Weite Wege, bewährte Austragungsorte
Sport
January 27, 2026

Weite Wege, bewährte Austragungsorte

Die Olympischen Spiele in Italien bauen auf Dezentralisierung - wie es auch der Schweiz für 2038 vorschwebt. Möglichst wenig sollte neu gebaut werden, stattdessen nutzt man bewährte Wettkampfstätten.

Die Olympischen Spiele in Norditalien sind nicht nur eine Rückkehr nach Europa, sondern auch eine neue Philosophie. Nach drei Spielen des Gigantismus in Sotschi, Pyeongchang und Peking, für die fast alle Wettkampfstätten neu gebaut wurden, setzt man nun auf bestehende Anlagen. Mit Mailand/Cortina erhielten erstmals zwei Gastgeberstädte den Zuschlag. In vier Jahren wird es mit den «Französischen Alpen» erstmals ein Region sein, 2038 hofft die Schweiz drauf, das erste Land als Austragungsort zu sein. Die kommenden Wochen werden auch eine Art Generalprobe sein, wie gut das dezentrale Konzept funktioniert.

Insgesamt gibt es sechs so genannte «Cluster». Die Transportwege werden lang sein, von Mailand nach Cortina d’Ampezzo sind es je nach Verkehrslage rund fünf Stunden mit dem Auto und deren sechs mit Bahn und Bus. Dafür sind die Wettkampfstätten mehrheitlich erprobt und den Athletinnen und Athleten wohl bekannt.

Mailand: Eishockey, Eiskunstlauf, Eisschnelllauf

In der grössten Metropole Italiens mit einer Agglomeration von rund sechs Millionen Menschen findet die Mehrheit der Eissportarten statt. Etwas Sorgen bereitet die neu gebaute grosse Eishockey-Arena Santa Giulia, die vielleicht nicht komplett fertig wird. Das wirft Fragen auf zur Eisqualität und zur geplanten Zuschauerkapazität von 11’800 Plätzen, gespielt wird aber mit Bestimmtheit. Bereit sind das zweite Hockeystadion Rho (5800 Plätze) sowie die Arenen für Eiskunstlauf und Shorttrack (11’500) und Eisschnelllauf (7500). Der Hauptteil der Eröffnungsfeier, die am 6. Februar auf insgesamt vier Orte verteilt ist, findet im Fussballtempel San Siro statt.

Cortina: Ski Frauen, Curling, Eiskanal

Cortina d’Ampezzo, das bereits 1956 einmal Olympische Spiele ausrichtete, ist Gastgeber der Frauen-Skirennen, des Curlings und der Eiskanal-Sportarten Bob, Rodeln und Skeleton. Das alpine Zentrum Tofane mit der spektakulären Abfahrtsstrecke zwischen den Felsen der Dolomiten ist den Ski-Rennfahrerinnen bestens bekannt. Sie sind jedes Jahr im Weltcup hier, erst 2021 fand die WM hier statt. 7000 Zuschauer fasst die Zielarena, 3000 haben in der Olympiahalle beim Curling Platz, 5500 sollen es im Sliding Centre Eugenio Monti sein. Ob rundherum alle Arbeiten fertig werden, muss sich noch zeigen, doch der 1750 Meter lange Eiskanal wurde zur Überraschung fast aller in der Rekordzeit von dreizehn Monaten fahrbereit und erhält von den Sportlerinnen und Sportlern viel Lob.

Antholz: Biathlon

Zum Cluster Cortina zählen die Organisatoren auch Antholz, doch der kleine Seitenast des Pustertals liegt mehr als eine Stunde entfernt. Antholz ist vielleicht das Biathlon-Mekka schlechthin, schon sechs Mal fand hier die WM statt. Bei der letzten, 2020 gleich vor Corona, strömten an zwölf Wettkampftagen insgesamt 165’000 Fans ins Südtirol. Das Zielstadion wurde renoviert und fasst 19’000 Zuschauer.

Bormio: Ski Männer

Wie bei den Frauen kehren auch die männlichen Skifahrer an einen wohl bekannten Ort zurück. Die Speedrennen auf der gefürchteten Stelvio haben zwischen Weihnachten und Neujahr Tradition. Sie gilt als eine der anspruchsvollsten Abfahrten im Weltcup. Schon zweimal, 1985 mit Pirmin Zurbriggen als Doppel-Weltmeister und 2005 ohne eine einzige Schweizer Medaille, fand die WM im Veltlin statt. Auf den Tribünen haben 7000 Zuschauer Platz.

Livigno: Ski Freestyle, Snowboard

Livigno ist neben der Eishalle in Mailand das grösste Fragezeichen. Für die Freestyle-Skifahrer und Snowboarder gab es keinerlei Test-Wettkämpfe. Der als Zollfrei-Paradies bekannte Ort gleich hinter der Grenze zum Engadin beherbergt sämtliche Snowboard- und Freestyle-Wettkämpfe und bietet Platz für 8400 Zuschauer.