Tumlers Tragik, Meillards Genugtuung, Odermatts Konstanz
Sport
14. Februar 2026

Tumlers Tragik, Meillards Genugtuung, Odermatts Konstanz

Wie an der WM 2025 klassiert sich im Olympia-Riesenslalom ein Schweizer Trio auf den Rängen 2 bis 4. Während Marco Odermatt und Loïc Meillard zufrieden sind, ist Thomas Tumler der tragische Held.

Dass die eher flache Piste seinen Stärken entspricht, war bekannt. Dennoch überraschte der Auftritt von Thomas Tumler in Bormio. Der 36-Jährige war im Weltcup bislang nicht wie gewünscht in Schwung gekommen, hatte Rang 9 in Copper Mountain als einziges Top-10-Resultat in diesem Winter vorzuweisen. Beim wichtigsten Rennen der Saison aber war er bereit, auch wenn es am Ende nicht für die Medaille reichte.

In der Interviewzone wirkte Tumler leicht enttäuscht, aber gefasst. Vorwerfen konnte er sich nichts, denn er hatte genau das gezeigt, was er nach dem ersten Lauf angekündigt hatte: Angriff auf das Podest. «Ich hatte endlich wieder einen Lauf, bei dem ich nicht mehr wusste, wie ich gefahren bin», sagte Tumler. «Ich konnte den Kopf abschalten und einfach riskieren.»

Gefühlt habe er sich sehr gut, sei «vergleichsweise wenig nervös» gewesen, so der Bündner aus Samnaun. «Ich wusste, es gibt nur eines: volle Attacke. Lieber DNF (did not finish, die Red.) als Vierter. Am Schluss ist es halt doch der 4. Platz geworden.» Ein kleiner Fehler kurz nach der zweiten Zwischenzeit kostete ihn wohl die Medaille. Denn trotz dieses Missgeschicks war Tumler im zweiten Lauf der schnellste Schweizer – und auch schneller als der klare Sieger Lucas Pinheiro Braathen. Für das Podest fehlten 28 Hundertstel.

An der letztjährigen WM in Saalbach durften Tumler als Zweiter und Meillard als Dritter jubeln, während Odermatt als Vierter leer ausging. Ein Jahr später trifft dieses Schicksal nun Tumler. «Es tut natürlich weh, das ist logisch», sagte er. Ein Olympia-Podest wäre nach dieser Weltcup-Saison eine riesige Genugtuung gewesen. Doch auch so hielt Tumler fest: «Nach Tagen wie heute habe ich wieder Freude und Optimismus. Ich merke, dass ich es noch kann.»

Odermatt bleibt ohne Gold

Von Marco Odermatt als zweitem tragischen Helden zu sprechen, wäre übertrieben. Schliesslich gewann der 28-Jährige in Bormio seine dritte Olympiamedaille und insgesamt seine vierte. Und dennoch wirkt die Ausbeute für den Mann, der den Skisport seit Jahren dominiert und in dieser Saison kurz vor seinem fünften Gesamtweltcup-Sieg in Folge steht, irgendwie unvollständig.

Die Ränge 2 bis 4 hatte er an diesen Winterspielen bereits belegt, im Riesenslalom wollte Odermatt Gold und damit seinen vier Jahre zuvor errungenen Olympiasieg wiederholen. Mit fast einer Sekunde Rückstand auf Pinheiro Braathen war jedoch bereits nach dem ersten Lauf klar, dass dies äusserst schwierig werden würde. Im zweiten Lauf konnte er zwar noch etwas aufholen, doch mit 58 Hundertsteln Rückstand fehlte am Ende zu viel. Man könnte sagen: Genug, um nicht hadern zu müssen.

Er sei zufrieden, hielt Odermatt fest, insbesondere mit Blick auf seinen Trainingsaufwand in dieser Disziplin. Nach seinem Sieg in Adelboden am 10. Januar hatte sich der Nidwaldner ganz auf die Speedrennen fokussiert. Riesenslalom-Training gab es seither lediglich unmittelbar vor Schladming sowie in Bormio eine kurze Einheit am Vortag des Rennens. «Wenn man das betrachtet, ist es definitiv nochmals die grössere Leistung», sagte Odermatt, der sich zu Recht stolz auf seine Konstanz zeigte.

Meillard mit starker Reaktion

Aufgrund des grossen Rückstands nach dem ersten Lauf war auch Loïc Meillard bewusst, dass es kaum noch ganz nach vorne reichen würde. Für den 29-Jährigen ging es in erster Linie darum, seinen Podestplatz zu verteidigen – und das gelang ihm. Nach Silber in der Team-Kombination mit Marco Odermatt gewann er nun Bronze im Riesenslalom.

Diese Medaille fühle sich für ihn «irgendwie anders» an. «Im Kombi-Slalom bin ich nicht so gut gefahren, war wütend auf mich selbst und konnte den Moment daher nicht voll geniessen», erklärte Meillard. Im Riesenslalom zeigte er nun allen, vor allem auch sich selbst, dass er mit der Piste in Bormio sehr wohl zurechtkommt. Entsprechend unbeschwerter durfte er jubeln – auch mit Blick auf den Slalom vom Montag, in dem Meillard nach Franjo von Allmen und Marco Odermatt ebenfalls seine dritte Medaille an diesen Spielen gewinnen kann.

Als er gefragt wurde, was er heute seinem jüngeren Ich mitgeben würde, sagte Meillard: «Ich würde sagen: Es lohnt sich, gewisse Opfer zu bringen, auch in schwierigen Phasen weiter hart zu arbeiten. Geniesse jeden Moment auf dem Weg, denn Olympische Spiele oder Weltmeisterschaften sind am Ende immer sehr kurze Momente.»

Vielleicht ist es genau diese Haltung, die erklärt, weshalb Meillard auf den grossen Bühnen zum wiederholten Mal zur Stelle ist.