Wie sich Europas Pflanzenwelt in 60 Jahren verändert hat
Überdüngung und Abgase verändern Europas Wälder und Wiesen. Eine Langzeitstudie zeigt, dass stickstoffliebende Pflanzen wie Brennnesseln seltenere Arten wie Orchideen verdrängen.
Die Lebensbedingungen für Pflanzen in Europa haben in den letzten Jahrzehnten einen starken Wandel durchlaufen. Bislang fehlte jedoch der grosse Überblick, welchen Effekt dies auf die Biodiversität hat, wie der Schweizerische Nationalfonds (SNF) am Mittwoch mitteilte.
Um diesen Überblick zu schaffen, hat ein europäisches Forschungsteam unter Beteiligung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) rund 650’000 Datensätze aus den Jahren 1960 bis 2020 ausgewertet. Die Daten stammen aus einer grossen europäischen Datenbank.
Verbesserung in der Schweiz
Der auffälligste Trend, den die Forschenden dabei feststellten, war eine Zunahme von stickstoffliebenden Pflanzen in allen untersuchten Lebensräumen. Als Ursache gelten Einträge aus Kunstdünger, Nutztierhaltung sowie Stickoxide aus Verkehr und Industrie.
Diese Entwicklung verdrängt Pflanzen, die magere Böden bevorzugen, wie zum Beispiel Orchideen. In der Schweiz ist dieser Trend laut dem beteiligten Ökologen Jürgen Dengler aber leicht rückläufig. „Es scheint, dass bei uns regionale Massnahmen wie die Reduktion von Kunstdünger eine Wirkung zeigen. Aber europaweit ist davon noch nichts zu merken“, so der Forscher der ZHAW, der vom SNF Fördergelder für die Studie erhielt.
Klimawandel mit geringem Einfluss
Auf Wiesen stellten die Forschenden zudem eine Zunahme schattenliebender Arten fest. Dies führen sie auf eine dichtere Vegetation durch Nährstoffeinträge oder fehlende Bewirtschaftung zurück. Unerwartet gering fiel hingegen der Effekt der Klimaerwärmung aus.
Unerwartet gering waren laut den Forschenden die Effekte des Klimawandels auf die Pflanzenwelt. Die Vegetation reagiere deutlich langsamer auf höhere Temperaturen als vorhergesagt, so Dengler. Eine Ausnahme bildeten die Schweizer Berge. Dort breiteten sich wärmeliebende Arten aus den Tieflagen bereits in höheren Lagen aus.
Veröffentlicht wurden die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Science Advances“.
