Moderne Gebäude bei Sturm in La Chaux-de-Fonds besonders anfällig
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7. Mai 2026

Moderne Gebäude bei Sturm in La Chaux-de-Fonds besonders anfällig

Die Autoren der am Donnerstag veröffentlichten Studie sehen Hinweise darauf, dass zeitgenössische Dach- und Fassadenkonstruktionen gegenüber extremen Windereignissen anfälliger sein könnten als ältere Bauweisen.

Innerhalb weniger Minuten traf am 24. Juli 2023 kurz vor Mittag eine Gewitter-Superzelle die Uhrenstadt mit Windspitzen von bis zu 217 km/h. Eine Person in einem Auto wurde von einem umgestürzten Baukran erschlagen, rund 50 Personen wurden verletzt.

Insgesamt wurden laut dem Bericht 2769 Gebäude beschädigt – fast 39 Prozent des gesamten versicherten Gebäudebestands. Die Schadensumme belief sich auf mehr als 130 Millionen Franken. Es war das schwerste Elementarschadenereignis im Kanton Neuenburg seit Beginn der Statistik im Jahr 1930.

Besonders kritisch beurteilt die Analyse der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) die Auswirkungen sogenannter Trümmerschläge. Zahlreiche Dachziegel, Bleche und Fassadenteile wurden durch die extremen Böen abgerissen und als gefährliche Geschosse durch dicht bebaute Quartiere geschleudert. Dadurch entstanden Kettenreaktionen: Herumfliegende Gebäudeteile beschädigten weitere Dächer, Fenster und Fassaden teils massiv.

Dachziegel als Geschosse

Die Autoren warnen ausdrücklich vor der Gefahr ungenügend gesicherter Dachziegel. Gerade bei neueren Gebäuden hätten sich Dach- und Fassadenelemente teilweise grossflächig gelöst.

Die VKG empfiehlt deshalb, Dachziegel und andere Bauteile künftig stärker gegen Windsog zu sichern – etwa durch zusätzliche mechanische Befestigungen an exponierten Gebäudeteilen und an Dachrändern. Solche Massnahmen könnten verhindern, dass einzelne Gebäudeteile bei Sturm zu gefährlichen Flugobjekten werden.

Die Untersuchung zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen den Gebäudetypen. Landwirtschaftsbauten, Garagen und einfache Zweckbauten erwiesen sich vergleichsweise robust.

Dagegen registrierten die Versicherer bei modernen Wohn- und Dienstleistungsgebäuden überdurchschnittliche Schäden. Als mögliche Gründe nennt der Bericht grössere Fassadenflächen, leichtere Konstruktionen sowie empfindlichere Gebäudehüllen.

Neben technischen Schutzmassnahmen empfehlen die Autoren auch Anpassungen bei Bauvorschriften und Raumplanung. Extreme Windereignisse müssten künftig stärker berücksichtigt werden.