Hintermann gratuliert Rogentin – und entschuldigt sich
Sport
February 5, 2026

Hintermann gratuliert Rogentin – und entschuldigt sich

Niels Hintermann kann sich seinen Olympia-Traum nicht erfüllen. Der Zürcher akzeptiert den Entscheid und entschuldigt sich für seinen Ausbruch vom Vortag.

Als Hintermann nach dem Training in Bormio vor die Mikrofone tritt, ist noch kein offizieller Entscheid gefallen. Dennoch ist dem 30-Jährigen klar, dass er die Olympia-Abfahrt am Samstag verpassen wird. Im Training ist er bis zum Messpunkt beim San-Pietro-Sprung langsamer als Stefan Rogentin. Auf die Frage, ob er trotzdem Hoffnung habe, antwortet Hintermann: «Rogi ist heute Weltklasse gefahren. Da gibt es nicht mehr viel zu sagen.»

Damit verpasst er die Krönung seiner Comeback-Saison. Hintermann hatte die Saison 2024/25 komplett ausgelassen, weil er an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war. Dank früher Erkennung und sofortiger Behandlung konnte er vor knapp einem Jahr verkünden, wieder krebsfrei zu sein und auf die Ski zurückzukehren.

Hintermann: «Blöde Aktion von mir»

Das gelang ihm in diesem Winter vorzüglich. Mit den Rängen 6 in Wengen und 7 in Gröden etablierte er sich als viertbester Schweizer Abfahrer und wurde für Olympia selektioniert. Doch nun wird am Samstag Rogentin, der im Abfahrtsweltcup 66 Punkte weniger gesammelt hat als Hintermann, an den Start gehen.

Anders als noch tags zuvor war Hintermann nun um versöhnliche Worte bemüht. Am Mittwoch hatte er sich darüber aufgeregt, dass Alexis Monney trotz fehlendem Abfahrts-Podestplatz in dieser Saison kurzfristig einen Fixplatz erhalten hatte. Der Entscheid sei «nicht im Sinne des Sports», befand Hintermann.

«Das war eine blöde Aktion von mir», sagt er rückblickend. Bereits am Mittwochabend hatte er sich in den sozialen Medien entschuldigt – auch, nachdem er bemerkt hatte, dass sich in den Kommentarspalten zwei Lager gebildet hatten. «Das war nie meine Absicht», betont Hintermann und hält fest: «Sport soll einen, nicht spalten.»

Zu sehr von den Emotionen leiten lassen

Er sei keine Maschine und sage normalerweise frei, was er denke. Am Mittwoch habe er sich jedoch zu sehr von seinen Emotionen leiten lassen. Nach unruhigem Schlaf habe seine Wut dazu geführt, dass er sich beim ersten Training wie blockiert fühlte. Das habe das Fass zum Überlaufen gebracht, der Frust musste raus. Später habe er mit seiner Frau und seinem Sporthypnotiseur gesprochen, was ihn wieder geerdet habe. «Ich habe mich sofort bei den Trainern und bei Alexis entschuldigt.»

Hintermann war es wichtig zu betonen, dass er Monney und Rogentin den Start in der Olympia-Abfahrt von Herzen gönnt. Die beiden Fahrer erklärten ihrerseits, sie würden ihm nichts nachtragen. Ein versöhnlicher Schluss.