben dann, dass er am posturalen Tachykardiesyndrom (POTS) leidet – eine Störung des autonomen Nervensystems, bei der der Herzschlag nach dem Aufstehen stark ansteigt und Schwindel, Herzrasen oder Erschöpfung auslösen kann.

Nach der langen Pause hatte Josi zu Beginn der Saison noch Mühe. «Es war am Anfang ein Auf und Ab, ich benötigte etwas Zeit, die Automatismen auf dem Eis wiederzufinden», erzählt Josi. Nun fühlt er sich wieder wohler. Und das ist offensichtlich. Er wurde zum zweitbesten Spieler der vergangenen Woche gewählt, nachdem ihm in den drei Partien sieben Skorerpunkte (2 Tore/5 Assist) gelungen waren. Im Spiel zuvor hatte er ein Tor und zwei Assists erzielt.

Josi betont, dass auch das Team besser spiele. Am 25. November waren die Predators nach nur sechs Siegen aus den ersten 22 Begegnungen noch die schlechteste Mannschaft der Liga gewesen. Mittlerweile dürfen sie wieder auf die Playoffs hoffen. «Wir fanden die gesamte letzte Saison nie richtig den Tritt und auch zu Beginn dieser spielten wir wieder sehr unkonstant. Nun haben wir unsere Identität gefunden, ist uns bewusst geworden, wie wir spielen müssen, um erfolgreicher zu sein», sagt der dreifache WM-Silbermedaillengewinner.

«Er macht alle besser»

Gemäss Josi hatte Mark Streit grossen Einfluss auf seine Karriere. «Er war definitiv eines meiner Idole, hat meine Eishockeykarriere und mein Leben stark beeinflusst», sagte Josi einst über den Schweizer NHL-Pionier. Die beiden lernten sich 2009 näher kennen und absolvierten in der Folge zeitweise gemeinsam das Sommertraining.

Mark Streit sah schon 2009, «dass er alle Anlagen mitbringt, um eine super Karriere zu machen», wie der frühere NHL-Verteidiger gegenüber Keystone-SDA sagt. «Wenn er in einem College oder in einer nordamerikanischen Juniorenliga statt der Schweiz gespielt hätte, dann wäre er sicher in der 1. Runde gedraftet worden. Sein Spiel ist sehr gut balanciert. Er ist defensiv stark, auch in Unterzahl, und hat einen unglaublichen Instinkt für die Offensive. Er kann eine Partie leiten, wie es nur wenige in der Liga können und besitzt ausserdem die Fähigkeit, alle Spieler besser zu machen», so Streit weiter.

Weiter hebt er dessen Professionalität und Einstellung hervor. Deshalb tat sich Josi mit Benoît Pont zusammen. Dieser amtet als Berater bei der Schweizer Nationalmannschaft und hat ProKeyCoach gegründet. Er profiliert Menschen und identifiziert die motorischen und persönlichkeitsbezogenen Präferenzen. Josi: «Er hat mir geholfen, mein Spiel zu verfeinern, es effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Jeder von uns hat seine eigene Art, sich zu bewegen, Energie zu erzeugen und das Spiel zu lesen. Und genau in diesen profilbasierten Unterschieden liegen unsere echten Stärken.» Streit ergänzt: «Er versucht stets, das Optimum herauszuholen, ist offen für Neues und geht neue Wege.»

Josi ist kein Lautsprecher, aber er verfügt über eine Aura, die nur wenige haben. «Er ist sehr nahbar, bodenständig und respektvoll gegenüber allen Leuten», sagt Streit. «Das ist der Grund, warum er an allen Orten gut ankommt. Trotzdem hat er den nötigen Biss auf dem Eis.»

Josis Vertrag mit den Predators läuft noch bis 2028. Es dürften also noch einige Spiele dazukommen.