Wie Christian Dubé seinen «Liebeskummer» überwand
Nach dem abrupten Ende bei Fribourg-Gottéron fällt Christian Dubé in ein tiefes Loch. Nun hat der 48-Jährige in Biel zurück zu seiner Leidenschaft gefunden und will die Seeländer ins Play-in führen.
Wer Christian Dubé an der Bande beobachtet, sieht, wie er seine Spieler anfeuert und dirigiert, auf der Taktiktafel akribisch die nächsten Spielzüge aufzeichnet und seinen Spielern geduldig Anweisungen gibt. Nach einem Einsatz klopft er ihnen motivierend auf den Helm oder die Schulter. Wer das sieht, der kann nur zum Schluss kommen, dass Christian Dubé mit grosser Leidenschaft Eishockeytrainer ist.
Doch es ist noch gar nicht lange her, da war der 48-Jährige regelrecht angeekelt von seinem Sport, in den er sich einst in der kanadischen Provinz Québec verliebt hatte. Eishockey hatte Dubé sein ganzes Leben lang begleitet. In kanadischen Juniorenligen, im Nachwuchs des HC Martigny, wo er als 14-Jähriger erstmals seine Schlittschuhe in der Schweiz schnürte, später, als er in Lugano, Bern und bei Fribourg zu einem der spektakulärsten Spieler auf hiesigem Eis wurde, oder dann auch nach dem Wechsel an die Bande.
Stream statt Eishalle
Doch im Mai 2024 hat Dubé genug. Genug vom Eishockey, genug von Eishallen, genug von allem, was sein Leben so lange geprägt hat. Damals muss er Fribourg-Gottéron verlassen. Den Verein, von dem er über 14 Jahre lang ein Teil gewesen ist, erst als Spieler, dann als Sportchef und Trainer. Es ist eine Entlassung, die Dubé hart trifft. Ihm fällt es schwer, die Massnahme der Verantwortlichen zu akzeptieren. Schliesslich hatte er mit Gottéron mehrmals die Playoff-Halbfinals erreicht und die Qualifikation zuletzt auf Rang 2 abgeschlossen.
«Das erste Jahr ohne Job war sehr hart für mich», sagt Dubé im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er erzählt, wie er sich zurückgezogen und die meiste Zeit zuhause verbracht habe. Nicht einmal für die Spiele seiner beiden Söhne Sky und Liam, die beide im Nachwuchs von Gottéron engagiert sind, pilgert er in die Fribourger Patinoire. Stattdessen gibt er sich mit einem Stream auf dem Laptop zufrieden.
In gewisser Weise, sagt Dubé, habe er nach dem Ende in Fribourg so etwas wie Liebeskummer gespürt. Schliesslich hatte eine langjährige Beziehung für ihn abrupt und unerwartet geendet. «Ich musste erst herausfinden, wo ich bin und wo ich als Mensch sein will», sagt er. Als Dubé dann im vergangenen August seine Söhne, die mittlerweile bei Davos Unterschlupf gefunden hatten, ins Bündnerland an ein Spiel begleitet, spürt er, dass er wieder bereit ist. Dass er gerne wieder mit einer Mannschaft arbeiten würde.
Zwei emotionale Dickköpfe
Im Herbst hat er dann zwar mit einigen Teams losen Kontakt, ein Engagement ergibt sich daraus aber nicht. Erst als mit Martin Steinegger im Januar ein alter Bekannter auf der anderen Seite der Leitung ist, ändert sich die Situation schnell. Und Dubé ist «back in the business», wie er es nennt.
Steinegger ist der Sportchef des EHC Biel, und als er einen Nachfolger für den Schweden Martin Filander sucht, denkt er bald einmal an seinen alten Weggefährten. Beim SC Bern feierten die beiden zusammen zwei Meistertitel, und auch als Dubé bei Gottéron die Rolle des Sportchefs innehatte, tauschten sie sich regelmässig aus. Insofern überrascht es nicht, war Dubé auf Steineggers Kandidatenliste zuoberst.
«Er vertraut mir, und er weiss, wie ich funktioniere», sagt Dubé. «Wir sehen Hockey ähnlich, und wir sind beide emotional und eher dickköpfig.» Dubé lacht. Es ist offensichtlich, dass er es geniesst, zurück im Hockeygeschäft zu sein. Obwohl die Aufgabe, die er in Biel vorfindet, nicht die einfachste ist. Dubé soll die Seeländer in den letzten fünf Runden der Qualifikation der National League auf die Play-in-Plätze führen. Wobei: Der Kanadier ist auf bestem Weg dazu, diese Mission zu erfüllen. Zehn Zähler hat der EHCB in den sechs Spielen unter Dubé gesammelt und mit einer Ausnahme in jeder Partie gepunktet.
Nach dem 4:3-Erfolg im Penaltyschiessen am Dienstag in Lugano beträgt der Rückstand auf die Kantonsrivalen Bern (9.) und Langnau (10.) noch vier respektive drei Punkte. «Ich bin sehr zufrieden mit den Jungs», sagt Dubé und erinnert daran, dass er bis zur dreiwöchigen Olympia-Pause gar nicht wirklich Zeit gehabt habe, dem Team seine Ideen zu vermitteln und in den Trainings zu üben.
«Das Alter ist kein Faktor»
Dubé möchte eine Mannschaft sehen, die viel in Puckbesitz und offensiv kreativ ist. «Wir haben viele kreative Spieler, und ich möchte, dass sie ihre Freiheiten nutzen und Spass haben auf dem Eis.» Ihm schwebt eine Spielphilosophie vor, wie er sie auch bei Fribourg installiert hatte. Entsprechend ist ihm auch die Förderung junger Spieler ein zentrales Anliegen. Niklas Blessing (19), Mark Sever (21) und Jonah Neuenschwander (16) sind nur drei Beispiele für die Umsetzung dieses Vorhabens. «Das Alter ist kein Faktor. Wenn du gut bist, wirst du auch viele Minuten bekommen», sagt Dubé.
Er weiss, dass in dieser Saison auch schon Stimmen laut wurden, welche die Produktivität der ausländischen Spieler anprangerten. Auch Harri Säteri, der finnische Olympiasieger im Tor, geriet mit seiner Fangquote in die Kritik. Dubé will aber keine Diskussionen aufwärmen, die vor seiner Zeit in Biel stattgefunden haben. «Ich weiss, dass ihr in der Schweiz immer auf die Importspieler fokussiert seid», sagt er. «Aber es geht nicht nur um sie. Die ganze Mannschaft muss besser sein, damit wir es ins Play-in schaffen.»
Dubé hat in Biel einen Vertrag bis Ende der kommenden Saison unterschrieben. Er kann sich aber gut vorstellen, lange im Seeland zu bleiben. Vieles erinnert ihn an seine alte Liebe Fribourg. Die Zweisprachigkeit, die Philosophie, das Stadion, die Fans. Er sagt: «Ich fühle mich zu Hause.»
