Hässiger Hintermann
Sport
February 4, 2026

Hässiger Hintermann

Der vierte Platz in der Olympia-Abfahrt geht entweder an Niels Hintermann oder an Stefan Rogentin. Dass Alexis Monney einen Fixplatz erhält, stösst vor allem bei Hintermann auf Unverständnis.

«Hässig» sei er, sagt Niels Hintermann nach dem ersten Training. Das ist dem 30-jährigen Zürcher von Beginn an anzusehen. Nach seiner Fahrt schüttelt er im Zielraum mehrmals den Kopf und wirft seine Stöcke wuchtig zu Boden. Mit seiner Leistung – als 18. ist er der schwächste der fünf gestarteten Schweizer – zeigt er sich unzufrieden. Doch nicht nur das beschäftigt ihn: «Was gestern Abend entschieden wurde, finde ich nicht richtig. Es ist nicht im Sinne des Sports.»

Der Entscheid, den Hintermann anspricht, betrifft die Qualifikation für die Abfahrt. Dem Schweizer Team stehen vier Startplätze zu. Marco Odermatt und Franjo von Allmen waren aufgrund ihrer Weltcupresultate von Beginn an gesetzt. Kurzfristig entschied das Trainerteam jedoch, auch Alexis Monney einen Fixplatz zu geben. Der Romand fuhr in den sechs Abfahrten dieses Winters viermal in die Top 10, sein bestes Resultat war Platz 5 in Wengen.

«In den letzten Jahren war es immer so: Wer nicht auf dem Podium stand, musste in die Qualifikation», sagt Hintermann. «Und jetzt macht man plötzlich etwas anderes. Das ist für mich unverständlich.»

Monney: «Wäre bereit gewesen»

Hintermanns Frust ist mit Blick auf die Resultate nachvollziehbar. In dieser Saison hat er in den Abfahrten nur sechs Punkte weniger gesammelt als Monney. Und dies notabene im ersten Winter nach überstandener Krebserkrankung. In der Disziplinenwertung belegen die beiden die Ränge 11 und 12.

Bei Monney kommt jedoch ein weiterer Faktor hinzu: seine herausragenden Leistungen im vergangenen Winter auf der Olympiastrecke. Damals gewann der Freiburger auf der Stelvio die Abfahrt und stand tags darauf auch als Dritter im Super-G auf dem Podest. Ausserdem überzeugte er an der letztjährigen WM in Saalbach mit den Plätzen 3 in der Abfahrt und 2 in der Teamkombination.

Mit diesem Leistungsausweis und seinen erst 26 Jahren bringt Monney starke Argumente mit. Wäre ihm im entscheidenden Training ein Ausrutscher unterlaufen, wäre das Trainerteam möglicherweise in die Bredouille gekommen. Dieses Szenario wollte man offenbar vermeiden.

Monney selbst sagt: «Dass es ohne Podium schwierig wird, war mir klar. Ich habe auch nie gefordert, einen Fixplatz zu erhalten, und war bereit, die Qualifikation zu bestreiten.» Er wisse nicht, was genau diskutiert worden sei, doch natürlich sei er mit dem Entscheid zufrieden. «Das nimmt mir etwas Druck und ich muss nicht sofort performen.»

Rogentin: «Akzeptiere den Entscheid»

Ebenfalls betroffen ist Stefan Rogentin. Anders als sein Teamkollege gibt sich der Bündner jedoch zurückhaltend: «Ich habe in der Vergangenheit gelernt, Entscheide so zu akzeptieren, wie sie gefällt werden.»

Von den fünf Speedfahrern hat Rogentin in dieser Saison klar am wenigsten Abfahrtspunkte gesammelt. Der 31-Jährige, der normalerweise im Super-G stärker ist, liegt in der Weltcup-Abfahrtswertung sogar hinter Alessio Miggiano und Justin Murisier zurück, die es nicht ins Olympia-Aufgebot geschafft haben. Entsprechend muss er im entscheidenden zweiten Training vom Donnerstag wohl deutlich schneller sein als Hintermann, um sich den letzten Startplatz zu sichern.

Er werde sein Bestes geben und danach den Entscheid abwarten, sagt Rogentin. Am Mittwoch hat er bereits gezeigt, dass er nicht kampflos aufgeben will: Er war 82 Hundertstel schneller als Hintermann.