Aellen und Sigrist – Hoffnungsträger des Schweizer Handballs
Sport
January 27, 2026

Aellen und Sigrist – Hoffnungsträger des Schweizer Handballs

Zwar müsste das nächste Wunder passieren, dass die Schweizer Handballer noch die EM-Halbfinals erreichen. Doch die Zukunft sieht rosig aus. Sinnbildlich dafür stehen Felix Aellen und Luca Sigrist.

Felix Aellen ist 22 Jahre alt, Luca Sigrist gar erst 20. Beide zeigen an der EM, was bereits in ihnen steckt, auch wenn sie am Sonntag beim 24:28 gegen Kroatien nicht den besten Abend erwischten. Aellen ist aktuell der Spielmacher Nummer 1 im Schweizer Team. Zwar erzielte er in den ersten fünf Partien bloss acht Tore, doch wäre es unfair, ihn daran zu messen. Er ist keiner, der primär Abschlüsse (total bisher 14) sucht, sondern schafft es, seine Mitspieler ideal in Szene zu setzen. Seine Pässe an den Kreis sind immer wieder eine Augenweide.

Zwar bringen andere Rückraumspieler in der Mannschaft individuell mehr Werkzeuge mit, aber «er ist so präsent», wie sich Nationaltrainer Andy Schmid ausdrückt. «Er macht alles mit einer 100-prozentigen Konsequenz – egal, ob das für sich selbst oder für den Mitspieler links oder rechts von ihm ist. Das ist mega wertvoll. Und ich kann in überall ihn der Deckung einsetzen.»

Manchmal macht er sich zu viele Gedanken

Wie Aellen funktioniert, zeigt auch der Umstand, dass er sich auf einem Tape ums Handgelenk Sachen aufschreibt. Er beschäftigt sich enorm mit dem Handball und hinterfragt vieles. Manchmal denkt er gar zu viel. «Das passiert immer wieder mal», gibt Aellen im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu. «Über eine Saison hinweg ist es immer eine Wellenbewegung. Mal hast du viel Selbstvertrauen und musst nicht viel überlegen. Wenn es dann aus irgendeinem Grund sinkt, dann machst du dir vielleicht zu viele Gedanken. Mittlerweile kann ich es aber auch mal akzeptieren, wenn es nicht läuft.» Vor Kurzem hat er mit Mentaltraining begonnen: Auch wenn es kein spezifisches Problem gebe, an dem er arbeiten müsse, «ist es dennoch wichtig, gewisse Tools zu erlernen», sagt Aellen, der im vergangenen Sommer mit einem Jura-Studium an der Fernuni begonnen hat.

Seit dieser Saison spielt er in Eisenach in der Bundesliga. Der Schritt nach Deutschland fiel ihm dadurch leichter, dass er an der WM vor einem Jahr merkte: «Ich bin absolut auf diesem Niveau. Vor der WM war ich mir da noch nicht so sicher. Der grösste Schritt war das ganze Drumherum.» Konkret musste er sein soziales Umfeld zurücklassen – unter anderem auch seine Freundin, die ebenfalls Handball spielt.

Grosses Interesse an Sigrist

Luca Sigrist, dessen Eltern beide Handball gespielt haben, hat den Wechsel in die Bundesliga noch vor sich. Er unterschrieb bei Melsungen einen Vertrag über zwei Jahre bis 2028. Aktuell ist er bei Kriens-Luzern tätig. Sigrist hatte auch Anfragen von anderen Vereinen aus Deutschland – ebenso von Teams aus Kroatien und Frankreich.

Die Bundesliga war für ihn aber ein «grosser Kindheitstraum». Warum hat er sich für Melsungen entschieden, den derzeitigen Tabellen-8.: «Als sie angefragt haben, waren sie Erster. Sie haben Ambitionen, oben mitzuspielen, und es gibt dennoch Raum, sich zu entwickeln. Sie wollen auf mich setzen, zuerst als Nummer 2, dann wahrscheinlich als Nummer 1, wenn ich mich gut entwickle.» Das hat ihn überzeugt.

Während Felix Aellen manchmal zu viel denkt, funktioniert Sigrist anders. «Ich bin mehr derjenige, der einfach mal etwas probiert, spürt, wie es ist, und dann daraus die nächsten Entscheide trifft», sagt er gegenüber Keystone-SDA. Manchmal möchte er jedoch zu viel und wird ungenau in seinem Spiel. Er arbeitet daran, dumme Fehler und überhastete Abschlüsse zu minimieren. «Wichtig ist aber, dass ich meine Unbeschwertheit nicht verliere und dennoch aufs Tempo drücke», stellt er klar.

Beim 43:26-Kantersieg im letzten Vorrundenspiel gegen Montenegro, der den Einzug in die Hauptrunde ermöglichte, gelang dies mit zehn Toren aus elf Abschlüssen vorzüglich. Schmid sagt über Sigrist: «Ihm sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist für ihn der nächste Entwicklungsschritt, dass er einschätzen kann, was seine Stärken sind. Manchmal kommt er mir noch vor wie ein junger Hund, den man an der Leine halten muss.»

Aellen mit klaren Worten

Nach der Niederlage gegen Kroatien sind die Chancen auf den Einzug in die Halbfinals nur noch theoretischer Natur. Aellen sagt zum Auftritt gegen die Kroaten: «Wir spielten wirklich schlecht und verlieren dennoch nur mit vier Toren gegen den WM-Zweiten. Das beflügelt uns auch, aber die Leistung war nicht akzeptabel.»

Die letzten beiden Gegner der Schweizer sind am Dienstag Island und am Mittwoch Schweden. Diese beiden Partien sind für Aellen eine unentbehrliche Erfahrung auf dem Weg zum nächsten Schritt. Denn die Schweizer sind es sich noch nicht gewohnt, so viele Partien innert kurzer Zeit auf einem dermassen hohen Niveau zu absolvieren. Zudem machten sie sich vor der Hauptrunde Hoffnungen auf die Halbfinals, was den Druck erhöhte. «Das benötigt geistig eine enorme Präsenz von jedem Spieler», betont Aellen. So oder so stimmt die Richtung, und auch dank Aellen und Sigrist kann der Schweizer Handballer voller Zuversicht in die Zukunft blicken.