Architektur kann die Orientierung im Shoppingzentrum erleichtern
Verlaufen im Einkaufszentrum? Eine neue Studie zeigt, welche Strategien Menschen erfolgreicher machen, sich in komplexen Gebäuden zurechtzufinden und welche architektonischen Merkmale helfen, den Überblick zu behalten.
Offene Grundrisse und die Fähigkeit, eine mentale Karte der Umgebung zu erstellen, helfen demnach bei der Wegfindung, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF), der die Studie finanziert hat, am Donnerstag mitteilte.
Für die Untersuchung navigierten knapp siebzig Versuchspersonen mit Virtual-Reality-Brillen durch ein virtuelles Einkaufszentrum, das einem realen Vorbild in Singapur nachempfunden war. Ihre Aufgabe war es, nacheinander zehn bestimmte Geschäfte zu finden und anschliessend vier davon erneut anzusteuern.
Die Forschenden zeichneten dabei die Laufwege auf und verfolgten mittels Eye-Tracking die Blickrichtung der Teilnehmenden. Zum Schluss mussten die Probanden aus dem Gedächtnis eine 3D-Skizze des Gebäudes anfertigen.
Zwei Strategien zur Orientierung
Die Auswertung der Daten bestätigte zwei bekannte Hauptstrategien, die Menschen zur Orientierung nutzen. Die erste basiert auf markanten Orientierungspunkten, sogenannten «Landmarks». Das kann eine auffällige Pflanze oder eine Skulptur sein, die als Ankerpunkt im Gedächtnis dient, um andere Orte zu verorten.
Die zweite Strategie besteht darin, sich Wege und Abzweigungen zu merken und so eine mentale Karte der Umgebung zu erstellen. Die Qualität dieser inneren Karte erwies sich als entscheidend für den Erfolg: Je genauer die von den Versuchspersonen gezeichneten 3D-Skizzen waren, desto effizienter hatten sie sich zuvor im virtuellen Gebäude bewegt.
Fähigkeit möglicherweise trainierbar
Laut dem Forscher Christian Vater von der Universität Bern sind die Fähigkeiten für beide Strategien individuell ausgeprägt, können aber trainiert werden. Dies ist dem Forscher zufolge aber noch wenig erforscht.
Die Studie lieferte auch Erkenntnisse darüber, welche architektonischen Elemente die Orientierung erleichtern: Breite Korridore halfen den Teilnehmenden, da sie gesuchte Geschäfte früher ins Blickfeld bekamen. Als besonders hilfreich erwiesen sich offene Bereiche wie Atrien, die einen Überblick über mehrere Stockwerke ermöglichen.
Vater hat die Studie an der ETH Zürich gemeinsam mit Christoph Hölscher durchgeführt. Veröffentlicht wurde sie in der Fachzeitschrift «Journal of Environmental Psychology».
