Der Laden aus dem der Hut für Papst Franziskus‘ Beerdigung stammt
Eine Stola in Weinrot, über und über bestickt mit goldenen Ornamenten, daneben ein von Perlen und dunklen Steinen besetzter Bischofshut mit schwungvollen, silbernen Ranken: Wer am Schaufenster des wenige Schritte vom Vatikan entfernten «Agorà Atelier» vorbei spaziert, sieht vor allem ein Glitzern und Glänzen.
«Wir machen nichts, das einfach nur schön oder glänzend aussieht», erklärt Leonardo Cardoza der Nachrichtenagentur Keystone-SDA in Rom. «Kein Strich und keine Blüte ist zufällig.» Alles sei wohlüberlegt und gründe auf einem theologischen Fundament, sagt der junge Mann mit dem wachen Blick.
Er habe sich während langer Zeit mit sakraler Kunst auseinandergesetzt, erzählt Cardoza, habe dieses Teilgebiet der Kunstgeschichte studiert. Deshalb sei er in diesem Atelier genau am richtigen Ort.
Die Hauptkundschaft besteht laut Cardoza aus Priestern. Aber auch hochrangige Geistliche wie Bischöfe würden bei ihnen ein liturgisches Gewand wie die Stola oder die Kasel – für die Messe – in Auftrag geben. Für die Kardinäle fertigten sie beispielsweise auf Mass den Hut, der nur von Personen in ihrem Rang getragen werden darf.
Aussergewöhnliche Bestellung
«Ein sehr wichtiger Kunde ist für uns natürlich der Heilige Vater», sagt Cardoza mit Stolz in der Stimme. Nach der aussergewöhnlichsten Bestellung gefragt, nennt er die Mitra – die liturgische Kopfbedeckung – für die Bestattung von Papst Franziskus. Diese «Bischofskrone» trägt auch der Papst, denn er gilt als Bischof von Rom. Bei ihm würden einfach andere Komponenten hinzugefügt, beispielsweise Edelsteine.
Für welchen Anlass die Bischofskrone bestellt worden sei, hätten sie erst verstanden, als der Zeremonienmeister des Heiligen Stuhls das fertige Werk abgeholt habe. Dann sei klar geworden, dass es um die Vorbereitung für den Tod von Franziskus gegangen war. «Dieser Moment war sehr speziell.»
Die Zeremonienmeister des Papstes würden alles sehr früh vorbereiten, erzählt Cardoza weiter. Sie seien nie in Verzug. So sei auch die Bestellung der liturgischen Kopfbedeckung für die Bestattung viele Monate vor dem Tod von Franziskus beim «Agorà Atelier» eingegangen. «Aufträge des Heiligen Stuhls sind für uns allgemein keine Arbeit, sondern vielmehr eine Ehre», so Cardoza.
Arbeit verlangt viel Sorgfalt
Im Atelier werde alles nach Mass geschneidert, erzählt Cardoza weiter. Auch besondere Dinge würden bei ihnen hergestellt, und auf spezielle Wünsche nehmen man immer Rücksicht. «Jeder Priester hat einen anderen Geschmack in Bezug auf Farben und Stickereien.» In der Tat sieht man im hinteren Teil des Ateliers diverse eierschalenfarbige liturgische Gewänder – und jedes ist anders. Eines ist am Rand mit goldenem Faden eingefasst, ein anderes ist mit blütenartigen Stickereien in dunklem Silber verziert.
Normalerweise wird mit vier bis sechs Wochen für die Herstellung eines liturgischen Gewandes oder einer Kopfbedeckung gerechnet. In der Regel wird laut Cardoza zuerst ein Entwurf gefertigt, und erst nachdem der Priester oder Kardinal diesen gutgeheissen hat, geht es an die Arbeit am Stoff. «E un lavoroa accurato, un lavoro che si deve fare con calma» – «Diese Arbeit verlangt viel Sorgfalt und Ruhe», betont er.
