Aussenseiter werden unterschätzt und nutzen dies zum Coup
Ein Tag, zwei Schweizer Meister, die den Titel erstmals in der Vereinsgeschichte feierten. Im Superfinal am Samstag setzten sich der HC Rychenberg Winterthur bei den Männern und die Wizards Bern-Burgdorf bei den Frauen durch. Beide beendeten damit Serien ihrer Vorgänger.
Auf dem richtigen Weg
Bei den Frauen war die Übermacht der Kloten-Dietlikon Jets in den vergangenen Jahren riesig. Seit 2019 wurde kein anderes Team Meister. Doch in diesem Jahr sprach vieles für das Ende der Serie. Bern-Burgdorf gewann die Qualifikation, musste sich in der regulären Saison nur dreimal geschlagen geben, und verlor nie gegen die Zürcherinnen. Auch nicht im Superfinal.
Entsprechend kamen die Spielerinnen von Bern-Burgdorf aus dem Strahlen gar nicht mehr hinaus. Besonders auch, weil der Verein im Vergleich zu anderen Teams einen schwierigeren Weg einschlägt und gezielt junge Schweizerinnen fördert. «Diese Woche sind mir so viele Gedanken durch den Kopf. Wir hatten keine einzige Spielerin, die an die WM konnte, keine, die Weltmeisterin wurde. Wir haben aber einige, die hätten gehen können», sagte Captain Nadia Cattaneo nach dem Sieg. Dieser Erfolg sei nun auch eine Bestätigung dafür, dass das Team auf dem richtigen Weg sei.
Unterschätzt bis zuletzt
Cattaneo glaubt, so erklärt sie, dass ihr Team bis zuletzt unterschätzt wurde. «Jetzt konnten wir es allen Skeptikern zeigen. Das ist der Wahnsinn.» Und: Ausgerechnet Dana Misteli schoss ihr Team zum Sieg. Die 19-jährige Schweizerin, die Topskorerin ihres Teams. «Hätte mir jemand vor der Saison gesagt, dass wir Qualifikationssiegerinnen, Meisterinnen, und ich Topskorerin werden, hätte ich nichts davon geglaubt.»
Trainer Mirco Torri lobte Misteli nach der Partie, sagte, sie spiele eine Bomben-Saison. Und ohnehin sei es cool, mit den jungen Spielerinnen zu arbeiten. Das Wichtigste ist laut Torri das Vertrauen zwischen Staff und Team, das Alter spielt nicht zwingend eine Rolle. Und dieses Vertrauen sei da gewesen.
Winterthur Rychenberg entthront Zug
Weniger dominant als bei den Frauen, aber dennoch das beste Team der vergangenen Jahre bei den Männern, war Zug United. Die letzten beiden Meistertitel gingen nach Zug, die Qualifikation schloss das Team auf dem 2. Platz ab. Winterthur Rychenberg hingegen beendete die reguläre Spielzeit im 7. Rang.
«Wenn ich daran denke, wie viele vor uns schon probiert haben mit dem HCR Meister zu werden. Dass unsere Mannschaft das nun geschafft hat, das hätte ich zu Beginn der Saison nie geglaubt», sagte Captain Michel Wöcke mit der Goldmedaille um den Hals.
Tatsächlich waren die Zeichen für den ersten Meistertitel des HCR vor einigen Monaten nicht optimal gestanden. Ende Oktober 2025 verliess Trainer Samuel Eberle den Verein, wegen «stagnierender Entwicklung innerhalb der Mannschaft». Trainerlegende Philippe Soutter fand, so nannte er es selbst, eine verunsicherte Mannschaft vor, als er übernahm.
‚Dreck fressen‘ hat sich gelohnt
«Der wichtigste Grund von diesem Erfolg ist, dass wir eine solch harte reguläre Saison hatten und, dass so viele Spieler unten durch mussten», so Soutter. Die Mannschaft habe sich so zusammenreissen müssen, das sei einzigartig.
Noah Püntener, der im Final zwei der vier Tore schoss, stimmte seinem Trainer zu. «Solche Tiefs machen einen sicher stärker. Ich persönlich musste in dieser Saison viel ‚Dreck fressen‘ und bin unfassbar dankbar, hat Philippe übernommen.» Der Trainer habe ihm das Vertrauen bereits geschenkt, als er noch nicht die gewünschte Leistung abrufen konnte. «Umso schöner konnte ich das nun zurückzahlen.»
