Alina Müller schreibt das nächste Olympia-Märchen
Die Schweizer Hockey-Frauen schaffen, wovon auch die Männer geträumt haben: Sie gewinnen in Mailand eine Olympia-Medaille - die zweite bronzene nach 2014. Wieder erzielt Alina Müller das Siegtor.
Was für ein Märchen, was für eine Willensleistung! Zwölf Jahre nachdem sie die Schweizerinnen als 15-Jährige im Spiel um Bronze in Sotschi zum Sieg (4:3) geschossen hatte, wiederholt sich die Geschichte für Alina Müller und ihr Team in Mailand. Wieder heisst der Gegner im Spiel um alles oder nichts Schweden. Doch diesmal ist die Dramaturgie noch grösser.
Wie bereits im Viertelfinal gegen Finnland (1:0) und im Halbfinal gegen Kanada (1:2) müssen die Schweizerinnen am Ende der regulären Spielzeit in Unterzahl antreten. Erneut überstehen sie die Strafe unbeschadet und schöpfen Mut für die Verlängerung. «Das Gefühl kam auf: Jetzt holen wir diese Medaille», sagt Ivana Wey.
Ausgerechnet Wey, die in der 27. Minute beim Stand von 0:0 einen Penalty vergeben hatte, legte 51 Sekunden vor Ablauf der Verlängerung im Zusammenspiel mit Alina Müller das Siegtor auf. «Das war ein unglaubliches Gefühl», beschreibt die 19-jährige Luzernerin den Moment, als Müller das siegbringende 2:1 gelingt. Die Partie habe sich wie eine Achterbahnfahrt angefühlt. Und: «Es war wichtig, dass wir nie aufgehört haben, daran zu glauben.»
Widerstände überwunden
Weys verschossener Penalty und das Ausbügeln einer vermeidbaren Strafe von Lutz in der Offensivzone kurz vor Ende der regulären Spielzeit sind nicht die einzigen Widerstände, die das Schweizer Team auf dem Weg zu Bronze überwinden muss. In einem engen Schlagabtausch gehen die Schwedinnen kurz nach Spielhälfte 1:0 in Führung. Verteidigerin Mira Jungaker erwischt die ansonsten erneut starke Andrea Brändli (32 Paraden) im Schweizer Tor mit einem präzisen Schlenzer.
Doch die Schweizerinnen bleiben ruhig. «Wir sind im Moment geblieben und haben weiter an unsere Chance geglaubt», sagt Captain Lara Stalder, die wie Müller bereits 2014 Teil des Bronze-Teams war. Nur vier Minuten nach dem 0:1 gleicht Sinja Leemann auf Zuspiel von Alina Marti die Partie wieder aus.
Alina Müller powert ohne Ende
In der Verlängerung ist es eindrücklich, mit welcher Vehemenz Alina Müller die Entscheidung erzwingen will. Die einzige Schweizerin in der nordamerikanischen Profiliga PWHL steht beinahe pausenlos auf dem Eis, lanciert Angriff um Angriff – bis sie kurz vor dem Penaltyschiessen mit ihrem vierten Turniertor für Ekstase im Schweizer Team sorgt. Erst fliegen ihre Handschuhe durch die Luft, wenig später auch der Helm, bevor sie inmitten ihrer Teamkolleginnen in der Schweizer Jubeltraube verschwindet.
«Ich kann es noch nicht richtig fassen», sagt Alina Müller, dass sich ihr olympisches Märchen zwölf Jahre später wiederholt. «Es war eine lange Reise. Das jetzt geschafft zu haben, ist unglaublich.»
Auf die Frage, was dieser Erfolg für das Schweizer Frauen-Eishockey auslösen könnte, sagt die 27-jährige Winterthurerin: «Ich hoffe viel – mehr als 2014. Was momentan im Frauensport passiert, ist unglaublich. Vor ein paar Jahren hätten hier ein paar Hundert Leute zugeschaut, heute war das Stadion (mit 8243 Zuschauern) fast voll. Es macht riesigen Spass. Ich versuche, meinen Teil dazu beizutragen, andere machen das Gleiche neben dem Eis. Hoffentlich können wir zusammen Grosses bewegen.»
