Alina Pätz mit Nerven aus Stahl
Die Schweizer Curlerinnen spielen erstmals seit 2006 wieder um Olympia-Gold. Im Halbfinal gewinnt das Team um Skip Silvana Tirinzoni gegen die USA 7:4 und spielt am Sonntag im Final gegen Schweden.
Am Ende brauchte es doch wieder einmal Alina Pätz und ihre Nerven aus Stahl. Die Schweizerinnen hatten das Spiel gegen die überraschenden, auf dem Papier klar schwächeren Amerikanerinnen von A bis Z kontrolliert. Doch diese liessen sich nicht abschütteln, sodass Pätz ihren letzten Stein ziemlich präzise in die Mitte zirkeln musste, um nicht noch ein Zusatzend zuzulassen.
Es war ein Routinestein für die Zürcherin, aber einer unter maximaler Nervenanspannung. «Ich hatte im achten End fast genau den gleichen gespielt und fühlte mich deshalb ziemlich gut», erklärte die Nummer 4 im Schweizer Team mit bereits sechs WM-Titeln in ihrem Palmarès hinterher. Und natürlich lieferte Pätz gewohnt souverän ab. Sie stand am Ende bei sagenhaften 99 Prozent Erfolgsquote mit ihren Steinen. Genau so einer fiel dann von den Herzen der Schweizerinnen.
Geister von Peking vertrieben
Bei Weltmeisterschaften so oft so erfolgreich, hatten sie mit Olympia noch eine Rechnung offen. Selina Witschonke, Carole Howald, Tirinzoni und Pätz revanchierten sich eindrücklich für die Niederlage gegen die USA im letzten Vorrundenspiel und machten es damit auch besser als vor vier Jahren, als sie nach einer überragenden Vorrunde eine Medaille verpasst hatten.
Diese haben se nun auf sicher, aber dabei soll es natürlich nicht bleiben. Die Schweizerinnen zeigten den überzeugendsten Auftritt am diesjährigen Turnier, nachdem sie in der Gruppenphase nicht immer auf ihrem gewohnt hohen Niveau gespielt hatten. Früh, im zweiten und im vierten End, schrieben sie zwei Steine und behielten die Zügel bis zum Ende in der Hand. Am Ende spielten sie gegen die international deutlich unerfahreneren Amerikanerinnen ihre Routine und Klasse souverän aus.
Dritte Schweizer Olympia-Medaille
Damit steht die dritte Schweizer Olympia-Medaille nach den silbernen der Teams von Luzia Ebnöther (2002) und Mirjam Ott (2006) fest. Und Tirinzoni und Pätz, die schon 2022 in Peking das «Back End» bildeten, vertrieben die Geister der damaligen Halbfinal-Niederlage gegen Japan und der folgenden Niederlage im Bronzespiel gegen Schweden.
Genau gegen diese Schwedinnen von Skip Anna Hasselborg ist nun im Final (Sonntag, 11.05 Uhr) Revanche angesagt, auch für die Niederlage in der Vorrunde (4:6). Olympiasieger war die Schweiz bei den Frauen noch nie, im Gegensatz zur überragenden Bilanz bei Weltmeisterschaften. Tirinzoni weist bereits vier WM-Titel auf, Pätz sogar deren sechs. Hasselborg war vier Jahre vor der Bronzemedaille von 2022 in Pyeongchang Olympiasiegerin.
Wäsche waschen oder Bob schauen
Diesmal ist der Druck ein anderer, die Schweizerinnen gehen auf keinen Fall mit leeren Händen nach Hause. Pätz dürfte auch dann wieder eine Bank sein, nachdem sie im Verlauf des Turniers nicht immer ganz auf ihr Rendement kam. «Ich glaube, der Druck wird im Final ähnlich sein. Ich habe auch heute weder Druck noch gross Nervosität verspürt», meinte sie cool. «Viel besser kann ich nicht spielen, denke ich. Wir müssen mit der gleichen Einstellung in den Final wie heute.»
Die Vorbereitung mit dem freien Tag am Samstag wird im Schweizer Team unterschiedlich verbracht. «Ich muss Wäsche waschen», sagte Skip Silvana Tirinzoni. «Carole und ich gehen wahrscheinlich am Sonntag um 10 Uhr Bob schauen», so Pätz. «Das haben wir den Jungs versprochen, wenn wir frei haben.»
