Odermatt nach Schweizer Dreifachsieg mit einer Hand an der Kugel
Sport
28. Februar 2026

Odermatt nach Schweizer Dreifachsieg mit einer Hand an der Kugel

Die Schweizer Abfahrer dominieren im Weltcup weiter. In Garmisch stehen sie gleich zu dritt auf dem Podest. Marco Odermatt feiert seinen 54. Weltcup-Sieg vor Alexis Monney und Stefan Rogentin.

Zweimal in Folge verpasste Marco Odermatt zuletzt das Abfahrtspodest, nachdem er zuvor achtmal auf selbigem gestanden hatte. In Crans-Montana fehlten ihm beim letzten Rennen vor den Olympischen Spielen neun Hundertstel zu Platz 3. In Bormio trennten ihn zwei Zehntel von einer Olympiamedaille.

Nun, nach dem grossen Höhepunkt der Saison, hat Odermatt die Hundertstel wieder auf seiner Seite. Während andere die Spannung bei frühlingshaften Bedingungen in Garmisch nicht so ganz aufbringen konnten, zeigte der Nidwaldner sein ganzes Können. Er lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Teamkollege Alexis Monney. Bis Rennhälfte legte der Freiburger vor, in den letzten beiden Abschnitten büsste er jedoch eine halbe Sekunde auf Odermatt ein, der im Ziel die Nase um die Winzigkeit von vier Hundertsteln vorne hatte.

Nur noch Stenmark und Hirscher vor sich

Odermatt bezeichnet den Sieg gegenüber SRF als «Revanche für die letzten beiden Abfahrten», in denen er jeweils Vierter wurde. Der Weltmeister von 2023 lobte die Piste, die trotz hoher Temperaturen «richtig gut gehalten» habe. «Cool, konnten wir in Garmisch mal wieder eine Abfahrt fahren.»

Auf der oft unterschätzten, aber anspruchsvollen Kandahar-Piste triumphierte der 28-Jährige zum ersten Mal in der Königsdisziplin. Mit seinem 54. Weltcupsieg zog Odermatt mit Hermann Maier gleich und kletterte er in der ewigen Bestenliste auf Platz 3. Nur Ingemar Stenmark (86) und Marcel Hirscher (67) haben mehr Siege auf dem Konto. Gleichzeitig dürfte Odermatt im Kampf um die kleine Kristallkugel gegenüber Franjo von Allmen entscheidend vorgelegt haben. Er führt bei noch zwei ausstehenden Rennen mit 175 Punkten Vorsprung und wird mit grosser Wahrscheinlichkeit zum dritten Mal in Folge die Disziplinenwertung gewinnen.

Von Allmen gehörte für einmal zu den Geschlagenen. Der dreifache Olympiasieger musste sich im ersten Rennen nach den Winterspielen und bei seiner ersten rennmässigen Abfahrt in Garmisch nach einer fehlerhaften Fahrt mit Platz 6 begnügen.

Genugtuung für Monney und Rogentin

In die Bresche sprangen andere. Der bereits erwähnte Monney und Stefan Rogentin rehabilitierten sich für enttäuschende Olympische Spiele und stiegen zum ersten Mal in dieser Saison auf ein Abfahrtspodest. «Seit Anfang Saison war ich immer nahe dran, hatte aber immer kleine Fehler drin. Jetzt hat es mit einer soliden Fahrt gereicht», sagte Monney. Während sein Top-Resultat eine Frage der Zeit war, zeichnete sich Rogentins Spitzenplatzierung nicht ab. «In der Abfahrt ist es nach Gröden richtig ‚zäch‘ geworden. Ich wusste manchmal auch nicht, warum und weshalb. Dass es heute geklappt hat, tut schon gut», so der 31-Jährige, der beinahe eine Sekunde auf Sieger Odermatt einbüsste.

Dass gleich drei Schweizer auf dem Podest stehen, ist selbst für das erfolgsverwöhnte Team von Swiss-Ski nicht alltäglich. In der letzten Saison war dies dreimal der Fall, in diesem Winter schafften die Schweizer das Kunststück zum zweiten Mal, nachdem sie bereits im Riesenslalom in Val d’Isère sämtliche Podestplätze belegt haben.

Freud und Leid bei den Ski-Grossmächten

Die Schweizer stellten ihre Vormachtstellung in der Abfahrt eindrücklich unter Beweis. In der 21. Weltcup-Abfahrt in Folge stand mindestens ein Athlet von Swiss-Ski auf dem Podest. Zur Rekordmarke der Österreicher fehlt jedoch noch ein ganzes Stück. Die Männer des ÖSV standen zwischen 2002 und 2006 in 33 aufeinanderfolgenden Abfahrten auf dem Podium.

Von solchen Marken sind unsere östlichen Nachbarn momentan jedoch meilenweit entfernt. Seit nun 23 Rennen wartet der ÖSV auf einen Abfahrtssieg. Eine längere Durststrecke gab es für die Ski-Grossmacht noch nie.