Tessin lanciert Kampagne gegen unnötige medizinische Eingriffe
«Scegliere con cura» – «Sorgfältig wählen» heisst die neue Sensibilisierungskampagne. Sie solle zur Verbreitung einer «Kultur der Angemessenheit» beitragen und eine bewusstere, wirksamere und nachhaltigere Nutzung von Gesundheitsleistungen fördern, heisst es in einer Mitteilung des Tessiner Departements für Gesundheit und Soziales.
Im Zentrum steht die Botschaft, dass mehr zu tun nicht immer bedeute, es besser zu machen. Ziel der Kampagne sei es, unnötige Eingriffe und medizinische Praktiken mit geringem Nutzen zu reduzieren und stattdessen wirklich notwendige, sichere und wissenschaftlich fundierte Behandlungen zu fördern, heisst es weiter.
Die hauptsächlich digital verbreitete Kampagne stütze sich auf die Grundsätze von «Smarter medicine – Choosing Wisely Switzerland», einer Kampagne zur Vermeidung unnötiger medizinischer Behandlungen und Förderung des Dialogs zwischen Arzt und Patient.
6065 Franken Kosten pro Kopf
Das Tessin war im vierten Quartal 2025 laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) Spitzenreiterin in Bezug auf die Kosten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP). Demnach gab im Südkanton eine Person im Jahresverlauf im Schnitt 6065 Franken für OKP-gedeckte Kosten aus. Im Schweizer Durchschnitt waren es 4968 Franken pro Person.
Erklärt werden die hohen Kosten mit einer über dem Landesdurchschnitt liegenden Dichte an Leistungserbringern, einem hohen Volumen der erbrachten Leistungen und einer überdurchschnittlichen alten Bevölkerung. Im Tessin nahmen auch die Krankenkassenprämien in den letzten vier Jahren um jeweils rund zehn Prozent zu.
Da die gegenüber dem Schweizer Durchschnitt schlechter verdienenden Tessinerinnen und Tessiner unter den steigenden Kosten leiden, haben sie im vergangenen September zwei Volksinitiativen zur Entlastung der Prämienzahler zugestimmt. Diese werden von der mit roten Zahlen kämpfenden Regierung nun lediglich in Etappen umgesetzt, was im Südkanton für viel Rage sorgt.
