Schweizer Frauen drohen erste Titelkämpfe ohne Medaille seit 2011
2022 gewinnen die Schweizerinnen sieben Olympia-Medaillen. Nun bleibt nur noch der Slalom, um ein Debakel wie zuletzt an der WM 2011 zu verhindern. Camille Rast und Wendy Holdener sind gefordert.
Cortina d’Ampezzo ist für die Schweizer Skifahrerinnen bisher keine Reise wert. Nur noch der Slalom bleibt, um die ersten medaillenlosen Titelkämpfe seit der WM 2011 in Garmisch und den Olympischen Spielen im Jahr davor in Vancouver zu verhindern. Auf dem Papier stehen die Zeichen für die Medaillen gut, in der Realität gibt es grössere Hindernisse.
Nach ihrem 12. Platz im Riesenslalom am Sonntag war der Frust bei Camille Rast gross. Sieben Podestplätze hatte die Walliserin in den letzten neun Technikrennen vor den Olympischen Spielen herausgefahren, doch nun kommen die Pisten in Italien ihren Fähigkeiten so gar nicht entgegen. Die Aussicht auf den Slalom auf dem gleichen Hang konnte sie überhaupt nicht aufmuntern. «Das ist eine Junioren-Piste», schimpfte die Weltmeisterin. Zuversicht und Vorfreude sieht anders aus.
Nummer 2 und 3 der Saison
Die Vorzeichen standen für die Schweizerinnen schon vor dem Beginn der Spiele denkbar schlecht. Bei der WM 2021 in Cortina gewannen sie nicht weniger als sechs Medaillen. Doch in diesem Winter ist das Speed-Team der Frauen durch die Verletzungen von Lara Gut-Behrami und Michelle Gisin arg dezimiert. Dazu kämpfen auch die bewährten Kräfte Corinne Suter und Jasmine Flury nach der Rückkehr von Verletzungen mit Problemen.
Etwas zu denken gibt, dass man nicht einmal nahe an einer Medaille war. Beste Klassierung ist bis jetzt der 10. Platz von Malorie Blanc im Super-G. 2010 in Vancouver, als man letztmals ohne Olympia-Medaille blieb, hatte man mit drei 4. Plätzen auch etwas Pech.
Noch ist aber nicht alles verloren. Camille Rast und Wendy Holdener sind hinter der Dominatorin Mikaela Shiffrin die zweit- respektive drittbeste Slalomfahrerin des Winters. Beide haben ihre Stärke bei Grossanlässen schon unter Beweis gestellt, vor einem Jahr bei der WM in Saalbach triumphierte Rast vor Holdener. Die Schwyzerin ihrerseits zählt schon fünf Olympia-Medaillen ihr Eigen.
Holdener gefällt neue Piste
Holdener sieht dem Slalom denn auch optimistischer entgegen als Rast. «Man muss konstant attackieren», weiss die Olympia-Zweite von 2018 und -Dritte von 2022. «Ich finde es eigentlich super, wenn es Pisten sind, die neu sind, die noch keine kennt.» Sie verzichtete kurzfristig auf den Riesenslalom und trainierte stattdessen Slalom. Auch Rast sollte man noch nicht abschreiben. Nachdem sie am Sonntag Dampf abgelassen hat, ist der Kopf vielleicht wieder frei und der Frust abgebaut.
Denn bei aller Kritik an den Pisten der Techniker, die es auch bei den Männern in Bormio gab: Am Ende gab es bei diesen Spielen keine Zufallssieger. Loïc Meillard wiederholte seinen Sieg von der WM im Slalom ebenso wie Federica Brignone ihren im Riesenslalom. Zweite war dort mit Sara Hector die Olympiasiegerin von Peking. Das würde definitiv für einen guten Auftritt von Rast und Holdener sprechen.
Ähnlich unter Druck ist auch Mikaela Shiffrin. Der US-Superstar ist seit mittlerweile acht Olympia-Rennen ohne zählbares Ergebnis, es drohen die zweiten Winterspiele in Folge ohne Medaille. Am Mittwoch (1. Lauf 10.00, 2. Lauf 13.30 Uhr) steht also viel auf dem Spiel.
