Neues Theaterfestival Play will Sprachhürden überwinden
Während dreier Tage (7.-10. Mai) kann das Publikum zusammen mit Theaterautorinnen, Regisseuren, Schauspielerinnen und jungen Theaterschaffenden aus der ganzen Schweiz entdecken, wie vielstimmig und unmittelbar aktuell das Theaterschaffen ist.
«Im Gegensatz zu Büchern kann das Theater deutlich schneller auf die Gegenwart reagieren», sagt die Festival-Co-Leiterin Philine Erni gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Doch Theater könne man nicht in Buchhandlungen kaufen; wer Stücke entdecken wolle, müsse sie sich anschauen. Die Möglichkeit dazu will Play bieten – «in geballter Form», so Erni.
Herzstück des Festivals ist ein Stückewettbewerb, der am Sonntag mit der Verleihung eines Jury- und eines Publikumspreises endet. Der Jurypreis ist mit 10’000 Franken dotiert, der Publikumspreis mit 5000 Franken. Nominiert sind acht Texte aus den letzten zwei Jahren auf Deutsch, Französisch oder Italienisch. Mit dabei sind Autorinnen und Autoren wie Sarah Calörtscher, Heinz Helle, Iris Keller oder Laura Leupi. Aus dem Tessin ist Prisca Agustoni dabei, aus der Romandie Lou Lepori.
Knapp halbstündige Kurzversionen ihrer Stücke sind am Freitag und am Samstag auf der Bühne des Theaters Neumarkt zu erleben. Dafür reisen Teams aus Theatern in der ganzen Schweiz an: neben dem Theater Neumarkt vom Luzerner Theater, vom Theater St. Gallen, vom Theater Basel, von den Bühnen Bern, vom Tessiner Ausbildungslabor Prismi/Luminanza, vom Théatre du Loup aus Genf als auch das Team «Das Archiv».
Viele der Wettbewerbseingaben seien «dezidiert mehrsprachig» gewesen, sagt Philine Erni. So zum Beispiel französisch- oder italienisch-deutsch, und auch türkisch-Mundart. Erni erkennt darin ein neues Selbstbewusstsein, dass nämlich auch in «vermeintlichen Minderheitssprachen» geschrieben werde und eine Auseinandersetzung damit stattfinde, dass «unsere Realität mehrsprachig ist», mit allen Hürden, Qualitäten und Missverständnissen, die auftreten können.
Mit Theaterkaraoke die Bühne erobern
Neben dem Stückewettbewerb bietet Play Formate für Profis und Veranstaltungen für das Publikum, von Panels bis Latenights. Am Samstagabend kann das Publikum gar die Bühne erobern mit einem Theaterkaraoke. Hier werden Top Hits des Theaters, von Sibylle Berg bis Dürrenmatt oder Tells Apfelschuss von Schiller, gemeinsam mit Ensemblemitgliedern vom Schauspielhaus Zürich gelesen. Erni verspricht «Spassfaktor, aber auch sehr ernste Szenen».
Hinter dem Festival Play stehen im Vorstand der Schriftsteller und Theatermann Lukas Bärfuss, die Bündner Autorin Gianna Olinda Cadonau, die Zürcher Theaterfrau Sabine Harbeke, die Basler Theater- und Performancekünstlerin Ariane Koch sowie Autorin Marina Skalova, die in Moskau geboren wurde und in Genf lebt.
Die diesjährige Ausgabe von Play gilt als die erste offizielle. Im letzten Jahr hatten die Bühnen Bern bereits eine Ausgabe gehostet. Im kommenden Jahr soll Play in Biel stattfinden. Dafür können Theaterschaffende bereits ihre Texte einreichen.
Mit ein Grund, warum es dieses Festival überhaupt geben soll, ist, dass gerade «im Theater die Berührungspunkte der verschiedenen Sprachräume sehr gering» seien, sagt Erni. Der deutschsprachige und der französischsprachige Raum produzierten grundsätzlich sehr verschieden Theater. Bei Play liessen sich also Entdeckungen machen, «im Wettbewerb sogar vorausgesucht von einer fünfköpfigen Jury», wirbt Erni.
