EU-Kommission nimmt Snapchat und Pornoseiten ins Visier
Bei Snapchat hat die EU-Kommission den Verdacht, dass insbesondere junge Kinder nicht ausreichend an der Nutzung der Plattform gehindert werden. Die Behörde leitet daher ein Verfahren gegen das US-Unternehmen ein, wie sie am Donnerstag mitteilte. In der Multimedia-Messaging-App seien die Kinder unter anderem unangemessenen Kontaktversuchen durch Erwachsene (Cybergrooming) sowie der Werbung für Alkohol und Drogen ausgesetzt.
Bei vier Pornoseiten ist die Kommission bereits einen Schritt weiter: Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos verstossen nach vorläufiger Einschätzung gegen EU-Recht. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen ihnen Geldstrafen von jeweils bis zu 6 Prozent des jährlichen Konzernumsatzes.
Beim Messenger-Dienst Snapchat beginnt die genaue Prüfung dagegen nun erst. Wer sich bei Snapchat anmeldet, muss sein Geburtsdatum angeben. Die Nutzungsbedingungen schreiben vor, dass man mindestens 13 Jahre alt sein muss. Für Teenager bis einschliesslich 17 Jahren gibt es besondere Einstellungen.
Die EU-Kommission vermutet, dass diese Massnahmen nicht ausreichen: Das eigene Alter – ohne Überprüfung – anzugeben, hindere Kinder nicht daran, Snapchat zu nutzen.
Risiko durch Erwachsene
Eine Gefahr sieht die Behörde umgekehrt auch darin, dass sich Erwachsene einfach als Jugendliche ausgeben könnten. Als vermeintlich Gleichaltrige könnten sie sich leichter das Vertrauen erschleichen und Jugendliche etwa dazu bringen, ihnen sexuelle Bilder und Videos zu schicken.
Auf Snapchat gebe es zudem Informationen etwa zu Drogen oder dem Kauf von altersbeschränkten Produkten wie Vapes und Alkohol, und Snapchat-Nutzer würden versuchen, Jugendliche für kriminelle Aktivitäten anzuwerben.
Die EU-Kommission untersucht den Fall nun genauer. Eine Snapchat-Sprecherin kündigte an, wie bisher transparent mit der Kommission zusammenzuarbeiten.
Pornoseiten sollen Jugendliche ausschliessen
Im Fall von vier Pornoseiten hat sich der erste Verdacht der EU-Kommission dagegen schon erhärtet. Pornhub, Stripchat, XNXX und XVideos hindern Jugendliche demnach nicht ausreichend daran, auf ihre Inhalte zuzugreifen. Die Plattformen gäben zwar an, dass ihre Dienste nur für Erwachsene bestimmt seien. Jeder könne aber durch einen einfachen Klick angeben, über 18 Jahre zu sein und so Zugriff erhalten, kritisiert die Kommission. Das sei nicht ausreichend.
Die vier Pornoseiten haben nun die Möglichkeit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen. Sie könnten auch Änderungen vornehmen, um die Bedenken der EU auszuräumen. Die EU-Kommission hatte gegen sie seit Ende Mai 2025 ermittelt.
Sollte keine einvernehmliche Lösung gefunden werden, könnte es für sie teuer werden: Die EU-Kommission könnte eine Strafe von bis zu sechs Prozent des jährlichen Konzernumsatzes verhängen.
