Tanguy Nef nach langer Durststrecke ganz oben
Sport
9. Februar 2026

Tanguy Nef nach langer Durststrecke ganz oben

«Schweiz 2» vor «Schweiz 1»: Franjo von Allmen und Tanguy Nef sorgen in der Team-Kombination für die nächste Schweizer Goldmedaille. Vor allem für den Genfer ist es eine riesige Genugtuung.

Als Tanguy Nef erfährt, dass er die Team-Kombination mit Franjo von Allmen bestreiten wird, dauert es nicht lange, bis ihm ein Teamname einfällt: «All or Nefing». Die Kombination aus den beiden Nachnamen, beziehungsweise aus Teilen davon, ist zugleich das Ziel für das Rennen.

Und Nef ist es auch, der tags darauf zeigt, dass er das Motto «Alles oder Nichts» richtig verinnerlicht hat. Mit der Laufbestzeit sorgt er dafür, dass das Team von Platz 4 auf 1 springt – und auch das vermeintliche Traumduo Marco Odermatt/Loïc Meillard klar hinter sich lässt.

«Wir hatten einen klaren Plan und mussten ihn dann nur noch umsetzen», sagt Nef, der sich kurz zuvor Olympia-Gold umhängen durfte. Dass dies oft einfacher gesagt als getan ist, weiss wohl kaum jemand so gut wie er selbst. Doch an diesem Tag sei es für ihn plötzlich «ganz natürlich» gelaufen. «Dass ich mit dem Olympiasieger der Abfahrt ein Duo bilden durfte, war für mich eine Inspiration», so Nef. «Ich wollte einfach mein Bestes geben. Nun, da ich endlich einmal an den Olympischen Spielen dabei bin.»

Nef muss lange untendurch

Ja, die Karrieren von Nef und von Allmen lassen sich kaum vergleichen. Auf der einen Seite steht der erst 24-jährige Berner Oberländer, der im Weltcup praktisch sofort einschlägt und schon jetzt zu den besten Speedfahrern gehört. Auf der anderen Seite der 29-jährige Genfer, der sein Potenzial zwar früh andeutet, dann aber fast komplett von der Bildfläche verschwindet.

2019 wird er erstmals an eine WM mitgenommen, danach dauert es sechs Jahre, bis Nef seine zweite bestreiten darf. Besonders die Saison 2022/23 verläuft für ihn rabenschwarz: In neun Slaloms holt er nur ein zählbares Resultat. Sechsmal scheidet er aus, zweimal verpasst er die Qualifikation für den zweiten Lauf. Nach einem Materialwechsel kämpft er sich schrittweise zurück und fährt seit letzter Saison wieder konstant in die Punkte.

Im aktuellen Winter hat Nef sechs Top-10-Rangierungen vorzuweisen – aus dem Nichts kommt der Erfolg also nicht. Aber aufs Podest hat es eben noch nie gereicht. Dafür braucht Nef offenbar den Grossanlass: Nach WM-Silber im letzten Jahr, damals mit Alexis Monney in der Team-Kombination, folgt nun Olympia-Gold. Er suche noch nach den richtigen Worten, sagt Nef beim Interview-Marathon nach dem Sieg immer wieder. «Einmal hier zu stehen, davon habe ich geträumt. Aber ich wusste auch, dass es möglich ist.»

Von Allmen zeigt sich beeindruckt

Neben Nef steht mit Franjo von Allmen der frisch gekürte Doppel-Olympiasieger. Er könnte der grosse Mann dieser Spiele werden, steht mit dem Super-G vom Mittwoch ja noch ein Rennen auf dem Programm, in dem er erneut zu den Favoriten gehört. Doch in diesem Moment weiss er genau: «Heute hat Tanguy die unglaubliche Leistung gebracht.»

Nach seiner Abfahrt war von Allmen noch nicht wirklich zufrieden gewesen. «Es wird, denke ich, Zeit für eine Pause», hatte er gesagt. Vor allem im unteren Teil, wo er tatsächlich einige Hundertstel auf die Konkurrenz verlor, habe er die Beine gespürt. «Ich war überrascht, dass der Rückstand im Ziel dann doch nicht so gross war. Nun hoffe ich, dass Tanguy meine Fehler ausbügeln kann.»

Und das tat Nef mit einer Fahrt, wie er sie kaum je zuvor gezeigt hat. Getreu dem Teammotto holte der Westschweizer alles aus sich heraus und darf sich nach Jahren des Auf und Ab nun Olympiasieger nennen.