Gemischte Gefühle in Genf nach Halbfinal-Ausscheiden
Sport
14. April 2026

Gemischte Gefühle in Genf nach Halbfinal-Ausscheiden

«Am Anfang der Saison hätten wir den Halbfinal genommen», sagt Gautschi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Die Liga ist so ausgeglichen, nur schon in die Top 6 zu kommen, ist extrem schwierig. Es gab wieder grosse Teams, die das nicht geschafft haben.»

Der 43-Jährige hängt allerdings ein Aber an: «Ich denke nicht, dass Fribourg exzellent war und etwas Spezielles gemacht hat. Vielmehr spielten wir nur 20, 30 Minuten pro Partie unser bestes Eishockey. Sie waren schneller als wir, nutzten unsere Fehler aus und Reto Berra (Fribourgs Goalie) war unglaublich stark. Wir haben es nicht verdient, in den Final zu kommen.»

Zu wenig ausgeglichen

Ein Faktor dafür, dass die Mannschaft nicht wie gewünscht auf Touren kam, war für Gautschi der Viertelfinal gegen Lausanne, in dem die Genfer im sechsten Spiel auswärts ein 0:3 drehten und eine siebte Partie erzwangen, die sie 5:1 gewannen. «Das war eine unglaubliche Serie fürs Schweizer Eishockey. Danach waren die Emotionen extrem hoch, uns fehlte die Energie.»

Zudem hängt bei Servette vieles von der finnischen Sturmlinie mit Jesse Puljujärvi, Markus Granlund und Sakari Manninen ab. Letztere beiden verzeichneten in den fünf Halbfinalspielen bloss je zwei Skorerpunkte. Zur fehlenden Ausgeglichenheit im Team sagt Gautschi: «Es ist einfacher für mich, einen NHL-Spieler zu verpflichten als einen Schweizer Nationalspieler aus der Deutschschweiz.»

Ausserdem war der von den SCL Tigers zurückgeholte Goalie Stéphane Charlin nicht der erhoffte Rückhalt. Im Halbfinal verzeichnete er lediglich eine Abwehrquote von 88,89 Prozent, insgesamt in den Playoffs waren es 89,93 Prozent. Beim 2:6 am Sonntag setzte Trainer Ville Peltonen gar auf Robert Mayer, der alles andere als eine gute Figur machte. Auf die Torhüter angesprochen, sagt Gautschi: «Wir müssen defensiv sauberer agieren. Mit Verteidigern wie Karrer oder Le Coultre musst du hinten besser spielen. Das haben wir nicht gemacht.»

Generationenwechsel vorgesehen

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Genfer in den vorangegangenen beiden Saisons die Playoffs verpasst haben. Es gelang also eine enorme Steigerung. «Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen, wollten zurück zu unserer DNA, ein schwereres Team mit etwas mehr Grit (Kombination aus Leidenschaft und Ausdauer – Red.) und mehr Charakter sein. Es lag in den letzten Jahren nie an der Qualität der Mannschaft, es lief einfach nicht. Nun zeigten wir wieder Kämpfercharakter, es war wieder mehr Leben drin, wir rückten enger mit unseren Fans zusammen. Wir sind auf dem richtigen Weg.»

Gemäss «Eliteprospects» stellte Servette mit einem Schnitt von 29,25 Jahren das älteste Team der Liga. Zwar stehen bisher erst ein Zuzug (Mika Henauer) und zwei Abgänge (Tim Berni, Eric Schneller) fest, «es haben aber schon Spieler unterschrieben, die wir ankündigen werde und die im besten Eishockeyalter sind. Auch gibt es viele Teams, die nicht zufrieden sind mit der Saison, es wird in den nächsten Tagen und Wochen einige Transfertelefonate geben.»

Trades? «Genau. Die Verträge werden immer länger, da müssen die Spieler auch mit Trades rechnen.» Zudem gibt es bei Servette vielversprechende Talente, die nachrücken könnten, wie das in dieser Saison beim 18-jährigen Simas Ignatavicius der Fall war. «Es wird einen Generationenwechsel geben», sagt Gautschi. Und dann soll es mit dem Final auch wieder klappen – mit dem neuen Trainer Sam Hallam, zuletzt Headcoach der schwedischen Nationalmannschaft.