Noé Roth fügt der Familiensammlung eine weitere Medaille hinzu
Sport
20. Februar 2026

Noé Roth fügt der Familiensammlung eine weitere Medaille hinzu

Nach seinen zwei Weltmeistertiteln holt Noé Roth Olympia-Silber. Der Skiakrobat erlebt in Livigno ein Tag mit unterschiedlichsten Emotionen.

«Complete the mission» steht auf dem Shirt, das Michel Roth, Nationaltrainer und Vater von Noé, unter seiner dicken Winterjacke trägt. Die Mission war die Olympiamedaille. Wie lange schon? Das wissen auch die Roths nicht genau.

Eigentlich beginnt es schon Anfang der 2000er-Jahre, als Noé früh seine Freude am Trampolin entdeckt. In den 2010ern festigt sich die Liebe zum Springen, mit 17 nimmt er bereits an seinen ersten Olympischen Spielen teil. In den 2020ern gehört er zur absoluten Weltelite, wird zweimal Weltmeister, und fasst dann die Winterspiele wieder ins Auge.

Nun ist die Olympiamedaille da, und Noé Roth sucht bei jeder Interviewstation nach den richtigen Worten für seine Gefühle. «Es ist unglaublich, ich bin enorm stolz», sagt der 25-Jährige und wischt sich ab und zu über die Augen. Damit tritt er in die Fussstapfen seiner Mutter: Colette Brand gewann 1998 in Nagano Bronze, ihr Sohn holt 28 Jahre später Silber. «Es ist ein riesengrosser Kindheitstraum, der in Erfüllung gegangen ist.»

Nur kurz enttäuscht

Dass es ganz knapp nicht Gold geworden ist, spielt gut 40 Minuten nach dem Wettkampf keine grosse Rolle mehr. Vater Michel scheint es zunächst etwas mehr zu schmerzen, dass lediglich 1,02 Punkte gefehlt haben. «Im ersten Moment nach dem Sprung habe ich gedacht: Das ist es», sagt Michel Roth. Es folgt langes Warten, ein schier unerträgliches Gefühl für ihn und seinen Sohn.

Dann die Gewissheit: Silber, nicht Gold. Zunächst wirkt auch Noé Roth im Zielraum etwas enttäuscht, doch diese Gefühlslage weicht rasch der Freude. Denn es hätte an diesem Tag auch ganz anders kommen können.

Noch am Vormittag erlebte der Zuger, wie er sagt, «die stressigsten 20 Minuten meines Lebens». Weil Roth in beiden Qualifikationssprüngen kleine Fehler machte, musste er lange bangen, ehe er als Zwölfter noch den letzten Finalplatz ergatterte.

«Danach wusste ich: Ich habe nichts mehr zu verlieren», sagt Noé Roth. Befreit erreicht er bereits im ersten Finalsprung über 130 Punkte. Damit startet er im entscheidenden Durchgang als Letzter der Top-6-Springer. Die Anspannung während des Wartens ist riesig. Immer wieder geht er die Abläufe seines Sprungs im Kopf durch – und erfüllt dann die Mission. «Ich wusste, dass stark vorgelegt wurde. Aber das mag ich auch irgendwie: Unter Druck springe ich besser.»

Ein Kreis schliesst sich

Ein Wermutstropfen bleibt: Anders als im vergangenen Jahr an der WM in St. Moritz steht diesmal nicht auch Pirmin Werner auf dem Podium. Für den zweiten Schweizer, der mit Noé Roth gut befreundet ist, endet ein zuvor herausragender Wettkampf mit einem Sturz bei der Landung. «Hätte er ihn gestanden, wäre er ebenfalls auf dem Podest gewesen», ist sich Michel Roth sicher. «Aber da sieht man, wie eng es auf diesem Niveau ist.»

Dass die Athleten im Kampf um die Medaillen alles riskieren müssen, unterstreicht Noé Roths Leistung umso mehr. «Er hat das gewaltig gemacht», sagt Michel Roth, der inmitten der Emotionen auch seinen Abschied andeutet. Es seien vermutlich seine letzten Olympischen Spiele gewesen, so der Trainer.

Es würde nicht überraschen: Seit 1991 ist er Nationaltrainer und erlebte in dieser Rolle bereits, wie seine Frau zu Olympia-Bronze sprang. Mit der Silbermedaille seines Sohnes schliesst sich nun der Kreis.