Zweite Verhandlungsrunde zwischen Iran und USA weiter offen
Für Spannungen sorgt vor allem die Seeblockade der USA in der Strasse von Hormus, wo die US-Marine am Sonntag einen iranischen Frachter angegriffen und unter ihre Kontrolle gebracht hatte.
Pakistans Innenminister Mohsin Naqvi empfing unterdessen bei zwei verschiedenen Treffen diplomatische Vertreter aus dem Iran und den USA. Dabei sei unter anderem über die Sicherheit in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad vor einer möglichen zweiten Verhandlungsrunde gesprochen worden, hiess es in einer Mitteilung.
«Wir beten für den Erfolg der zweiten Verhandlungsrunde in Islamabad», sagte Naqvi demnach bei einem Treffen mit der Geschäftsträgerin der US-Botschaft, Natalie A. Baker. Bei einem Gespräch mit dem iranischen Botschafter Resa Amiri Moghadam betonte der Minister die «Notwendigkeit einer nachhaltigen Lösung auf diplomatischem und verhandlungstechnischem Wege», wie es in der Mitteilung hiess.
Iran hat über Verhandlungen noch nicht entschieden
Der Iran hat eigenen Angaben zufolge noch keine Entscheidung über weitere Verhandlungen mit den USA getroffen, sagte Aussenamtssprecher Ismail Baghai in Teheran. Eine weitere Verhandlungsrunde sei aktuell nicht geplant. Baghai wies darauf hin, dass Pakistans Armeechef Asim Munir vor wenigen Tagen bei einem Besuch in Teheran einen neuen US-Vorschlag überbracht habe. «Dieser wird derzeit geprüft», sagte der Sprecher. «Unter Berücksichtigung der Interessen Irans werden wir die notwendige Entscheidung darüber treffen, wie wir weiter vorgehen».
Teheran hatte ein weiteres Treffen mit US-Vertretern zuletzt unter Verweis auf übertriebene Forderungen der USA, deren ständige Kurswechsel und die fortgesetzte Seeblockade iranischer Häfen abgelehnt, wie die Staatsagentur Irna berichtete.
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor seine Bereitschaft zu neuen Verhandlungen angekündigt. Die USA böten der Führung in Teheran einen «sehr fairen und vernünftigen Deal» an, schrieb Trump auf Truth Social. Er hoffe, dass der Iran diesen annähme. «Wenn sie es nicht tun, werden die Vereinigten Staaten jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke im Iran ausschalten», drohte Trump.
US-Vertreter wollen nach Islamabad reisen
Seine Vertreter werden demnach am Abend in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad eintreffen. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus dem Weissen Haus, dass Vizepräsident JD Vance, der Sondergesandte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner dorthin reisen.
Das Nachbarland und die Atommacht Pakistan vermittelt zwischen Teheran und Washington. In Islamabad laufen seit Tagen Vorbereitungen für eine zweite Verhandlungsrunde. Vor gut einer Woche waren in Islamabad hochrangige Delegationen aus Washington und Teheran für Verhandlungen zusammengekommen. Die Gespräche endeten jedoch ohne Ergebnis.
China kritisiert US-Vorgehen in Strasse von Hormus
China kritisierte unterdessen das Vorgehen der USA in der Strasse von Hormus. «Wir sind besorgt über das gewaltsame Eingreifen der USA gegenüber betreffenden Schiffen», sagte Aussenamtssprecher Guo Jiakun in Peking. China hoffe, dass sich die jeweiligen Seiten verantwortungsvoll verhalten und an die Vereinbarung zur Waffenruhe halten würden, sagte er. China forderte, dass das «Fenster für Frieden» genutzt werden sollte. Zudem sollten Bedingungen für ein frühes Ende des Krieges geschaffen werden, sagte Sprecher Guo.
Ausser zwischen den USA und dem Iran gilt seit einigen Tagen auch eine Feuerpause im Krieg zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon. Im Süden des Landes griff Israels Armee eigenen Angaben zufolge trotz der Waffenruhe in der Nacht eine Raketenabschussrampe an. Diese sei feuerbereit und eine «direkte Bedrohung für die Ortschaften in Nordisrael» sowie für Soldaten gewesen, teilte das israelische Militär am Morgen mit. Die Armee werde sich weiterhin gegen Gefahren verteidigen und Sicherheit für israelische Zivilisten und Soldaten gewährleisten.
Waffenruhe im Libanon bleibt fragil
Laut der vom US-Aussenministerium veröffentlichten Waffenruhe-Vereinbarung zwischen Israel und dem Libanon darf Israel alle notwendigen Massnahmen zur Selbstverteidigung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe ergreifen. Israelische Soldaten sind weiterhin im Südlibanon stationiert. Das Land spricht von einer «Sicherheitszone», um Nordisrael vor Angriffen der Hisbollah zu schützen. Vertriebene Libanesen können derzeit nicht in die Gegend zurückkehren.
Die Hisbollah verkündete am Morgen, gepanzerte Fahrzeuge der israelischen Armee seien in der Nacht von Sprengsätzen getroffen worden, die die vom Iran unterstützte Miliz zu einem früheren Zeitpunkt in der Gegend platziert habe. Israels Armee erklärte auf Anfrage, sie gehe dem nach.
