«Ich habe einen 4. Platz gewonnen»
Sport
February 8, 2026

«Ich habe einen 4. Platz gewonnen»

Nadja Kälin brilliert zum Auftakt der olympischen Langlauf-Wettkämpfe im Val di Fiemme mit dem 4. Platz im Skiathlon. Der verpassten Bronzemedaille trauert die Engadinerin keine Sekunde nach.

Am Ende des TV-Interviews sagt Nadja Kälin dann doch noch diesen Satz und muss selber darüber lachen. «Vielleicht geht es ja noch besser.» Das wäre dann ein Platz auf dem Podest. Von diesem, und der ersten Einzelmedaille einer Schweizer Langläuferin bei Olympia, ist sie am Samstag auf den je 10 km in klassischer und Skating-Technik weniger als eine halbe Minute entfernt.

Dennoch zeigt sich die 24-Jährige aus St. Moritz im Gegensatz zu Marco Odermatt in der Abfahrt über ihren 4. Rang kein bisschen enttäuscht. Es ist mehr, als sie sich erhofft hatte, obwohl sie bereits vor einem Jahr an der WM in Trondheim als Sechste des Skiathlons brilliert hatte. «Das darf man aber nicht noch einmal erwarten», hatte Kälin beim Medientreffen vor dem Olympiastart gewarnt. «Da hat einfach alles zusammengepasst.»

Plötzlich ging es um die Bronzemedaille

Vielleicht ist sie aber auch einfach noch besser, als sie selber glaubt. Am Samstag zeigt sie auch taktisch ein perfektes Rennen. Kälin hält sich konstant in den Top 8. «Und plötzlich ist es zwischenzeitlich so halb um die Bronzemedaille gegangen», stellt die Bündnerin leicht ungläubig fest. «Oh, oh, jetzt nicht nervös werden», schiesst es ihr durch den Kopf.

Als sich die letztlich Drittplatzierte Heidi Weng aus der Verfolgergruppe absetzt, versucht Kälin zu folgen. «Das ist schliesslich Olympia, alles oder nichts.» Sie muss aber schnell feststellen, dass die Pace der Norwegerin zu hoch ist. «Ich habe gespürt, wenn ich so weiterlaufe, verbläst es mich komplett.» Also entscheidet sich die Junioren-Weltmeisterin von 2020 mit der Staffel dafür, Weng ziehen zu lassen und auf die Finnin Kerttu Niskanen zu «warten». So kann sie am Ende noch einmal zusetzen und den 4. Platz sicher nach Hause zu laufen.

Nie war eine Schweizerin besser

«Man sagt ja immer, der Vierte sei der erste Verlierer, aber ich habe heute definitiv den 4. Platz gewonnen», betont Kälin gegenüber den Medien. Zur Einordnung: Erst einmal zuvor war eine Schweizerin in einem olympischen Einzelrennen ebenfalls Vierte geworden, Christina Gilli-Brügger 1988 über 20 km Skating – hinter drei Sowjetläuferinnen. Dazu holte die Schweizer Frauenstaffel 2002 Bronze.

Von einer Medaille will Kälin nicht sprechen. «Es wäre schön, wenn es noch einmal ein ähnliches Resultat gibt», sagt sie. «Aber ein Ziel habe ich schon mal erreicht.» Die WM des letzten Jahres stimmt optimistisch. Damals liess die Schweizerin dem Exploit zwei 8. Plätze über 10 und 50 km folgen. Und in dieser Form ist sie sicher auch eine valable Kandidatin für den Teamsprint an der Seite von Nadine Fähndrich.