Die Frauen-Nati lässt ihren Trainer schwärmen und verzweifeln
Sport
15. April 2026

Die Frauen-Nati lässt ihren Trainer schwärmen und verzweifeln

Einfache Abspielfehler, falsche Entscheide im letzten Drittel, schwache Restverteidigung: Die erste Halbzeit der Partie gegen die Türkei verlief nicht nach dem Gusto von Rafel Navarro. «Nein, mit der ersten Halbzeit war ich nicht zufrieden», sagte der Trainer nach der Partie. Nicht nur die Defensive habe Fehler begangen, auch die Offensivspielerinnen hätten zu viele Bälle verloren.

Während Doppeltorschützin Aurélie Csillag sagte, der Trainer habe in der Pause auf den Tisch gehauen und sei lauter geworden, betonte dieser, er habe versucht, positiv zu bleiben. Schliesslich hätten alle gewusst, dass es schlechte 45 Minuten gewesen seien.

Schertenleibs Leaderqualitäten

So oder so: Navarro hat augenscheinlich den richtigen Ton getroffen. Im zweiten Durchgang ging ein Ruck durch das Team. Sinnbildlich dafür waren die Auftritte von Iman Beney, Aurélie Csillag und Sydney Schertenleib. Beney legte den Führungstreffer mustergültig vor, Csillag traf erstmals im Nati-Dress doppelt, Schertenleib glänzte als Spielmacherin und Antreiberin im Mittelfeld. Letztere wurde vom Trainer kurzerhand zur «Spielerin des Spiels» gewählt. «Sie will dem Team helfen, eine Leaderin sein. Heute war sie eine Leaderin.»

Schertenleib ist eine Spielerin, die wie gemacht ist für den Fussball, den Navarro spielen lassen will. Sie ist technisch versiert und hat eine hohe Spielintelligenz. Attribute, die sie in Barcelona, beim derzeit wohl besten Team Europas, viele Spielminuten sammeln lässt. «Im Verein habe ich eine andere Rolle als in der Nati, wo ich führen kann», sagt Schertenleib, die trotz ihrer erst 19 Jahre vorangeht.

Unter Navarro, mit dem sie schon in Barcelona zusammengearbeitet hat, blüht sie auf. Der 40-Jährige soll den Rohdiamanten schleifen, auch wenn er betont, dass Schertenleib «nicht die einzige talentierte Spielerin» in seinem Team sei, er nicht um sie herum eine Mannschaft aufbaue. «Sie muss nicht das Land oder das Team retten, sie ist noch jung und hat noch viel Zeit», betont er.

Navarros Fingerzeig

Dass die Schweiz über ein Team mit zahlreichen Talenten verfügt, ist unbestritten. Zu was die Auswahl fähig ist, zeigte sie am Dienstag in Ansätzen, etwa beim ersten Treffer. Nun gilt es, Konstanz in die Leistungen zu bringen. Navarro sieht sein Team diesbezüglich auf dem richtigen Weg. «Die zweite Halbzeit war besser, wir waren das Team, das gewinnen wollte», weshalb er mit der Leistung in den zweiten 45 Minuten zufrieden sei. «Manchmal ist es so, dass du gut startest und schlecht abschliesst, das lässt dich mit einem schlechteren Gefühl zurück.» Dieses Mal sei es anders gewesen, was ihn positiv stimme.

Doch Navarro wäre nicht Navarro, wenn er trotz drei Siegen aus drei Spielen in der WM-Qualifikation vollends zufrieden wäre. «Wir spielen von Tag zu Tag besser. Aber wir können es noch besser.»

Eine weitere Chance, ihren Trainer zufriedenzustellen, bietet sich den Schweizerinnen bereits am Samstag. In Sinop kann die SFV-Auswahl mit einem weiteren Sieg gegen die Türkei und je nach Ausgang in der Partie zwischen Malta und Nordirland bereits den Gruppensieg klar machen, der den Weg an die Endrunde in Brasilien zumindest in der ersten Playoff-Runde erleichtern würde.

Klar ist, dass Navarro den Finger bis dahin in die Wunden legen wird. Schliesslich will er sich die Laune nicht verderben lassen. Weder von einfachen Abspielfehlern, noch von falschen Entscheiden im letzten Drittel oder einer schwachen Restverteidigung.