Mikaela Shiffrin gewinnt zum sechsten Mal den Gesamtweltcup
Im Gesamtweltcup hatte Shiffrin zuletzt Lara Gut-Behrami (2024) und Federica Brignone (2025) den Vortritt lassen müssen. Nun stemmte die Amerikanerin neun Jahre nach ihrem ersten Coup als damals 22-Jährige die grosse Glaskugel zum bereits sechsten Mal in die Höhe. Sechs Siege im Gesamtweltcup bei den Frauen hatte zuvor nur Österreichs Sportlerin des Jahrhunderts, Annemarie Moser-Pröll, geschafft.
Spannung bis (fast) zum Schluss
Shiffrins neuerlicher Erfolg hing jedoch bis zuletzt in der Schwebe. Nach dem ersten Lauf des Riesenslaloms in Hafjell, dem letzten von 37 Rennen in dieser Saison, war sie ausserhalb der Punkteränge klassiert. Ihre erste Verfolgerin Emma Aicher, die 85 Punkte aufholen musste, war bei Halbzeit Dritte mit nur 0,26 Sekunden Rückstand auf Platz 1. Ein Sieg der Deutschen und ein «Nuller» der Amerikanerin, und die Kugel wäre Shiffrin doch noch entglitten.
«Emmas erster Lauf war unglaublich. Sie kam mit den Bedingungen mühelos zurecht und hat gezeigt, dass sie dieses Rennen gewinnen könnte. Ich war ein wenig nervös», sagte Shiffrin gegenüber SRF. In der Entscheidung drehte die 31-Jährige jedoch auf und schaffte sie den Kugelgewinn schliesslich aus eigener Kraft, indem sie sechs Plätze gut machte und so die nötigen Punkte holte. Aicher fiel nach einem grossen Fehler im zweiten Lauf gar noch hinter Shiffrin zurück.
Erst Konfusion, dann pure Freude
In den Armen ihres Verlobten Aleksander Kilde liess Shiffrin ihren Emotionen freien Lauf, dann sank sie in den Schnee und schlug die Hände ungläubig vors Gesicht. «Es war ein seltsamer Moment. Meine Teammitglieder haben gesagt: ‚Das war’s, du hast die Kugel.‘ Ich sagte: ‚Nein, noch nicht.‘ Und sie so: ‚Doch.’» Es sei sehr emotional gewesen. «Das waren meine ersten Tränen seit Olympia. Ich bin so dankbar.»
Für den neuerlichen Coup benötigte Shiffrin eine fast perfekte Saison in ihrer Paradedisziplin, um die im Saisonfinish noch einmal aufdrehende Allrounderin Aicher in Schach zu halten. 980 von 1000 möglichen Punkten wanderten durch den Slalom auf ihr Konto und damit mehr als zwei Drittel ihrer gesamten Ausbeute. Aus einer anderen Disziplin kam lediglich ein Podestplatz dazu. In Spindleruv Mlyn wurde Shiffrin im Riesenslalom Dritte. Aicher hingegen stand in Abfahrt, Super-G und Slalom auf dem Podest.
Die Fortsetzung eines packenden Duells
Bei den Interviews im Ziel zeigte sich die unterlegene Aicher gewohnt lässig. «Der eine Fehler heute war halt dumm, aber der Riesenslalom geht auch in die richtige Richtung. Ich kann mit einem guten Gefühl jetzt einmal Pause machen», sagte der Shootingstar im ORF. «Shiffrin hat verdient gewonnen. Jetzt kann ich ja weiterarbeiten und hoffentlich kann ich sie nächste Saison von Anfang an ein bisschen nerven,» so Aicher weiter.
