Schweizer Wintersport-Asse wollen Geschichte schreiben
116 Medaillensätze in 16 Sportarten werden an den Olympischen Spielen in Mailand-Cortina vergeben. Nur im Shorttrack und der Nordischen Kombination wird die Schweiz nicht vertreten sein.
Olympische Spiele bieten traditionell nicht nur den etablierten Stars eine Bühne, sondern rücken auch Athletinnen und Athleten ins Rampenlicht, die zuvor nur einem Fachpublikum bekannt waren. Im mit 175 Athletinnen und Athleten grössten Schweizer Aufgebot aller Zeiten für Winterspiele finden sich entsprechend sowohl Medaillenkandidaten als auch Namen, bei denen eine Klassierung unter den besten drei eine Überraschung wäre.
Ein konkretes Medaillenziel gibt der Schweizer Delegationschef Ralph Stöckli nicht vor. Als Orientierung dienen jedoch die jüngsten Winterspiele, an denen die Schweiz 2018 und 2022 jeweils 15 Medaillen gewann. Das ist zusammen mit Calgary 1988 die Rekordausbeute. Die Geschichte zeigt zudem, dass Olympische Spiele regelmässig ihre eigenen Gesetze schreiben. Überflieger leisten einen überproportionalen Beitrag, während andere Favoriten straucheln. Und immer wieder gehen neue Sterne auf. Namen wie Marie-Theres Nadig, Sonny Schönbächler, Gian Simmen, Simon Ammann oder Tanja Frieden stehen exemplarisch dafür.
Stars, Favoriten und Hoffnungsträger
Das grösste Potenzial, zu einem der prägenden Gesichter dieser Spiele zu werden, hat zweifelsohne Marco Odermatt. Der Riesenslalom-Olympiasieger von Peking gilt im Schweizer Team als meistgenannter Goldkandidat. Mit drei WM-Titeln und vier Gesamtweltcupsiegen ist der Nidwaldner in gleich drei Disziplinen Topfavorit. Darüber hinaus stellt das Schweizer Ski-Team mit Franjo von Allmen, Loïc Meillard und Camille Rast drei weitere Weltmeister.
Medaillenchancen eröffnen sich der Schweiz auch in weiteren Sportarten. Im Curling haben sowohl die Frauen als auch die Männer bei Grossanlässen in den vergangenen Jahren regelmässig überzeugt. Besonders gespannt verfolgt wird das Abschneiden der Eishockeyaner. Als Finalisten der letzten beiden Weltmeisterschaften bestreiten sie erstmals seit Sotschi 2014 wieder ein olympisches Turnier mit sämtlichen NHL-Stars.
Den Hockey-Frauen traut Ralph Stöckli zwölf Jahre nach dem sensationellen Gewinn der Bronzemedaille wieder einen Exploit zu. «Wenn sie am Tag X ihr Spiel durchziehen und in einen Flow kommen, können sie um Medaillen mitspielen.» Zudem findet der «Chef de Mission», dass das Warten auf die erste Schweizer Bob-Medaille seit zwölf Jahren ein Ende nehmen könnte. «Im Eiskanal wäre es auch wieder mal nach – für eine Bobnation, wie wir es sind.»
Mit vier Olympiasiegern von 2022
Von den sieben Schweizer Olympiasiegern von Peking sind vier auch heuer wieder dabei. Neben Odermatt zählt auch die Freestyle-Skifahrerin Mathilde Gremaud erneut zu den Podestanwärterinnen. Die zweifache Slopestyle-Weltmeisterin ist bereits in Besitz eines kompletten olympischen Medaillensatzes. Ein neuerlicher Triumph von Skicross-Olympiasieger Ryan Regez wie auch von Abfahrts-Olympiasiegerin Corinne Suter, die sich nach einem Trainingssturz im Dezember im Formaufbau befindet, käme allerdings einer Überraschung gleich. Beide hatten in dieser Saison bislang mit Schwierigkeiten zu kämpfen.
Immerhin hat Suter, die als Spezialistin für Grossanlässe gilt, den Wettlauf gegen die Zeit nicht verloren. Andere Teamkolleginnen wie Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin mussten ihren Olympiatraum nach Stürzen bereits früh in der Saison begraben. Neben dem zurückgetretenen Abfahrts-Olympiasieger Beat Feuz fehlen der Schweiz damit gleich zwei weitere Goldmedaillengewinnerinnen von 2022.
In Peking stellte Swiss-Ski sämtliche elf Schweizer Medaillengewinnerinnen und -gewinner, unter ihnen fünf mit der goldenen Auszeichnung im alpinen Skisport.
Neue Sportart mit Medaillen-Potenzial
Das Internationale Olympische Komitee nahm für die 25. Winterspiele mehrere Anpassungen im Programm vor. Aus Schweizer Sicht am bedeutendsten ist die Änderung im Ski alpin. Der Mixed-Teamwettbewerb wurde nach zwei Austragungen wieder gestrichen, die Einzel-Kombination durch eine Team-Kombination für Frauen und Männer ersetzt.
Als neue Disziplin gegenüber Peking 2022 hinzu gekommen ist das Skitourenrennen. In Bormio werden drei Medaillensätze vergeben. Es gibt je einen Sprint für Frauen und Männer sowie eine Mixed-Staffel. Mit Sprint-Weltmeisterin Marianne Fatton stellt die Schweiz eine ernsthafte Medaillenkandidatin, zumal sich unser Land in neuen olympischen Sportarten traditionell stark präsentiert.
