Michael Vogts Ehrgeiz wird mit Bronze belohnt
Die Schweiz gewinnt erstmals seit 2014 wieder eine Medaille im Eiskanal. Die Bronze für das Viererteam von Michael Vogt ist eine riesige und verdiente Erlösung nach schwierigen Monaten.
Im vierten und letzten Durchgang am Sonntagmittag legen Michael Vogt und seine Anschieber Andreas Haas, Amadou Ndiaye und Mario Aeberhard noch einmal alles in die Waagschale. In 4,78 s knallt das Schweizer Quartett seine beste Startzeit des gesamten Wochenendes in den Eiskanal von Cortina, und Vogt zirkelt den grossen Schlitten nahe am Optimum ins Ziel. Zweitbeste Laufzeit, der Deutsche Adam Ammour hält dem Druck daraufhin nicht stand. Diesmal ist das Hundertstelglück auf Schweizer Seite. Mit vier Hundertsteln Vorsprung sichert sich Vogt den 3. Platz hinter den unantastbaren Johannes Lochner und Francesco Friedrich.
«Hammer», meint der 28-jährige Schwyzer und ringt nach Worten. «Zweitbeste Startzeit, da haben wir noch einmal richtig einen rausgehauen, und auch in der Bahn hat es gut gepasst.» So richtig realisiert habe er den Gewinn der Medaille allerdings noch nicht. «Wir sind gestern (Samstag) schon mal zusammengesessen», verrät Anschieber Haas. «Wir wussten, wir sind in Schlagdistanz. Deshalb hiess das Motto: voll angreifen. Wir können nur gewinnen, haben nichts zu verlieren.» Gesagt, getan.
In die deutsche Phalanx eingebrochen
Ihren Ehrgeiz, sagte Michael Vogt vor den Spielen in Italien auf die Frage nach der herausstechenden Eigenschaft seiner Partnerin Melanie Hasler. Diese konterte mit dem Hinweis, ihr Freund sei definitiv ehrgeiziger in allem, was er mache. Und sie hatte recht. Kaum einer glaubte angesichts der erdrückenden deutschen Überlegenheit noch an eine Medaille, doch der ehemalige Leichtathlet und Turner aus Wangen SZ wiederholte standfest, diese bleibe das Ziel.
Immer wieder war er in der Vergangenheit auch an der materialmässigen Überlegenheit der Deutschen fast verzweifelt, doch Vogt wusste auch, dass er in der Bahn fahrerisch zur absoluten Weltklasse gehört und dass er im Vierer des ehemaligen Schweizers und aktuellen österreichischen Coaches Wolfgang Stampfer eine bessere Chance haben würde als im Zweier. Auch in der Vergangenheit waren ihm immer wieder kleine Nadelstiche gelungen, etwa mit WM-Bronze im Zweier 2023 oder im letzten Januar mit EM-Bronze im Vierer, allerdings beide Male mit Heimvorteil in St. Moritz.
Vor vier Jahren war er in Peking im Zweier hinter drei deutschen Schlitten Vierter geworden, diesmal konnte er über die erste Schweizer Olympia-Medaille seit zwölf Jahren jubeln. 2014 hatten Beat Hefti und Alex Baumann in Sotschi Gold gewonnen. Im Vierer, der Königsdisziplin des Bobsports, lag die letzte Medaille sogar 20 Jahre zurück. 2006 gewann das Team von Martin Annen ebenfalls Bronze, ebenfalls in Turin.
Wichtiges Signal in schwieriger Saison
Drei Winterspiele in Folge ohne Schweizer Medaille im Bob hat es im Übrigen noch nie gegeben. «Über die Historie haben wir nicht gross nachgedacht», versichert Vogt mit einem Lachen. «Wir haben einfach alles gegeben, und es hat funktioniert.»
Es ist die Krönung einer Saison, die mit dem Zahlungsausfall eines grösseren Sponsors und damit grösseren Budgetkürzungen begonnen hatte. Drei Podestplätze beim Weltcup in St. Moritz waren eine erste grosse Erlösung, Olympia-Bronze nun der Lohn für den Glauben und die Arbeit. Im entscheidenden Moment konnten der Pilot Vogt, sein Schwyzer Kantonskollege Aeberhard, der Luzerner Haas und der Aargauer Ndiaye ihr Potenzial optimal abrufen. Es ist ein wichtiges Signal – und auch Motivation für die kommenden vier Jahre. Olympia 2030 findet in La Plagne auf einer Bahn statt, die die Schweizer gut kennen und schätzen.
