Ein Schweizer jubelt, der andere entschuldigt sich
Sport
21. Februar 2026

Ein Schweizer jubelt, der andere entschuldigt sich

Bereits nach dem ersten Lauf hat er Krämpfe - und fährt dennoch zu Bronze. Während Alex Fiva alle überrascht, entschuldigt sich der entthronte Olympiasieger Ryan Regez für sein Verhalten.

Nach dem Halbfinal sitzt Alex Fiva im Zielbereich, als gehöre er zu den Geschlagenen. Dabei hat sich der Bündner soeben für den Lauf um die Medaillen qualifiziert. Doch die Freude hält sich in Grenzen. «Ich hatte unglaubliche Krämpfe, es war extrem», sagt Fiva. Zurück am Start habe der Medical Staff versucht, die Spannung aus seinen Oberschenkeln zu lösen. Doch schon kurz nach dem Start zum Final sei der Schmerz zurückgekehrt.

Dass es am Ende trotzdem zu Bronze reichte, wobei er bis kurz vor Schluss sogar auf Silberkurs lag und erst auf der Ziellinie noch abgefangen wurde, freute Fiva umso mehr. Es ist seine zweite Olympiamedaille nach Silber in Peking. Mit einem grossen Unterschied: Bei den «Coronaspielen» waren keine Fans und keine Familien vor Ort. «In Peking habe ich mir bei der Medaillenfeier vorgestellt, wie es wäre, wenn der Platz voll wäre. Umso schöner ist es, hier den Erfolg mit den Liebsten teilen zu können.»

Regez entschuldigt sich bei Hronek

Mit seinen Krämpfen war Fiva nicht allein. Der starke Schneefall machte die ohnehin langsame Strecke noch träger. Entsprechend mussten die Fahrer tief in die Hocke gehen und die Schanzen mit voller Kraft anspringen. Aber selbst das reichte oft kaum aus. Am Ende hätte man beinahe wie ein Skispringer in der V-Stellung abspringen müssen, sagte etwa Ryan Regez.

Für den Berner Oberländer, der vier Jahre zuvor Olympiasieger geworden war, endete der Tag enttäuschend. «Ich habe es nie öffentlich gesagt, aber mein grosses Ziel war der Olympiasieg», so der 33-Jährige. «Und wenn ich sehe, was heute möglich gewesen wäre, tut das gerade sehr weh.»

In der Qualifikation am Vormittag hatte er noch mit der drittbesten Zeit überzeugt. Auch im Wettkampf glänzte er mit starken Starts. Doch im Halbfinal tat er sich schwer, Tempo aufzubauen. Und als er kurz das Gleichgewicht verlor, bremste er den neben ihm fahrenden Tim Hronek mit ausgestrecktem Arm aus.

«Ich bin nicht stolz darauf», sagte Regez später. «Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es tun. Es war unsportlich und unfair.» Eine Entschuldigung, die dem Deutschen wenig Trost spendete. Durch das Manöver konnte der Japaner Satoshi Furuno an beiden vorbeiziehen und sensationell in den Final einziehen.

Fiva mit taktischem Geschick

Fiva erklärte derweil, dass der Schlüssel zu Bronze die Strategie gewesen sei. Im Viertelfinal fand er sich nach einem misslungenen Start zunächst klar auf dem letzten Platz wieder. Mit kluger Linienwahl machte er jedoch Platz um Platz gut und fuhr am Ende sogar als Erster über die Ziellinie. Dabei kam ihm, der Ende Januar 40 Jahre alt geworden war, die grosse Erfahrung zugute.

Im grossen Final halfen jedoch auch taktische Finessen kaum noch. Dort ging es nur noch darum, den Schmerzen zu trotzen und irgendwie ins Ziel zu kommen. «Ich hoffe, dass es für das TV-Publikum nicht zu langweilig war», sagte Fiva mit einem Lächeln.

Auf die Frage, ob dies nun der Abschluss seiner Karriere gewesen sei, zuckte er lediglich mit den Schultern. «Im Moment macht es mir noch sehr Spass.» Nicht ausgeschlossen also, dass er im kommenden Winter seine 20. Weltcup-Saison bestreiten wird.