Die Piste Stelvio ist für viele Speedfahrer eine Hassliebe
Für einmal fahren die alpinen Skifahrer an Olympia keine neue Piste hinunter, sondern eine bestens bekannte. Gleichwohl macht die Stelvio auch auf erfahrene Athleten noch immer Eindruck.
Mit seinen 31 Jahren ist Stefan Rogentin der routinierteste der vier Schweizer Abfahrer. Seit 2017 bestritt er schon 17 Weltcup-Rennen in Bormio. «Die Stelvio ist zusammen mit Kitzbühel wohl die schwierigste Piste im Weltcup», sagt der Bündner. «Sie ist von oben bis unten sehr anspruchsvoll und einfach streng. Sehr streng.»
Dominik Paris sieht die Stelvio als «Löwin»
Selbst für Dominik Paris, der in Bormio sechsmal die Abfahrt und einmal den Super-G gewonnen hat, ist es Jahr für Jahr eine Herausforderung, die Piste zu meistern. «Wäre die Stelvio ein Tier, wäre sie eine Löwin», sagt der 36-jährige Italiener der Nachrichtenagentur AFP. Und auch der 34-jährige Vincent Kriechmayr meint: «In Wengen und sogar in Kitzbühel gibt es Abschnitte, in denen man, vorsichtig gesagt, kurz durchatmen kann. Hier ist jeder Meter ein Kampf.»
Gleich nach dem Start wartet eine Steilwand, danach folgen lange Kurven. Auf der gut 3250 Meter langen Strecke werden Geschwindigkeiten über 140 km/h erreicht. Mit ihren oft vereisten und welligen Hängen – man wird fast durchgehend durchgeschüttelt – erweist sich die Stelvio immer wieder als erbarmungslos.
Cyprien Sarrazin bekam das im Dezember 2024 besonders schmerzhaft zu spüren: Ein Jahr nach seinem Sieg in Bormio stürzte der Franzose im Training schwer. Nach einer Operation wegen eines Hirnblutergusses hat er seither kein Rennen mehr bestritten. Im ersten Training zur Olympia-Abfahrt hat es zudem den Norweger Fredrik Möller erwischt, der nach einem Sturz mit ausgekugelter Schulter per Helikopter ins Spital geflogen wurde.
Bessere Sichtverhältnisse als im Dezember
Zugute kommt den Fahrern, dass sie das Rennen in diesem Winter ausnahmsweise nicht Ende Dezember, sondern im Februar bestreiten. «Die Sichtverhältnisse sind jetzt etwas besser», sagt Rogentin. Gemäss Wettervorhersagen könnte die Sonne am Samstag durch die Wolken dringen. «Es bleibt aber auch so eine riesige Herausforderung.»
Als Hassliebe bezeichnet Weltmeister Franjo von Allmen, der im letzten Training vom Freitag einen Schreckmoment hatte, seine Beziehung zur Stelvio. «Ich mag die Piste, aber sie ist auch beängstigend.»
