Nina Brunner und Tanja Hüberli vor ihrem Comeback
Sport
9. April 2026

Nina Brunner und Tanja Hüberli vor ihrem Comeback

Der Anruf kommt überraschend. Überraschend früh vor allem. Nina Brunner lotet bei Tanja Hüberli aus, ob ein gemeinsames Comeback möglich wäre. Eine Woche Bedenkzeit gibt sich die Schwyzerin, dann sagt sie ihrer langjährigen Partnerin zu. Das Innerschweizer Traumduo ist damit zurück im Sand.

Die Erinnerungen an die gemeinsamen Erfolge sind zu schön, um sie nicht noch einmal erleben zu wollen. Unvergessen sind die Auftritte vor dem funkelnden Eiffelturm, die im August 2024 mit der olympischen Bronzemedaille gekrönt werden. Danach wird Brunner erstmals Mutter und gibt ihren Rücktritt – temporär, wie sich dann zeigt.

Der Ehrgeiz ist wieder da

«Ich hatte nie das Gefühl, dass ich keinesfalls zurückkehren will», stellt die 30-jährige Zugerin nun fest. «Nach der Geburt meiner Tochter genoss ich jedoch zunächst das Familienleben.» Den Sport habe sie zunächst überhaupt nicht vermisst. «Nach einigen Monaten änderte sich das: In mir erwachte der Ehrgeiz, es wieder zurück auf die Tour zu schaffen.» Klar, dass ihre langjährige Partnerin, mit der sie acht Jahre zusammengespielt und neben Olympia-Bronze auch zwei EM-Titel gewonnen hatte, da die erste Wahl ist.

Diese wird vor allem vom frühen Zeitpunkt der Anfrage überrascht und in ein kleines moralisches Dilemma gestürzt. «Ich hatte nie das Gefühl, nicht mehr mit Nina spielen zu wollen», sagt Hüberli. Es sei jedoch nicht einfach gewesen, ihrer neuen Partnerin Leona Kernen nach nur einer Saison wieder einen Korb zu geben. Sie weiss aber auch: «Nina ist nicht für Schnellschüsse bekannt, sondern trifft ihre Entscheide sehr sorgfältig.»

Hüberli bei 90 Prozent

Wunderdinge dürfen von den beiden nicht gleich zum Auftakt erwartet werden. Brunner muss sich nach der Babypause erst wieder in Topform bringen, und die drei Jahre ältere Hüberli kommt von einer Fussverletzung zurück, die sich als lästiger herausstellte als gedacht. «Die Rehabilitation dauerte länger als erwartet», gibt die Schwyzerin zu. «Viele Trainings absolvierte ich im Sitzen, auf Dauer macht das wenig Spass. Es brauchte lange, bis ich meinen Fuss in den Trainings im Sand wieder belasten konnte.» Nun beziffert sie ihren Fitnessstand aber wieder bei 90 Prozent.

Mehr Freude daran, sich wieder in Form zu bringen, hatte Nina Brunner. «Es machte mir Spass, im Kraftraum zu schuften und meinen Körper Schritt für Schritt an höhere Belastungen heranzuführen», erzählt sie. «Auch die Trainings im Sand fühlten sich relativ früh sehr gut an.»

Der erste Härtetest erfolgt nun diese Woche beim Elite16-Turnier in Saquaruema, wo mit den Geschwistern Anouk und Zoé Vergé-Dépré sowie Hüberlis letztjähriger Partnerin Leona Kernen und Joana Mäder zwei weitere Schweizer Frauenduos am Start stehen. Die ersten Gruppenspiele stehen am Donnerstagabend an. Man weile seit ein paar Tagen in Brasilien, habe den Jetlag überwunden und sich an die hohen Temperaturen gewöhnt, meldet Hüberli Anfang Woche. «Nun freuen wir uns, dass es endlich losgeht.»

Neues Team-Mitglied namens Mila

Auch das zusätzliche Team-Mitglied, Brunners Töchterchen, bereitet viel Freude. «Ich mag Kinder und freue mich, wenn Mila an den Turnieren dabei ist», sagt die ausgebildete Primarlehrerin Hüberli. «Die neue Situation bringt auch frischen Wind.» Während der Turniere soll der Fokus jedoch voll auf dem Sport liegen. Dafür sorgt auch ein unterstützendes Umfeld mit einem Ehemann, dem langjährigen Eishockeyprofi Damien Brunner, der die Bedürfnisse im Spitzensport bestens kennt.

Die Voraussetzungen sind also viel versprechend. Auch wenn die Bäume wohl nicht gleich wieder in den Himmel wachsen werden, die Ziele von Brunner/Hüberli sind hoch gesteckt. Langfristig stehen die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles im Fokus. «Auf dem Weg dorthin gibt es jedoch viele weitere grosse Ziele», betont Brunner. «Es wäre schön, nochmals Europameisterinnen zu werden. Und an unserem Lieblingsturnier in Gstaad ist uns der ganz grosse Wurf bisher noch nicht gelungen.»