Odermatt verschenkt die Riesenslalom-Kugel – wie vor fünf Jahren
Sport
24. März 2026

Odermatt verschenkt die Riesenslalom-Kugel – wie vor fünf Jahren

Vor dem Riesenslalom in Kranjska Gora deutete wenig darauf hin, dass der Kampf um die kleine Kristallkugel noch einmal spannend werden würde. 103 Punkte Vorsprung hatte Odermatt bei zwei ausstehenden Rennen. Eine Reserve, die sich der Dominator der vergangenen Jahre nicht mehr nehmen lassen würde – da waren sich im Grunde alle einig. Zu konstant war der vierfache Kugelgewinner in dieser Disziplin.

Doch während Odermatt in Slowenien «nur» Fünfter wurde, liess sich sein Verfolger Pinheiro Braathen 100 Punkte für den Sieg gutschreiben, was den Vorsprung Odermatts auf 48 Zähler schmelzen liess. Eigentlich immer noch ein komfortables Polster. Ein 3. Platz beim Saisonfinale hätte dem Nidwaldner in jedem Fall gereicht zum Sieg in der Disziplinenwertung. Doch der 28-Jährige schied bereits im ersten Lauf aus.

Ein «zu aggressiver» Auftritt

Bei garstigen Verhältnissen mit leichtem Regen und Wind eröffnete Odermatt das Rennen und nahm viel Risiko. Zu viel, wie sich kurz nach der ersten Zwischenzeit zeigte. Er hob über eine Welle ab, verlor viel Tempo und rutschte wenig später auf dem Innenski weg. «Ich bin gut gestartet, hatte ein gutes Gefühl», sagte Odermatt im Interview mit SRF. Vom Mindset her habe er die Startnummer 1 ausnutzen wollen, was ihm in Kranjska Gora nicht gelungen sei. «Im Nachhinein bin ich etwas zu aggressiv über die Wellen gefahren.»

Die Ausgangslage habe für ihn keine Rolle gespielt. «Ich wollte mit einem guten Rennen abschliessen und um den Sieg mitfahren, nicht Punkte zusammenzählen und dann bei einem Fehler von Lucas womöglich mit einem sechsten oder siebten Platz und einem schlechten Gefühl die Kugel gewinnen.» Er habe den Disziplinensieg aus eigener Kraft bewerkstelligen wollen. «Und das schafft man mit Siegen und nicht, indem man ‚abehöselet‘.»

Als Pinturault der Spielverderber war

Top oder flop also – im Falle von Odermatt war es ein teurer Ausfall. Statt als erster Skifahrer zum dritten Mal in Folge vier Kugeln in einer Saison zu gewinnen, reist er mit «nur» dreimal Kristall aus Lillehammer ab. Es ist ein bitterer Abschluss, der jenem von 2021 ähnelt.

Bereits vor fünf Jahren reiste Odermatt als Führender in der Disziplinenwertung an das Saisonfinale. Damals verspielte er in Lenzerheide einen Vorsprung von 25 Punkten auf Alexis Pinturault, der das Rennen gewann, während Odermatt nur Elfter wurde. Für den Franzosen endete nun in Hafjell nach 356 Weltcup-Rennen und 34 Siegen eine glanzvolle Karriere.

Das «gewisse Etwas», das fehlt

So weit ist Marco Odermatt noch lange nicht, auch wenn sich der beste Skifahrer der vergangenen Jahre Gedanken zur Zukunft macht. Zum wiederholten Mal äusserte er sich dahingehend, dass sich sein Fokus in der jüngeren Vergangenheit mehr Richtung Speed verschoben habe und künftig weiter verschieben werde.

«Der Riesenslalom war lange meine Hauptdisziplin. In dieser Saison habe ich den Hauptfokus auf die Abfahrt gelegt, wo ich vier Rennen gewinnen konnte.» Vor zwei, drei Jahren sei dies noch umgekehrt gewesen. «Vielleicht ist dies das gewisse Etwas, das nun ein bisschen gefehlt hat.» Im kommenden Winter mit der Heim-WM in Crans-Montana habe er den Riesenslalom schon noch im Kopf. «Ich bin auch noch gut genug, um um die Kugel mitzufahren. Aber danach ist es vielleicht schon irgendwann fertig.»